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Relaunch / The Next Generation"Herr, kläre die Begriffe!" Nach Konfuzius soll das die Erwiderung eines Philosophen auf die Frage eines jungen Herrschers gewesen sein, als dieser seine Regentschaft antrat und wissen wollte, was er alles erstes tun sollte. Wohl keine andere Star Trek-Serie kam in den Genuss einer vergleichbaren Klärung wie The Next Generation. Es war kein Geringerer als Q persönlich, der am Ende der TV-Reise die entscheidenden Begriffe an die Wand warf. Bei seinem letzten Auftritt in Gestern, Heute, Morgen riet er Picard: "Verlegen Sie sich auf das Erkunden unbekannter Möglichkeiten der Existenz." In Wahrheit sprach da weniger ein omnipotenter Störenfried als der Große Vogel der Galaxis selbst – Gene Roddenberry. Wenn es nach Roddenberry ging, war das Ende von TNG eine konsequente Fortführung dessen, was die Serie ihren Fans sieben Jahre lang geboten hatte: eine geläuterte Menschheit, die mit Verträumtheit und einer gewissen gesunden Naivität große Ideale lebte. Ohne Götter, ohne Vormünder, ohne die Niederungen unserer eigenen Gegenwart. Als nach Roddenberrys Tod Rick Berman das Franchiseruder übernahm, veränderte sich Star Trek immer mehr. Verantwortlich dafür war nicht nur der Neue an der Spitze. Denn als das Science-Fiction-Genre in die neunziger Jahre überging, sah es sich mit einem sich wandelnden Zeitgeist konfrontiert. Das, wofür TNG gestanden hatte, geriet langsam, aber sicher aus der Mode. Der Stern perfekter, geradliniger Helden, wie Jean-Luc Picard mustergültig einer war, sank – die Zuschauer wollten Charaktere mit mehr Ecken, Kanten, Makeln und dunklen Seiten sehen. Die kommenden Star Trek-Erzeugnisse bedienten diese Sehnsucht mal mehr, mal weniger, aber letztlich taten sie es alle. Das hatte aber eines zur Folge: Der Pfad, der am Ende von TNG angeklungen war, wurde verschüttet. Star Trek wurde nicht nach dem Gusto seines Erschaffers weitergeführt. Nichts beweist das besser als die TNG-Kinofilme. Obwohl Der Aufstand als Intermezzo mit dem früheren, verblümten Idealistentum noch einmal jonglierte, wurden die Enterprise-Mannen des nächsten Jahrhunderts auf eine neue Fährte geführt. Der Erste Kontakt experimentierte mit dem Charakter Picards und fügte ihm das Element der Rachsucht hinzu – ein Erdrutsch für diese Figur und durchaus symbolisch zu verstehen. Mit dem Actionblockbuster Nemesis ging die TNG-Ära dann – nicht ganz unumstritten – 2003 zu Ende. Während zu diesem Zeitpunkt bereits Serienrelaunches in Buchform aus dem Hause Pocket Books zu Deep Space Nine und Voyager aus dem Boden sprossen, stellten sich für ein TNG-Sequel ein paar entscheidende Fragen: Wie sollten jetzt die Abenteuer von Picard und Co. weiter gehen? Sollten sie das überhaupt? Und wenn ja, unter welchem Leitthema sollten sie abgehandelt werden? Wir erinnern uns: Das verbindende Element für sieben Staffeln TNG war der Prozess der Q gegen die Menschheit, deren idealtypischer Vertreter Picard war. Die Gemengelage war nicht optimal: Eine abgeschlossene Serie, deren Schlusskredo aber keine Rolle mehr für das moderne Star Trek spielte. Dreieinhalb Filme, die nicht nur im Schweinsgalopp durch die späteren Jahre huschten, sondern in denen die bekannten Charaktere zudem immer sprunghaftere Entwicklungen durchgemacht hatten und sich von ihren früheren Images entfernten. Auf Basis all dessen, was Picard und seine Mannschaft erlebt hatten, bedeutete eine TNG-Fortsetzung nicht weniger als die Quadratur des Kreises, wollte man Serie und Filmen