STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Deep Space Nine / Forschen auf Umwegen. Die wechselvolle Erfahrung mit dem Gamma-Quadranten.

Dieser Artikel ist erschienen in der deutschen Übersetzung des Romans Twilight (Zwielicht), Cross Cult 2010.

 

Zugegeben, Wesley Crusher war damals noch nicht einmal an der Akademie eingeschrieben. Der chronisch schlecht gekleidete Wunderknabe wollte aber in Die Thronfolgerin gewusst haben, dass in der zweiten Hälfte des 24. Jahrhunderts gerade einmal ein knappes Fünftel der Galaxis erforscht worden ist. Bedenkt man die sagenhaften Ausmaße unserer Sternenwiege, erscheint diese Behauptung gar nicht so abwegig: Trotz Warpantrieben, der Begegnung mit unzähligen intelligenten Spezies und einer Tausende Lichtjahre umspannenden Föderation ist erst ein Bruchteil der Milchstraße vermessen.

Wohl am meisten ausgekundschaftet wurde dabei der Alpha-Quadrant, in dem außer der Föderation Völker wie die Cardassianer, Tholianer oder Tzenkethi beheimatet sind. Im Beta-Quadranten sind immerhin einige große Mächte bekannt, darunter die Klingonen und die Romulaner, und wie wir seit dem Aufbruch der U.S.S. Titan wissen, tun Captain Riker und seine Crew alles dafür, dass sich die letzte Grenze in diesem Teil der Milchstraße nach hinten verschiebt.

Die beiden ‚nördlichen’ Viertel der Galaxis sind so gut wie unbekanntes Terrain. Der Delta-Quadrant wurde erst ab 2371 durch die unfreiwillige Odyssee der U.S.S. Voyager in begrenztem Maße schneisenartig kartographiert. Der Anfang von DS9 wiederum versprach eine Expedition durch das Wurmloch in den Gamma-Quadranten. Dann kam das Dominion – und holte die Serie bald schon zurück in den Alpha-Quadranten, wo ein Krieg zu toben begann. Der Gamma-Quadrant blieb als einziger eine wahre Black Box, nämlich der verschwiegenste und mysteriöseste von allen. Nun, im Vierteiler Mission Gamma, bricht die U.S.S. Defiant in diesen Abschnitt des Alls zur ersten großen Forschungsreise auf. Zeit zurückzublicken und zu rekapitulieren: Was wissen wir über den Gamma-Quadranten?

 

Anfangsphase im Zeichen der Exploration

Bereits seit dem 22. Jahrhundert hegt die Föderation die feste Absicht, den Gamma-Quadranten zu erforschen. Da sie dies aber nicht in absehbarer Zeit tun kann, entsendet sie die vollautomatische Quadros-1-Sonde, die im Laufe der nächsten zweihundert Jahre tatsächlich diese ferne Region des Alls erreicht. Im Jahr 2369 entdeckt Commander Benjamin Sisko das Bajoranische Wurmloch, die erste bekannte Raumzeitpassage, die stabil genug ist, ganze Flotten zu befördern. Als er mit einem Runabout die andere Seite des Wurmlochs verlässt, empfängt er die Telemetrie der Sonde und kann mit ihrer Hilfe feststellen, dass er soeben vom Alpha- in den Gamma-Quadranten geflogen ist.

Im Laufe der nächsten Wochen und Monate bereitet sich die Sternenflotte auf ein anstehendes Forschungsunterfangen vor. Die nun von der Föderation verwaltete Raumstation Deep Space Nine wird vom Orbit Bajors in den Denorios-Gürtel verlegt, jene Region im bajoranischen System, in dem das Wurmloch entdeckt wurde. Nach der Vermessung des Wurmloch umgebenden Gebiets auf der anderen Seite besteht eines der ersten Projekte 2370 in der Gründung einer kleinen bajoranischen Kolonie, genannt New Bajor. Um ständig in Kontakt mit den bajoranischen Siedlern zu bleiben, die wie ihr gesamtes Volk das Wurmloch für den Tempel ihrer Götter halten, wird eine Subraumrelaisstation installiert.

