STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Deep Space Nine

Avatar #2

Autor: S.D. Perry
Erscheinungsjahr: 2001
Seitenzahl: 235
Band: 8.02

Inhalt

Die vereinte Flotte der Anti-Dominion-Allianz ist auf dem Weg in den Gamma-Quadranten, bereit, nicht nur die Hintergründe des Jem'Hadar-Angriffs auf DS9 zu klären, sondern auch eine Drohkulisse sprechen zu lassen. Währenddessen scheint auf der Heimatwelt der Gründer jedoch niemand etwas über die Geschehnisse auf der anderen Seite der Galaxis zu wissen. Nur Odo steht im Mittelpunkt der Debatte unter den Wechselbälgern, herrschen doch trotz seiner Bemühungen nach wie vor Skepsis und Misstrauen gegenüber den Solids vor.

Das Gefühl der Verwundbarkeit infolge des verlorenen Kriegs beschäftigt die Große Verbindung. Zudem schwächen Aufstände auf peripheren Welten des Dominion die Machtposition der Gründer weiter. Umso mehr muss Odo sein Volk davon überzeugen, dass es der falsche Weg wäre, jetzt eine Art Repressionskurs zu fahren. Dennoch steht ein kurzfristiger Erfolg eher nicht zu erwarten: Recht schnell musste Odo einsehen, dass er Denkweisen und Gewohnheiten der Formwandler nicht von heute auf morgen ändern kann.

Auf DS9 gelangte Jake mehr und mehr zur Überzeugung, dass die Prophezeiung aus B'hala ihn persönlich dazu anhält, seinen Vater aus dem Himmlischen Tempel zurückzuholen. Mit einem von Quark bezogenen Shuttle hat er sich im Schutze der Trümmer des von den Jem'Hadar zerstörten Sternenflotten-Kreuzers aufgemacht ins Wurmloch - was bald schon bemerkt wird.

Kitana'klan - der Jem'Hadar, der behauptet, ein Bote Odos zu sein -, steht nach wie vor unter Beobachtung, gewinnt aber allmählich das Vertrauen von Ezri Dax. Ro brütet indes weiter über der Avatar-Prophezeiung und glaubt, das Buch sei der Schlüssel zur Aufklärung von Istanis Mord. Obwohl Kira zunächst von dieser Theorie alles andere denn begeistert ist, erfährt sie, dass die Vedek-Versammlung von dem Buch wusste und verhindern wollte, dass seine Existenz bekannt wird. Die Spitzen der bajoranischen Konfession stufen die Prophezeiung als ketzerisch ein und wollen das Volk unter allen Umständen vor seinem Inhalt schützen. Ro eröffnet, dass Istanis Mörder selbst ein Vedek gewesen war, und es kommt heraus, dass dieser im Auftrag der ganzen Versammlung gehandelt hat. Kira bekommt zum ersten Mal Zweifel an der Richtigkeit der religiösen Institution.

Kurz darauf trifft die Enterprise bei DS9 ein. Picard und Elias Vaughn kommen an Bord, um Kira den in den Badlands gefundenen Drehkörper zu überreichen. Als Picard berichtet, wo das Artefakt gefunden wurde, erinnert sich Kira an einen Traum, den sie hatte und in dem Benjamin Sisko vorkam. Das Sicherheitsbüro ruft sie. Dort sind Ro, Vedek Yevir und Kassidy Yates in einen handfesten Streit verwickelt. Yevir beschuldigt Ro, die Prophezeiung ins bajoranische Kommunikationsnetz hochgeladen zu haben, und Kassidy wird seitdem mit Anrufen von besorgten Bajoranern bombardiert. Zum Verwundern aller gesteht Kira, dass sie es war, die das Buch hochlud, da sie der Meinung war, dass das Volk den Inhalt des Buches selber beurteilen sollte. Darüber ist nicht nur Yevir entsetzt, sondern auch Kassidy. Sie wirft ihr vor, eine Entscheidung getroffen zu haben, ohne die Konsequenzen für sie zu berücksichtigen.

So richtig beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen, als Kitana'klan von der Krankenstation Reißaus nimmt, dabei Bashir und mehrere Sicherheitsleute verletzt und sich tarnt. Dem Eindringlingsalarm folgend, erklärt sich Vaughn als altgedienter Taktik- und Kampfexperte bereit, sofort die Verfolgung des Jem'Hadar aufzunehmen, der offenbar doch nicht so friedliebend ist wie er vorgab. Es beginnt eine spannende Verfolgungsjagd, die im zentralen Kern der Station endet. Denn Kitana'klan hat nichts anderes vor, als den Reaktor von DS9 zu vernichten. Da taucht im letzten Moment ein anderer Jem'Hadar namens Taran'atar auf und erklärt, er sei der wahre Vermittler in Odos Namen. Und dass der Saboteur Kitana'klan zu einer Gruppe abtrünniger Jem'Hadar gehöre, die sich weigerten, den Frieden mit dem Alpha-Quadranten zu akzeptieren...