gleichermaßen gerecht werden. Die Macher bei Pocket Books überlegten. Man wusste, dass sieben Seasons Weltraumidealismus und eine Handvoll zuweilen recht schnellatmiger Kinostreifen nicht ganz zueinander passten. Trotzdem war die Prämisse zunächst, beides zu versöhnen. Viele Fans hatten sich zu Recht darüber mokiert, dass manche Veränderungen der Charaktere von Treffen der Generationen zu Der Erste Kontakt und von Der Aufstand zu Nemesis nicht nachvollziehbar waren. Wie kam Geordi eigentlich an seine neuen Augen? Warum hat Data in Nemesis plötzlich keine Emotionen mehr? Wie fand Worf zurück auf die Enterprise? Was sucht Wesley auf Rikers und Trois Hochzeit? Warum wollen Letztere samt Doktor Crusher plötzlich von Bord gehen und die Karriereleiter hochklettern? Und überhaupt: Warum ist Picard plötzlich humorvoll? Fragen über Fragen, die offen geblieben waren – teils über liebenswürdige Details, teils Grundsätzliches betreffend. Wenn Pocket Books einen Erfolg mit seinen jüngeren Star Trek-Novellen, die seinerzeit mit dem Deep Space Nine-Relaunch begannen, verbuchen konnte, dann, indem man derartige Fragen aufzugreifen verstand, die das lesebereite Publikum interessierten. Offenbar gab es theoretisch noch genügend Stoff, um auch TNG interessant zu halten. Bevor Pocket Books jedoch eine Serienfortsetzung wie bei DS9 riskierte, testete man sich aus. Einzelromane versuchten, gedankliche Lücken zwischen TNG-Serie und –Filmen zu schließen und manche charakterliche Facette besser auszuleuchten. Der große Wurf blieb aber noch aus. Zu sehr hatte man sich auf übliche Alien-of-the-week-Geschichten konzentriert, welche im Stil eines neuen, kriegerischeren Star Trek daherkamen. Insofern konnte von einer Vermählung von altem und neuem TNG keine Rede sein. Man hockte nach wie vor zwischen zwei Stühlen. Der gordische Knoten war nicht zerschlagen – Pocket Books suchte weiter nach zündenden Ideen. Die Relaunches von DS9 und VOY waren lanciert und machten bei Medien und Markt eine überwiegend gute Figur. Im Frühjahr 2005 brach dann auch Captain Rikers neuer Kahn, die Titan, zu seinem literarischen Jungfernflug auf. Für eine TNG-Fortführung stellte Star Trek: Titan eher ein ausgemachtes Problem dar, denn diese Reihe reklamierte für sich, den Forschergeist der Sternenflotte – nach den harten Jahren des Dominion- und Borg-Kriegs – wieder hochleben zu lassen. Ausgerechnet das Thema, unter dem man die Enterprise-E hätte wieder losziehen lassen können! Was nun mit dem im Trockendock Staub ansetzenden Flaggschiff machen? Man merkt es: Anders als bei DS9 und auch VOY, deren TV-Finale zahlreiche Fragen offen ließen, um Anknüpfungspunkte zu schaffen, hingen bei TNG die Früchte zum Ernten nicht so niedrig. Und das vor allem aus einem Grund: Das Familiengefühl war zuletzt ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen worden. Während am Ende anderer Shows die Crew zusammenblieb oder zumindest ein funktionierender Rest, waren im Gefolge von Nemesis nur noch ein paar zerstreute Charaktere übrig. Das Imzadi-Tandem erteilt jetzt eigene Befehle, und pro forma sind auch Beverly und Data von der Bühne abgetreten. Letzterer hat ja eigentlich in einem mehr oder minder heroischen Akt sein Ableben gefristet, doch mit seinem Epiloggeträller hat ein aus der Wüste aufgetauchter Androidenklon namens B-4 die Frage nach Datas Rückkehr schlagartig offen gelassen. Allerdings dürfte diese eigentlich nicht zur Debatte stehen, will man nicht den Fan ins Boxhorn jagen: Wer sieht schon einen Haupthelden gerne sterben, auf