Parallel zum Aufbau der ersten Niederlassung im Gamma-Quadranten verwandelt sich Deep Space Nine immer mehr zu einem Ausgangspunkt für Forschungsreisen. Die Vulkanier entsenden mindestens ein Schiff, das mehrere Monate auf der anderen Seite des Wurmlochs kartographiert und regelmäßig zur Station zurückkehrt. Binnen drei Jahren haben die Vulkanier große Fortschritte bei der Erkundung des Gamma-Quadranten gemacht. Sie stoßen sogar auf die Überreste des Hur’q- Reichs, einer mittlerweile ausgestorbenen Hochkultur, die vor eintausend Jahren eine Invasion des klingonischen Reichs startete.

Doch noch lange bevor der Ursprung der Hur’q bekannt wird, bekommt die Föderation relativ Konkurrenz von den anderen beiden Großmächten im Alpha- und Beta-Quadranten. So zeigen die Klingonen ein reges Interesse an der jetzt zugänglichen Raumregion. Der Hohe Rat auf Qo’noS entsendet eine Reihe von Scoutschiffen in dem Gamma-Quadranten. Unter ihnen befindet sich auch die I.K.S. Toh’Kaht, die den Auftrag erhält, Bemühungen für eine erste Kolonisation des Gamma-Quadranten zu starten und eine Reihe von Frachtern durch das Wurmloch eskortiert.

Ein Great Game um den Gamma-Quadranten ist zum Glück nicht die Folge. Der Grund hierfür ist nicht nur im frühzeitigen Auftauchen des Dominion zu sehen, sondern in der Tatsache, dass sich die Föderation umgebenden Mächte schnell wieder auf unmittelbare Angelegenheiten im eigenen Quadrantengefüge konzentrieren. Immerhin gestalten sich die Versorgungsrouten in den Gamma-Quadranten schwierig, und der Ausgangspunkt des Wurmlochs auf der anderen Seite (Idran-System) beschreibt eine weitgehend unattraktive Raumgegend. In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, dass die Romulaner bis Ende 2371 kein einziges Schiff in den Gamma-Quadranten entsenden. Die einzige Macht außer der Föderation, deren Interesse an diesem Teil des Alls deutlich beständiger ist, sind die Ferengi. Sie versprechen sich vom Aufbau eines Handelsnetzwerks mit ortsansässigen Völkern wie z.B. den Karemma großen Profit.

In den ersten Jahren nach seiner Entdeckung lockt der Gamma-Quadrant abenteuerlustige Gestalten an. Die Archäologin Vash verbringt an der Seite des omnipotenten Wesens Q dort mehrere Jahre. 2370 wird Kai Opaka, das spirituelle Oberhaupt der Bajoraner, neugierig und lässt sich von Benjamin Sisko auf eine kleine Runabout-Tour in den Gamma-Quadranten einladen. Selbst der klingonische Sternenflotten-Offizier lässt sich 2372 zu einer Entdeckungsreise hinreißen, auf der er das legendäre Schwert des Kahless zu finden gedenkt. Nicht zuletzt im Laufe dieser Expeditionen kommt es in den ersten vierundzwanzig Monaten zum Kontakt mit über einem Dutzend Spezies, darunter die Tosk, die Wadi oder die Skrreea und die T-Rogoraner.

