| STAR TREK COMPANION | ||||||||||||||||||
| return to the edge of the final frontier | ||||||||||||||||||
Relaunch / Deep Space Nine"Kreativ sein heißt, die Welt zu umarmen.", soll einmal jemand gesagt haben, dessen Element alles war, nur nicht die Welt des Science-Fiction. Interessanterweise demonstriert gerade Star Trek eine besondere Flexibilität, bis in den Alltag der Leute vorzustoßen, womit es nicht Wunder nimmt, dass der Spruch doch irgendwie passt. Und zwar geradewegs mustergültig auf den dritten Spross der Saga: Deep Space Nine. Bloß warum? Gehen wir der Sache nach. Zunächst entstammt DS9 einer Zeit, in der sich eine Star Trek-Serie noch den Luxus erlauben konnte, sich auszutesten - bei einer relativen Sicherheit, die siebte Staffel zu erreichen. Die Abenteuer der Next Generation um Picard und Kohorten flimmerten gerade über die Schirme, da kamen die Macher des Franchise auf die Idee, ein neues Pflänzchen heraufkeimen zu lassen. Spätestens, als Benjamin Sisko sich die Haare abschnitt, wurde klar, dass es sich um eine Geschichte handelte, die ihre eigenen Wege beschritt. Und dabei ging es nicht nur um einen großen Krieg, epische Begebenheiten, um komplexe Handlungsbögen und ein ganzes Bataillon an wiederkehrenden Gastcharakteren. DS9 umarmte die Welt tatsächlich, und das in vielerlei Hinsicht. Zum einen die Welt der Realität, weil die hypertechnisierte Utopie angereichert wurde mit den Themen unserer Zeit, allem voran Glauben und Hoffnung. Zum anderen die Welt von Star Trek selbst, weil sich in der Serie das Franchise in ungekannter Weise verdichtete, was sich nicht zuletzt in den heterogenen Charakteren niederschlug, von denen so manche aus TNG überführt worden waren. Kurzum: DS9 war eine Hommage auf zwei große Wirklichkeiten, die hier zueinander fanden. Das brachte der Serie unter Kennern die Bezeichnung 'Star Trek with an edge' ein. Noch während DS9 gedreht wurde, drängte sich der Verdacht auf, dass ein Projekt, welches in derartigem Maße von Stoff und Bezügen zehrt, fast zum Selbstläufer erwächst. Und so kam es dann auch: Das, was Du zurücklässt ließ im wahrsten Wortsinn etwas zurück, nämlich einen Haufen Ungeklärtheiten. Da das Dominion besiegt wurde, wie geht es jetzt weiter im verwüsteten Alpha-Quadranten? Odo, Worf, O'Brien - welche Wege schlagen sie und die anderen Charaktere ein? Und: Kommt Sisko irgendwann aus dem Reich der ominösen Propheten zurück? Diese Reihe ließe sich beinahe ins Unendliche fortsetzen - eine offene Frage jagt die andere. Kein Wunder, dass Pocket Books bereits 2001 - ein Jahr nach Drehschluss - den fantastischen (und auch wirtschaftlichen) Segen erkannte, der auf das Finale von DS9 gefallen war. Angesichts der Fanrufe nach Antworten: Was war verlockender als eine Fortsetzung der Serie in literarischen Gefilden? Ganz unaufgeregt begann man, einige separate Romane aus der Feder renommierter Autoren zu veröffentlichen, die das bestehende DS9-Epos stilvoll ergänzten. Zu nennen wären die bewegten Lebensgeschichten des Cardassianers Garak und der Dax-Wirte, auf die eine Studie des Martok-Charakters folgte, eingebettet in die Wirren eines neuen Zeitalters auf der klingonischen Heimatwelt. Erst mit der Zeit und mit einsetzendem Erfolg der Werke begannen die Pocket Books-Verantwortlichen um Marco Palmieri den Grund dafür zu erkennen, warum es seinerzeit so schwer fiel, literarisches Futter zu DS9 zu kreieren, während die Serie lief: Im Gegensatz zum eher gewohnheitsverwöhnten TNG-Vorläufer änderte sich die Story einfach viel zu schnell, als man in den Büchern dynamisch darauf hätten eingehen können. Es war nicht vorherzusehen, dass Odo eigentlich ein Mitglied der Gründer ist, ebenso wenig wie Julian Bashirs dunkles Geheimnis, und von den Hintergründen bei Siskos Zeugung wollen wir erst gar nicht reden. Aber jetzt lagen die Karten endlich offen für einen Deep Space Nine-Relaunch. Als die Autorin S.D. Perry den Auftrag zugesprochen bekam, einen Auftaktzweiteiler für die literarische achte Season aufs Papier zu bringen, ahnte niemand, dass jener Relaunch wenige Jahre später bereits Dutzende von Werken umfassen würde, allesamt untereinander sowie mit den interessanten Punkten der Serie vernetzt. Noch viel weniger konnte man wissen, dass DS9 auf diesem Wege zum Vorreiter für eine ganz neue Generation von Star Trek-Romanen werden würde, die mehr Freiheit genießen und dem berühmt-berüchtigten Canon nicht nur unterliegen, sondern ihm den eigenen Stempel aufdrücken. Im DS9-Relaunch kam erstmals eine Dynamik zum Tragen, die der Star Trek-Literatur gegenüber der TV-Ebene ein Alleinstellungsmerkmal verlieh und sie nicht mehr lediglich begleitete. Herausgeber Palmieri sieht die Fortführung der Serie als zweiten Akt einer größeren Erzählung, nachdem ja der erste Akt mit der Aufnahme Siskos in den Himmlischen Tempel und mit dem Weggang zahlreicher Stammcharaktere ein dramatisches Ende gefunden hatte. Der Relaunch führt die roten Linien von DS9 konsequent weiter: Neben dem Werdegang der Protagonisten, die nun teilweise durch neue, interessante Figuren gestellt werden, stehen die Frage nach Bajors Föderationsbeitritt im Vordergrund, natürlich die Propheten, aber genauso das sich aus seiner Asche erhebende Cardassia, das im Gamma-Quadranten durch Odos Einwirken sich wandelnde Dominion und viele andere wiederkehrende Elemente der Serie. Der DS9-Relaunch ist ein neuer Abschnitt für die Serie; ein sorgsam vorbereitetes Pottpore sich befruchtender Teile einer ganzheitlich angelegten und überaus komplexen Geschichte. Charaktere und Handlungen helfen mit, die fortlaufende Geschichte zu tragen und die allgemeinen Themen von Star Trek sowie die DS9-Spezifika zu verwirklichen. Es gibt neue und alte Storybögen, neue und alte Gesichter, und doch schmücken die Qualitäten, welche die TV-Serie auszeichneten - die Graustufen, die nuancierte Dramaturgie, die fortlaufende Erzählung - auch die Seiten des DS9-Relaunch. Wie Quark im Serienfinale schon sinnierte: „Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleibt alles beim Alten.“ Über die Sequel-Belletristik von Deep Space Nine lässt sich Ähnliches behaupten. Im allerbesten Sinne. Rezensionen
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2010 Star Trek Companion Fan-Fiction 2004-2010 v.5.0 by Julian Wangler. |