| STAR TREK COMPANION | ||||||
| return to the edge of the final frontier | ||||||
Relaunch / VanguardZu den Wurzeln zurückzukehren, liegt derzeit im Mainstream des Entertainmentbusiness schwer im Trend. Wo man auch hinsieht: Überall in Kino und TV werden Jahr um Jahr alte Helden wieder zum Leben erweckt (jüngst Sherlock Holmes) – der Remake boomt. Auf die Frage nach den Gründen für dieses Phänomen ließe sich einwenden, dass die Gewinnkalkulatoren aus Hollywood, indem sie auf bewährte Helden setzen, sicherlich nicht so ein großes Risiko eingehen müssen wie im Fall einer ganz neuen Produktion. Es wäre jedoch nur ein Teil der Wahrheit, würde man nicht auch auf eine andere Problematik hinweisen: In Zeiten des Informations- und Unterhaltungsüberflusses, des inflationären Angebots und Gebrauchs von Konsumgütern und mit ihnen verbundenen Zeichen, ist der menschliche Speicher so langsam voll. Es gibt nur noch eine begrenzte Aufnahmefähigkeit für neue 'Marken'. Stattdessen beginnt ausgerechnet in der Generation Internet das sozialpsychologische Zeitalter der Dekonstruktion: Eine Rückbesinnung auf alte, originale thematische Kerne greift sich Platz. Vielleicht war sich J.J. Abrams dieser allgemeinen Sehnsucht des Publikums bewusst, als er die Wiedergeburt von Star Trek vorbereitete. Damit hätte er unter den Filmemachern keine Ausnahme gebildet. Nach der Prequel-Lust (Enterprise) ist das Franchise nun voll in der Gegenwart angekommen, und die stehen im Zeichen des 'Back to the routs'. Das neue-alte Star Trek bezieht sein Reiz aus einer ästhetisch ansprechenden, aufpolierten Oberfläche mit traditionsbewussten Inhalten – alte und neue Elemente möglichst bunt gemischt. Eben diese Mixtur lässt ein vielfältiges Variationsspiel zu, das ihm einen Nimbus der Einzigartigkeit verleiht. Bei der Dominanz und Faszination des Abrams-Films gerät schnell aus dem Blick, dass es lange vor der Wiederauferstehung von Kirk, Spock und Pille bereits einen umfassenden Versuch gegeben hat, den ursprünglichen Kern von Star Trek in eine neue Zeit zu überführen. Dazu ist es allerdings erforderlich, über den Tellerrand der Leinwand hinauszusehen. In der Welt der Bücher werden wir fündig. Dort ist, gleichsam im Windschatten des Star Trek-11-Fiebers, seit 2005 eine viel versprechende Reihe namens Vanguard gediehen, die uns zurückversetzt in die Ära der Classic-Serie – und von ihrem Ansatz her wesentlich erfrischender ist als alles, was uns Lost-Regisseur Abrams vor kurzem geboten hat. Fragt man den ehemaligen Chefeditor der Star Trek-Romansparte bei Pocket Books nach Vanguard, gibt es für Marco Palmieri viel zu erzählen. Seit dem Millennium ist es ihm maßgeblich zu verdanken, dass die Welt der Star Trek-Literatur mit ihren Relaunch-Serienfortsetzungen ein Eigenleben entwickeln durfte. Doch bis Vanguard kam, war dieses Eigenleben noch sehr stark an die Unmittelbarkeit einer Serienvorlage gekoppelt. Es ist unschwer zu erkennen, dass Palmieri mit diesem speziellen Projekt viel verbindet. "Wir haben viel Zeit damit verbracht, die Ära des 24. Jahrhunderts zu erforschen.", sagt der Verlagsmann in einem Interview. "Aber ich wollte unbedingt zurück in die Zeit von Kirks ursprünglicher Fünfjahresmission. Damals hatte ich bereits ein Konzept im Kopf: eine Raumbasis, deren Schiffe und Crews einem uralten Mysterium auf den Grund gehen – natürlich in einem Sektor abseits der bekannten Sternenstraßen. Eines Tages, als die Situation günstig war, lud ich David Mack ein, um mir bei dem zu helfen, was später Vanguard wurde." David Mack, mittlerweile eines der Schwergewichte unter den gegenwärtigen Star Trek-Autoren, erhielt später den Zuschlag, den Vanguard-Pilotroman zu schreiben. Wenn er sich an die Entwicklungszeit der Reihe erinnert, kommt er nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass Vanguard im Gegensatz zu anderen Buchabenteuern "vom Fundament her gebaut" werden musste. Das Konzept war durch und durch neuartig und nicht einfach eine Weiterentwicklung gehabter Storybögen wie im Rahmen der Serienfortsetzungen zu TNG, DS9, VOY oder ENT. Gleichzeitig sollte Vanguard dem Canon auf eine besondere Weise verpflichtet bleiben: "[Es] sollte eine Story erzählen, die den