 

Das Dominion

Gerade der Kontakt mit den Karemma und den Skrreea enthüllt frühzeitig einige Informationen über eine zurückgezogene Supermacht im Gamma-Quadranten, die schlicht als ‚das Dominion’ bezeichnet wird. Doch erst Ende 2370 ergibt sich der erste unmittelbare Kontakt mit den Vorta und den Jem’Hadar. Das Dominion hat, wie sich zeigt, lange genug die Verletzung seines Hoheitsbereichs toleriert und statuiert ein nun Exempel: Die Siedler auf New Bajor werden massakriert, die Relaisstation der Föderation im Gamma-Quadranten und sogar ein Kreuzer der Galaxy-Klasse zerstört. Dieses Ereignis stellt eine Zäsur dar: Es ist der Beginn einer neuen Phase im Verhältnis zum Gamma-Quadranten und der Ausbruch eines kalten Kriegs mit dem Dominion, das in den kommenden drei Jahren immer unverhohlener darauf aus ist, einen Eroberungsfeldzug in den Alpha-Quadranten zu starten.

Anfang 2370 entdeckt die Crew der U.S.S. Defiant die Heimatwelt der Gründer, jenen Formwandlern, die dem Dominion vorstehen. Im selben Jahr starten der cardassianische und romulanische Geheimdienst ein beispielloses Jointventure, bei dem sie im Verborgenen eine mächtige Flotte sammeln und in den Gamma-Quadranten aufbrechen. Ihr Ziel ist es, die Heimatwelt der Gründer in einem Präventivschlag zu zerstören, um die drohende Gefahr durch das Dominion zu bannen. Dieser Plan wird allerdings durch die Formwandler vereitelt.

Die zunehmend heftigeren Auseinandersetzungen mit dem Dominion führen die Sternenflotte nur noch gelegentlich in den Gamma-Quadranten, wo sich mitunter kurzfristige Zweckbündnisse mit Vorta und Jem’Hadar ergeben. Langfristig aber setzen die Gründer alles daran, das Wurmloch abzuriegeln und der Föderation so den Zutritt zu ihrem Grenzgebiet zu verweigern. Der letzte Flug der Defiant dorthin findet 2373 statt, ehe der Krieg gegen das Dominion im Alpha-Quadranten ausbricht. Einige Wochen vorher stößt die Defiant im Gamma-Quadranten auf das Wrack der U.S.S. Columbia, eines der ersten Warp-fünf-Schiffe, gebaut vor über zweihundert Jahren. Weil die Jem’Hadar sich im Anflug befinden, können Benjamin Sisko und seine Mannschaft nicht herausfinden, welche Macht die Columbia hierher versetzt hat.

 

Nach dem Krieg

Das Ende des zweijährigen Kriegs im Alpha-Quadranten und die Niederlage des Dominion ermöglichen es der Föderation zu Beginn des Jahres 2376 wieder, begrenzte Reisen in den Gamma-Quadranten zu unternehmen. Doch zunächst zögert die Sternenflotte, weil sie die nicht leichtfertig für neue Provokationen sorgen möchte. Der erste Föderationsbürger, der wieder durch das Wurmloch fliegt, ist Jake Sisko. Auf eigene Faust macht sich der junge Mann auf die Suche nach seinem Vater, der zuletzt in das Reich der ominösen Wurmlochwesen aufgenommen wurde. Ein ganzes Jahr lang wird es ihn auf eine abenteuerliche Reise in den Gamma-Quadranten verschlagen.

Im Frühjahr 2376 beschließt die Sternenflotte, die Defiant – einst als Kriegsschiff konzipiert – für die friedliche Erforschung umzurüsten. Es wird eine Route abgesteckt, die das Dominion ausspart, und der Erste Offizier von DS9, Commander Elias Vaughn, als Befehlshaber für diese Mission auserkoren. Als die Defiant wieder durch das Wurmloch fliegt, ahnt noch niemand, dass der Gamma-Quadrant eine entscheidende Rolle bei der Rettung der Föderation und der gesamten Galaxis spielen wird. 2381, fast fünf Jahre später, fallen die Borg mit Tausenden Kuben im Gebiet der Planetenallianz ein – und als die Zeit knapp wird, führt die Spur zurück durch das Wurmloch.