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Warum wurde Enterprise vorzeitig abgesetzt?

 

Der Pilotfilm feierte noch traumhafte Quotenhöhen, doch bereits am Ende von Staffel eins hatte Enterprise fast die Hälfte seiner Zuschauer verloren. Trotz verschiedenster Bemühungen der Produzenten und Autoren, gegenzusteuern, ging die Talfahrt weiter. Nach der vierten Staffel setzte das Studio die Serie ab. Über die Gründe wird bis heute diskutiert und spekuliert. Meine persönliche Rangfolge der zentralen Faktoren, warum Enterprise keine sieben Staffeln erleben durfte.

 

10 Fan-Provokationen
Viele Fans waren mit der Darstellung zentraler Serienaspekte in Enterprise nicht einverstanden. Insbesondere die sehr andersartige Zeichnung der Vulkanier stieß eingesessenen Star Trek-Fans von vorneherein auf. Archers Darstellung während der Xindi-Krise ist vermutlich die zweite große Fanprovokation. Was seitens der Produzenten sicher ein interessanter Gedanke war (der Zwang, gegen die eigenen Überzeugungen zu handeln, um das höhere Ziel zu erreichen), konnte nicht befriedigend umgesetzt werden und erzeugte zudem einen harten Bruch zu den ersten zwei Jahren sowie zum ganzen Impetus, mit dem die Serie gestartet war.

 

9 Prequel im Schraubstock
Enterprise sah sich von vorneherein mit dem Problem konfrontiert, dass es Neues erzählen wollte, aber in der Rolle des Prequels um die Vorgaben der anderen Serien nicht herumkam. Der Temporale Kalte Krieg sollte die Lösung sein, doch ausgerechnet er entwickelte sich zum Pferdefuß der Show. So fuhr man lange einen unsteten Schlingerkurs zwischen den Bezügen zu den Geschichtsbüchern und für sich stehenden Abenteuern - ein Markenkern entstand nur schwerlich.

 

8 Nicht genug Reifezeit
Paramount gab der Serie nicht genug Zeit, um sich zu entwickeln. Letztlich zeichneten sich alle Star Trek-Serien in ihren Anfängen durch starke Lern- und Veränderungsprozesse aus, sodass sie oftmals erst im vierten Jahr ihre richtige Form fanden. Bei Enterprise war es ähnlich, doch die Serie wurde mitten in dieser Selbstfindungsphase abgewürgt.

 

7Druck und Einmischungen
Anders als bei früheren Star Trek-Produktionen, beklagen die Produzenten Rick Berman und Brannon Braga, wurde von Seiten des Studios zu starker Druck ausgeübt. Dies fing bereits damit an, dass unmittelbar an Voyager eine weitere Serie anschließen sollte. Über die Enterprise-Jahre wurden dann die inhaltlichen Einmischungsversuche von Paramount immer größer.

 

6Unstete Autorenschaft
Im Rückblick bedauert Autorenchef Braga, so wenig Kontinuität im Autorenstab gehabt zu haben. Dies lag allerdings auch an seinem eigenen Verhalten: Braga feuerte in den ersten Jahren beinahe alle eingestellten Drehbuchschreiber, sodass die Show es schwer hatte, eine eigene Philosophie und Storykultur zu entwickeln. Dies änderte sich erst spürbar mit dem Einzug von Manny Coto im dritten Jahr.

 

5 Stilistische Inkonsequenz
Enterprise sollte dadurch überzeugen, dass es alte Star Trek-Erzählweisen aufbrach und die Show an die aktuelle Serienlandschaft anpasste. Dies geschah jedoch nur zum Teil. Zwar wurde nach einer Phase altbackener Einzelfolgen mit neuen Erzählformaten (u.a. staffelübergreifender Handlungsbogen) experimentiert und der Versuch unternommen, klassische Star Trek-Tugenden gegen den Strich zu bürsten. Aber die Limitierungen der traditionellen Roddenberry-Show machten sich rasch bemerkbar (z.B. änderte sich der Cast über die Serienjahre hinweg nicht).

 

4 Kein entschiedenes Ausspielen der Prequel-Karte
Brannon Braga hängt bis heute in Fankreisen nach, dass er in einem Interview zu Beginn von Enterprise zugab, er habe TOS nie gesehen. Dies merkt man auch Enterprise in den ersten Staffeln an: Bezüge zu Classic sind eher sporadisch, während TNG-Aspekte durchaus häufiger einfließen. Die dritte Staffel verlässt das Prequel-Feld mit den Xindi sogar komplett. In der Erwartung der Fans war Enterprise aber von vorneherein eine Geschichte darüber, wie es zur Föderation kam. Staffel vier verschrieb sich dann - leider zu spät - voll und ganz der Hinleitung zu TOS.

 

3 UPN als Sendeplatz ungeeignet
Die exklusive Bindung von Enterprise an das Paramount-eigene Network UPN entwickelte sich zum großen Nachteil für die Serie. UPN, selbst in Schwierigkeiten, hatte eine begrenzte Reichweite und änderte dauernd sein Programm. Enterprise wurde wie ein Fremdkörper an den Rand gedrängt und kaum noch beworben, da UPN sich vom Science-Fiction-Fokus verabschiedete. Zum Vergleich: TNG und DS9 waren in Syndication gelaufen.

 

2 Fan-Müdigkeit
Nach beinahe zwei Dekaden Star Trek war der Markt übersättigt. Sicherlich war es aus rückwärtiger Sicht unklug, an Voyager nahtlos mit einer neuen Sendung anzuschließen. Die Aufmerksamkeit für Enterprise wurde dadurch geschmälert. Viele Experten der Science-Fiction-Szene sind überzeugt: Wäre Enterprise nur einige Jahre später gekommen, wäre der Erfolg der Serie größer ausgefallen.

 

1 Produzenten-Müdigkeit
Brannon Braga betont in Interviews oft, wie ausgebrannt er bereits war, als er Enterprise auf die Schiene setzte. Der Mangel einer kreativen Pause in Folge von etlichen Jahren Star Trek in TV und Kino verlangte seinen Tribut: Nach einem guten Auftakt verlor sich Enterprise in 08/15-Erzählungen und büßte damit in dieser kritischen Etablierungsphase an Attraktivität ein.

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