dass er ein paar Minuten später wieder unspektakulär aufersteht? So etwas funktioniert vielleicht bei den Zylonen – in Star Trek-Stellargraden ist es eher ungeliebt. Irgendwie schafften Marco Palmieri und seine Abteilung doch den Absprung, ehe sie kalte Füße bekommen konnten. Ende 2005 veröffentlichte Pocket Books den TNG-Titel Death in Winter, der unmittelbar an Nemesis anknüpft. Auch hier haben wir es mit einer weiteren Annäherung auf der Suche nach einem geeigneten Leitthema für das neue TNG zu tun. Death in Winter konzentriert sich auf das Verhältnis zwischen Picard und Beverly – ein erster Ölzweig, denn diese Beziehung gehört zu den übrig gebliebenen kleinen Rätseln der Show. Die damalige Co-Editorin Margaret Clark, die federführend am TNG-Sequel mitwirkte, merkt dazu an: "In TNG ging es um die Familie und das Geschehen auf dem Schiff. Und deswegen sagte ich ihnen [meint die zugewiesenen Autoren], dass sie drei Figuren nicht haben konnten: Geordi, Worf und Beverly. Was die anderen angeht, bedient Euch". Weshalb gerade diese drei Personen um Picard? "Ganz einfach.", meint Clark. "Geordi ist ein Markenzeichen, Worf und Beverly Picard-Bezugspersonen." Daher setzte sie sich durch, Beverly wieder auf die Enterprise zurückzuholen. "Ich hielt es für blöd, dass sich die Produzenten tatsächlich davor drückten, zu zeigen, wie man eine romantische Beziehung an Bord eines Raumschiffs am Leben erhält." Indes: Es sollte noch Jahre dauern, bis der TNG-Relaunch – inoffiziell Second Decade getauft – Fahrt aufnahm. Spätestens mit dem vierten Buch, Before Dishonor, das 2008 erschien, stand endgültig fest, dass Pocket Books die alte Idee von einer Verschmelzung von neuem und altem TNG aufgegeben hatte. Der Knoten war nicht zerschlagen worden, dennoch hielt man die Entscheidung für richtig. Die Zukunft von Star Trek sollte im Vordergrund stehen, wie die jüngeren Serien und nicht zuletzt der neue J.J. Abrams-Film sie skizzieren. So rückten die Borg – Picards wahre Nemesis – plötzlich ins Zentrum der TNG-Fortsetzung, die ihrerseits den Neuanfang einer Saga darstellt. Dass die Borg das dominierende Thema des Relaunch wurden, verteidigt Clark ehern und sieht in ihrem Wiedererscheinen mitnichten etwas Altbackenes. "Es war der zwanzigste Geburtstag, und mir schienen die Borg in Voyager zahm gemacht worden zu sein. Ich wollte sie wieder so haben, wie wir sie zuerst sahen. Man muss den Tisch umstoßen und alle Regeln ändern, um die Borg wieder interessant zu machen." Das lässt sich wie eine kleine Revolution an. Dazu passt das Vorhaben, die Second Decade bis zu einem gewissen Grad Crossovern und Gastrollen zugänglich zu machen – mehr als TNG es tat. "Es ist toll, neue Leute an Bord zu nehmen – die finden nämlich nicht alles super, was der Captain sagt. Man braucht neue Offiziere, die noch nicht unter Picard gedient haben." Der Einfall könnte kommenden Romanen eine gute Grundlage bescheren, vor allem aber eine stärkere Verbindung mit dem restlichen Star Trek-Universum, wo TNG als erste der modernen Serien traditionell das Nachsehen hat. Was lange währt, wird gut. Wer bereit ist, sich auf ein neues Next Generation einzulassen, wird am Ende also doch noch belohnt. Es gibt nun viel Potential, Jean-Luc Picard – den ehemaligen Gralshüter der tugendhaften Menschheit – auch den finsteren Seiten seines Ichs zu öffnen. Das und noch mehr macht der TNG-Relaunch vielleicht möglich.Rezensionen
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2010 Star Trek Companion Fan-Fiction 2004-2010 v.5.0 by Julian Wangler. |