 

Kritik

Während das erste Buch umsichtig die verschiedenen Handlungsstränge ausbreitet, wird im zweiten Band rasant das Tempo angezogen. Die beiden Haupthandlungsstränge werden spannend zu einem Ende gebracht. Eine Verbindung der beiden Plots findet indes nicht statt, was aber auch nicht weiter tragisch ist. Wichtig ist, dass die Prophezeiungsthematik offen bleibt. In einer Kammer von B'hala finden Kira, Ro und Kassidy zwar den Beweis dafür, dass die Zehntausend Todgeweihten nicht die Opfer des Abgesandtenkindes sind. Aber die weitere Rolle der Prophezeiung ist Auslegungssache.

Damit bleibt auch dem DS9-Relaunch die mysteriös-spirituelle Komponente erhalten, die auch die Serie auszeichnete. Mehrere Nebenplots wurden ebenfalls angerissen; sie bieten eine gute Grundlagen für Folgeromane. Vielleicht war die Auflösung in Avatar 2 ein bisschen zu schnell, aber daran kranken Cliffhanger des Öfteren. Alles in allem haben wir einen gelungenen Piloten für dieses Projekt, der wahrhaft Lust auf mehr macht. Ich bin jedoch überzeugt davon, das Niveau lässt sich noch deutlich steigern.

Das liegt eindeutig am Potential der Charaktere, das in den Avatar-Bänden offenbar wird. Alte wie neue Personae Dramatis bringen sich dabei ein. Ezri Dax ist an der Schwelle, sich selbst neu zu entdecken, nachdem sie notgedrungen die Defiant befehligen musste. Ro hat ihre überfällige Aussöhnungsszene mit Picard und wird - wie in der Serie Worf - als ehemaliger TNG-Charakter auf DS9 rehabilitiert. Besonders gut harmoniert sie dabei mit Quark, der bereits ein Auge auf sie geworfen hat. Zwischen ihnen beiden deutet sich eine besondere Chemie an.

Ein richtiger Paradigmenwechsel ist Kiras Exkommunikation als Ahndung ihrer Öffentlichmachung des Buches mit der Prophezeiung. Sie darf nun keinen bajoranischen Tempel mehr betreten. Die neue Kira im DS9-Relaunch vollzieht einen Schritt, den die Serie noch nicht wagte. Sie erkennt die Vedek-Versammlung als einen Vormund, der auch politische Machtgelüste hat, und stellt ihre Auslegungen von Richtig und Falsch grundsätzlich infrage. Kiras Glauben ist dabei, sich zu verändern; er wird freier, ungebundener, individueller. Der Andorianer Shar scheint ein dunkles Geheimnis zu hüten, das im direkten Zusammenhang mit seinem Volk zu stehen scheint. Es bleibt abzuwarten, wohin uns der DS9-Relaunch hier führen wird.

Figuren wie Elias Vaughn und den Jem'Hadar Taran'atar in die Riege der Serienhelden aufzunehmen, ist eine Versöhnungsgeste an Leser, die mit der stark auf den Krieg geprägten Ausrichtung der Serie nicht immer einverstanden waren. Jetzt ergibt sich die Möglichkeit, für einen müden Veteranen, durch neuen Forschergeist seine gemarterte Seele zu heilen, und Taran'atar ist als Abgesandter des Dominion auf DS9 die Perspektive für ein dauerhaftes Zusammenleben der Völker - so steinig der Weg dorthin auch werden mag.

 

Fazit

Ein guter, wenn auch etwas kurzer zweiter Teil des Avatar-Tandems. Es gibt nichts auszusetzen: Vor allem die Atmosphäre wird von Perry bestechend herübergebracht, ihr Verständnis von den Charakteren ist, wie ich finde, einzigartig. Es ist somit kein Wunder, dass sie in der achten DS9-Staffel die meisten und wichtigsten Bücher schreibt; sie ist die DS9-Relaunch-Autorin.

Perry hat eine gute Balance aus Altbewährtem und Neuem gefunden, was sich besonders in den Charakteren niederschlägt. Avatar ist vor allem ein Wink auf das, was noch kommen mag. Ich freue mich auf mehr.

8/10 Punkten.

1-2009