sehr lockeren TOS-Folgen einen neuen, komplexen Hintergrund verleiht". Die Ansprüche waren hoch, und um noch eine Schippe obendrauf zu legen, sprachen sich Palmieri und Mack schnell dafür aus, das ohnehin alternierende Vanguard auch in eine alternierende Form zu pressen. In der Kinolandschaft hätte man wohl gesagt: Vanguard wurde seine eigene Ästhetik verliehen. Für literarische Begriffe hört sich das in der Kurzfassung aus Macks Mund gar nicht so anders an: "Ich habe einfach die Laschen überklebt und die Pornos mit Star Trek überspielt." Der erste, noch 2005 erschienene Roman Harbinger (in der deutschen Übersetzung beim Cross Cult-Verlag Der Verbote) ist eine Collage dieses kleinen Experiments. David Mack räumt ein, dass er eine Grundinspiration für Vanguard von der Battlestar Galactica-Neufassung bezog. Trotz der einen oder anderen Anleihe beansprucht er für das Projekt jedoch maximale Eigenständigkeit. Als Palmieri ihn erstmals im Sommer 2004 eingeladen habe, habe eines von seinen Zielen darin bestanden, "ein neues Star Trek zu erschaffen, ohne jedoch die Bodenhaftung zu verlieren". Von vorne herein sei es darum gegangen, mit alten Verfahrensweisen zu brechen. Im Zentrum aller Bemühungen hätten von vorneherein die Figuren gestanden. In vier Jahrzehnten Star Trek ist es mit dem Fortgang der Zeit oftmals zu Variationen derselben Charaktertypen gekommen. Innovationen bei der personellen Besetzung unterliegen somit einem gewissen Verschleißeffekt. Aus diesem Dilemma gedachten Palmieri und Mack auszubrechen, indem sie völlig neue Wege beschritten. Sie entschieden sich für einen Cast, den es weder in den Romanen noch in den Serien je gegeben hatte. Im Gegensatz zum üblichen Star Trek-Ansatz, im Grundsatz gefestigte, idealisierte Figuren zu zeigen, die mit sich selbst im Reinen sind und unerschütterliche Prinzipien haben, steht Vanguard näher an der Wirklichkeit. Es verschreibt sich dem Bemühen, einschneidende Brüche in den Biographien seiner Protagonisten darzustellen, emotionale Konflikte, unauflösbare Widersprüche, divergierende Interessen, Geheimniskrämerei und die bitteren Zufälle im Leben. Schon bei Commodore Diego Reyes, dem Kommandanten der Vanguard-Sternenbasis, fängt es an. In Harbinger tritt er erstmals in Erscheinung als stoischer Soldat, der eine Geheimoperation von unschätzbarem Ausmaß befehligt. Innerhalb kürzester Zeit wurde Vanguard in der mysteriösen Taurus-Ausdehnung, weit abseits des Hoheitsgebiets der Föderation, errichtet und eine Besiedlung derselben forciert. Das hat nicht nur die angrenzenden Klingonen und Tholianer sehr verärgert, es gibt auch Rätsel über die tatsächlichen Motivationen der Sternenflotte jenseits der diplomatischen Floskeln auf. Über den Fortlauf der mittlerweile fünf Bände umspannenden Romanserie stürzt Reyes von einem emotionalen Trauma ins andere, und sein Leben beginnt um ihn herum zu zerbrechen. Er ist somit eine Art Visitenkarte der schöpferischen Brutalität, mit der Vanguard seine Personae dramatis behandelt. Jenseits von Reyes dürfen wir dann noch mit T'Prynn eine emotionale Vulkanierin mit finsterer Vergangenheit erleben, die sich für den Geheimdienst der Sternenflotte verdingt. Ihr und anderen ominösen Gestalten schnüffelt der spitzbübische Grenzkorrespondent Tim Pennington hinterher, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, herauszufinden, welche Wahrheit hinter der Expansion der Föderation in die Taurus-Region steht. Weitere Figuren sind der an Harry Mudd erinnernde Händler Cervantes Quinn, ein gutmütiger Trunkenbold, der von der einen in die nächste Katastrophe schliddert und dabei zum Werkzeug für Andere wird; die klingonische Agentin Lurqual, die sich in der in der diplomatischen Föderationsdelegation als Anna Sandesjo verdingt und dem Charme von T'Prynn erliegen wird. Last but not least ist auch ein orionischer Kaufmannsprinz, genannt Ganz, mit von der Partie. Obwohl es sich bei ihm um ein subversives Element handelt, ist Reyes manchmal schlicht gezwungen, mit Ganz zu kooperieren, um seine Ziele zu erreichen. Was für den Stationsbefehlahber gilt, gilt auch für die übrige Besetzung: Die Charaktere in Vanguard sind keine automatischen Sympathen, ebenso wenig