STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Deep Space Nine

Rising Son

Autor: S.D. Perry
Erscheinungsjahr: 2003
Seitenzahl: 320
Band: 8.09

Inhalt

Der DS9-Relaunch ist weit fortgeschritten. Obwohl einer seiner besonderen Schwerpunkte darauf liegt, die Entwicklung der Leitfiguren weiter voranzutreiben, ist ein Charakter bislang nicht größer verfolgt worden. Die Rede ist von Jake Sisko, Sohn des verschollenen Stationskommandanten Benjamin Sisko. Wie in den ersten beiden Avatar-Bänden geschildert, stieß Jake in der versunkenen Stadt B‘hala auf eine alte Prophezeiung, der zufolge ein Sohn den Himmlischen Tempel der Propheten betreten und mit einem verschollenen Herold zurückkehren wird. Auch aufgrund eines rätselhaften Traums, den er hatte, begann er zu glauben, es sei seine Bestimmung, seinen Vater aus dem Reich der Wurmlochwesen zurückzuholen.

Seinen Freunden und seiner Familie sagte Jake, dass er sich auf den Weg zur Erde begebe, um seinen Großvater zu besuchen. In Wahrheit jedoch flog er mit seinem kleinen Shuttle in das Wurmloch. Rising Son ist nun die Fortsetzung von Jakes persönlicher Odyssee, die sich auf den gesamten Zeitraum des bisherigen DS9-Relaunch bezieht, also beinahe ein halbes Jahr.

Die Geschichte beginnt mit einem Logbucheintrag von Jake, der noch von seinem großen Optimismus kündet, seinen Vater bald von den Propheten zurückzubringen. Dann kommen die Dinge aber anders. Jake wird in den Gamma-Quadranten geschleudert, Tausende Parsecs vom Wurmloch entfernt. Auf der anderen Seite der Galaxis erwacht Jake in Finsternis und Kälte – und sieht sich nur noch imstande, mit seinem Leben abzurechnen. Kurz bevor er in seinem schwer beschädigten Shuttle erfriert, wird er von einem seltsamen Schiff mit einer kuriosen Crew von Glücksrittern gerettet, der Even Odds.

Auf die Hilfe dieser Kleinkriminellen angewiesen, die auf der Fahndungsliste des Dominion ganz oben stehen, erlebt Jake eine Reise durch einen bisher völlig unbekannten Teil des Gamma-Quadranten und entdeckt auf einem abgelegenen Planeten jemanden, mit dem er nie gerechnet hätte. Damit erfüllt sich die Prophezeiung also, nur eben anders als von ihm erwartet.

 

Kritik

Zugegeben, Jake Sisko war nie ein Fanliebling, zu sehr ist auch er mit dem verbunden, was manche unter ‚Wesley-Crusher-Syndrom‘ fassen. Deshalb war die Entscheidung, ihn aus der Storyline des DS9-Relaunch herauszulösen, vielleicht eine kluge, weil die Serie dadurch noch erwachsener und düsterer wirken konnte. Trotzdem lässt es sich S.D. Perry nicht nehmen, jetzt in einer Art Intermezzo-Roman kompakt die Reise Jakes zu verfolgen - und damit offen gebliebene Fragen des Relaunch zu beantworten.

Was von vorneherein auffällt ist, wie sehr die Autorin darum bemüht ist, die dröge Serienvorlage der Jake-Figur hinter sich zu lassen und den Charakter substanziell weiterzuentwickeln. Damit einhergeht ein tiefes Abtauchen in die Psyche des jungen Mannes. Anders als in der Serie, in der er seinen Vater ausschließlich zu bewundern und beinahe geistig von ihm abhängig zu sein schien, gibt es nun stärkere Ambivalenzen und Zwischentöne in der Charakterzeichnung: Jake ist gezwungen, sich mit sich selbst, der Beziehung zu seinem (Über)Vater und dessen Identität und Ruf als Abgesandter auseinanderzusetzen.

In Rising Son steht deshalb sein innerer Konflikt im Zentrum, der Jakes Suche nach seinem eigenen Weg, welchen er zu Serienzeiten nie richtig fand, vorantreibt. Mit dieser Ausrichtung kann Perry enorm viel aus der Figur Jakes herausholen, und das Fehlen sämtlicher anderer angestammten Charaktere und Schauplätze wird nicht zum großen Manko des Buches. Der Titel 'Rising Son' ist insofern kein Etikettenschwindel.

Ein größeres Problem stellt die Handlung an sich dar. So interessant die anderen Personen – ich meine die skurrile Mannschaft der Even Odds, die Jake aufliest und zu einem Besatzungsmitglied macht – auch gezeichnet sind, so wenig kommt Rising Son in weiten Teilen über ein Per-Anhalter-durch-die-Galaxis-Feeling hinaus. Die Geschichte plätschert eher vor sich hin und birgt relativ wenige Höhepunkte; häufige Perspektivwechsel machen das Ganze nicht immer besser, obwohl die meisten der Aliens durchaus eine Bereicherung für das bisherige Star Trek-Universum sind.

Einzige richtige Klammer in der etwas zerfasernden Story sind die verschiedenen Etappen im Selbstfindungsprozess von Jake, der im Laufe des Abenteuers mit seinen neuen Kameraden beginnt, anders über die Welt und sich selbst nachzudenken, aber auch positiven Einfluss auf seine teils zwielichtigen Mitstreiter hat. Indes besonders ärgerlich: Durch Vorgängerroman und Cover kennt der Leser bereits die Auflösung der Geschichte und weiß um die Rückkehr von Opaka Sulan, die so spektakulär also gar nicht mehr ist. Das nimmt dem Buch einen wesentlichen Teil seines Eindruckspotenzials und verschlimmert das Storyproblem.

 

Fazit

Rising Son ist ein allemal ungewöhnliches Buch, wenn man will ein kleines Experiment. Dieses jedoch glückt nicht vollends, sondern hat Licht und Schatten. Einerseits übertrifft S.D. Perry im Umgang mit der Figur Jakes die Erwartungen des Lesers deutlich, sodass er durchaus zum ernstzunehmenden Protagonisten dieser Reise wird. Andererseits ist die eigentliche Abenteuerhandlung allerdings schwach; hier hätte man deutlich mehr Einfall investieren müssen. Das Wissen des Lesers um Opakas letztliches Auftauchen tut Rising Son ebenfalls nicht gut.

5/10 Punkten.

5-2012