sind sie von Grund auf böse. Sie sind so, wie wir im echten Leben auch: von widersprüchlichen Interessen geleitet, teils unter Zwängen stehen. Sie sind Getriebene einer globalen Handlung, die sie bisweilen nur zum Teil durchblicken. Vor verschiedenen Personen schlüpfen sie in unterschiedliche Rollen. Sie lieben und betrügen, gewinnen und verlieren. Vor allem aber stehen sie niemals still. Die Entwicklung, die seit Harbinger eintritt, hat die Intensität eines sich verstärkenden Hurrikans. Auch darin unterscheidet sich Vanguard von weithin statischen Serienhelden wie Kirk oder Picard. "Durch den großen Handlungsrahmen und durch Ereignisse in anderen Star Trek-Romanen", eröffnet Mack freudig, "gibt es ein paar Figuren in Vanguard, die man nicht töten darf, doch bleiben noch genügend andere Dinge übrig, die ich mit ihnen anstellen kann". Nannte sich Deep Space Nine nicht zu Unrecht 'Star Trek with an edge', so muss man im Fall von Vanguard fast zwangsläufig einen Schritt weiter gehen. Vanguard ist 'Dirty Trek' – im allerbesten Sinne. "Ergänzt man diese Weiterentwicklung der Figuren", sagt David Mack, "dann noch um streitlustige Klingonen, unbarmherzige Tholianer, verstohlene Romulaner […], hat man das Rezept für Tragödie, Abenteuer und eine große SF-Saga, die anders ist als alles, was es in Star Trek bisher gab". Einfallsreich wollten Palmieri und Mack auch in punkto Antagonisten sein. Abseits aller zwielichtigen Gestalten, die auf Vanguard-Station ihr Unwesen treiben, kann kein Zweifel bestehen, dass der wahre Feind die so genannten Shedai sind. Bei diesen Bösewichtern handelt es sich um eine uralte Spezies, die eng mit dem Operieren der Sternenflotte in der Taurus-Ausdehnung verknüpft ist. Die Shedai, die eine ominöse Verwandtschaft mit den Tholianern teilen, besitzen Fähigkeiten, wie wir sie noch nicht im Star Trek -Universum angetroffen haben. So können sie mit purer Gedankenkraft Warpgeschwindigkeit erzeugen, verschiedene Formen annehmen wie die Engel des Alten Testaments. Auf Sterbliche wirken sie hypnotisierend und suchen Jene, die sie bedrohen, mit Feuersälen, Sturmwolken oder der Vernichtung ganzer Planeten heim. Die Shedai haben geschlafen. Doch als die Sternenflotte in einem halbgaren Gemisch aus Machtpolitik und Forscherneugier auf einem Planeten in der Taurus-Region an einer Verbindung herumfingert, wird die so genannte Wanderin aus ihrem Winterschlaf geweckt, der noch viele Millionen Jahre hätte währen sollen. Die Wanderin ist rachsüchtig, xenophob und extrem mächtig. Es ist wohl nicht übertrieben, dass sie zu den gefährlichsten Gegnern in der Geschichte der Sternenflotte zählt. In der Auseinandersetzung mit den Shedai erinnert Vanguard wohl am stärksten an das Galactica-Remake. David Mack hat durch Dayton Ward und Kevin Dilmore Verstärkung am fortlaufenden Schreibprojekt erhalten. Zusammen wollen sie nach eigener Aussage Vanguard immer stärker mit TOS verzahnen. "Das ist, wenn man so will, eine weitere zentrale Mission von Vanguard.", heißt es von Macks Seite. Ziel sei es, mit Vanguard eine Verbindung zur klassischen Serie zu schaffen. Es gelte, Situationen herzustellen, an denen der Leser (und hoffentlich auch Trekker) feststellen könne, dass ein Ereignis in Vanguard die Erklärung für ein bis dato offenes Rätsel aus einer TOS-Episode liefert, wo unter Captain Kirk nur die Symptome dessen zu besichtigen gewesen seien. Man denke da zum Beispiel an den vom Himmel gefallenen Krieg mit den Klingonen, der die Enterprise nach Organia führt. Eine andere Möglichkeit, Vanguard einzusetzen, ist, Geschehnisse und Personen aus TOS weiterzuverfolgen. Mack resümiert: "Es geht uns darum, Lücken zu füllen und so viele Handlungsfäden des Star Trek -Universums zusammen zu spinnen, wie wir können". Stoff gibt es reichlich. Vor allem die Entstehung des Genesis-Projekts erhält durch die Eröffnungen in Vanguard einen ganz neuen Background, wie man mit dem Fortgang des Abenteuers feststellen kann. Also Vorhang auf für Vanguard, mit dem ausgerechnet das alte Star Trek moderner wird denn je zuvor. Rezensionen
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2010 Star Trek Companion Fan-Fiction 2004-2010 v.5.0 by Julian Wangler. |