STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Deep Space Nine

Plagues of Night

Autor: David R. George III
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenzahl: 400
Band: Post-Season-9/Post-Destiny, TNG 1.10

Vorbemerkung

Der Typhon-Pakt ist böse. Soviel können wir heute mit Sicherheit sagen. Anno 2381, im Zuge der finalen Borg-Krise, die uns die Destiny-Trilogie in all ihrer Dramatik schilderte, erlebten wir seine Geburt, und sie war das Resultat maßgeblich dreier fataler Entwicklungen:

  • Erstens hatte die Föderation im Laufe der Dekaden und Jahrhunderte mit einer Reihe antagonistischer Staaten (Romulanisches Sternenimperium, Breen-Konföderation, Tholianische Versammlung, Gorn-Hegemonie etc.) zu leben gelernt, ohne ernsthaft anzunehmen, sie würden sich jemals gegen sie verbünden. Eine dramatische Fehleinschätzung.
  • Zweitens beging VFP-Präsidentin Bacco, während sie in der dunkelsten Stunde des Quadrantengefüges nach Bündnispartnern Ausschau hielt, um zum Schlag gegen die Borg auszuholen, einen schweren psychologischen und damit strategischen Irrtum. Dieser führte dazu, dass die Tholianer in ihre alte Feindseligkeit gegenüber der Föderation (hat ihre Wurzeln im Konflikt um die Taurus-Ausdehnung im 23. Jahrhundert, vgl. Vanguard) zurückfielen.
  • Drittens konnte die Föderation nicht verhindern, dass die Borg – obwohl sie letztlich besiegt werden konnten – eine Schneise der Verwüstung durch die ‚südliche‘ Galaxis zogen, die v.a. die Machtbasis des interplanetaren Völkerbunds massiv schwächte. Zusammen mit den erheblichen Verlusten des Klingonischen Reichs hatte dies eine Erschütterung des gewohnten politischen Gleichgewichts im Quadrantengefüge zur Folge, die dazu führte, dass die kleineren, feindlichen Mächte Oberwasser witterten – und sich zur Formierung eines nie da gewesenen Bündnisses entschlossen, das nur als ‚Anti-Föderation‘ bezeichnet werden kann (vgl. A Singular Destiny).

Der Typhon-Pakt war und ist nämlich in erster Linie ein Zweckbündnis gegen die Föderation, die es den einzelnen in ihr vereinten Nationen erlaubt, ihre Revanchegelüste gegenüber dem alten, bislang übermächtigen Kontrahenten wieder aufleben zu lassen und mehr Einfluss zu gewinnen. Darüber hinaus zeigte der Typhon-Pakt über die Monate nach seiner Gründung Ansätze einer internen Konsolidierung, wie sie einst auch für die Föderation charakteristisch waren (vgl. Essay: Gründung des Typhon-Paktes). Der Pakt schien sich zu verfestigen; Hoffnungen, er würde an internen Rivalitäten und Ränken zerbrechen, entpuppten sich vorerst als zu optimistisch.

Entscheidend ist dies: Bereits im ersten Jahr seines Bestehens erlebten wir, wie der neue, antagonistische Block die Föderation und ihre mittlerweile über die Khitomer-Verträge assoziierten Verbündeten herauszufordern begann. Das wohl drastischste Ereignis stellte der Diebstahl der Konstruktionsunterlagen für den neuen Sternenflotten-Slipstream-Antrieb im Frühjahr 2382 dar (vgl. Zero Sum Game). Es zeigte, wie nah Alpha- und Beta-Quadrant tatsächlich an einem neuen Krieg sind – nicht, weil jemand dies unverhohlen vorhätte, sondern weil das zusehends aggressivere Belauern und Taktieren des Typhon-Paktes zu immer kritischeren Situationen führte, wie zuletzt auch am Beispiel des Austritts Andorias aus der Föderation deutlich wurde (vgl. Paths of Disharmony).

Die Föderation also gefährdeter, der Typhon-Pakt einflussreicher und entschiedener denn je. Wie geht es weiter? Nachdem wir im Rahmen der Typhon Pact-Reihe – vier Bücher und ein E-Book-Rattenschwanz – eher episodenhaft mitbekamen, wozu der neue Gegner der Föderation in der Lage ist und mehr die einzelnen Völker des Paktes vorgestellt wurden, blieb die weitere galaktische Entwicklung unklar. Der wenig befriedigende vierte Teil, Paths of Disharmony, ließ uns mit zahlreichen Fragen zurück. Das schrie geradezu nach einer Fortsetzung, die diesmal beherzt die großen Linien der Post-Borg-Ära weiter vorantreiben sollte.

Im Sommer 2012 nun erhört Pocket Books die Leser und schickt mit David R. George III einen der begnadetsten Star Trek-Autoren ins Rennen, um diesmal möglichst alles richtig zu machen. Soviel ist sicher: Mit Plagues of Night und dem Anschlussroman Raise the Dawn wird die nächste Eskalationsstufe der Typhon Pact-Saga gezündet. In erster Linie handelt es sich um DS9-Romane; da jedoch auch die TNG-Crew einige Auftritte hat, verbuche ich es als Crossover zwischen beiden Serien.

 

Inhalt

Plagues of Night holt uns dort ab, wo die vorangegangene Typhon Pact-Reihe mit Zero Sum Game begann und zugleich an dem Punkt, der den meisten Lesern vermutlich am stärksten in Erinnerung geblieben sein dürfte: bei dem Überfall der Breen auf Utopia Planitia im Frühling 2382. Gleich zu Anfang erfahren wir etwas Neues: dass die Breen-Spione von einem mit einer neuen Phasentarnvorrichtung ausgestatteten romulanischen Kreuzer unterstützt wurden, ohne aufzufliegen. Als wenig später auf Romulus bekannt wird, dass Utopia Planitia im Zuge irgendeines Unglücks – das die Sternenflotte verbissen geheim zu halten versucht – schweren Schaden genommen hat, beginnt sich die (nach dem Tod Tal’Auras in Rough Beasts of Empire) neue Prätorin Kamemor Sorgen zu machen, dass die Breen durch ein auf eigene Faust operierendes romulanisches Schiff unterstützt worden sind. Vonseiten der offiziellen romulanischen Politik hat es nämlich nie einen Entschluss zu einer solchen Operation gegeben. Schon bald erhärtet sich diese Befürchtung, und im Typhon-Pakt brechen neue Grabenkämpfe aus: Die Romulaner fürchten, die Breen wollten sich durch den Klau der Slipstream-Technologie exklusive Vorteile sichern.

An Bord der U.S.S. Robinson, die derzeit die Neutrale Zone zu den Romulanern patrouilliert, wird Benjamin Sisko – seit beinahe einem Jahr Captain des Galaxy-Klasse-Kreuzers – von Admiral Nechayev darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Vorfall im Sol-System nur offiziell als ‚Industrieunfall‘ bezeichnet wird. Tatsächlich geht das Oberkommando von einem gezielten Datendiebstahl aus und vermutet (angesichts der These, dass nur ein Schiff mit einer extrem entwickelten Tarnvorrichtung ungesehen in die Herzkammer der Föderation einbrechen kann) natürlich sogleich die Romulaner. Sisko erhält den Befehl, seine Sensorphalanx zu modifizieren und nach einem in romulanischen Raum zurückfliegenden getarnten Schiff Ausschau zu halten.

Der heikel klingende Auftrag kommt für Sisko zu einer Zeit, da sich sein gesamtes Leben für ihn verändert hat und er immer noch dabei ist, sein neues Selbst zu finden. Endlich werden wir darüber aufgeklärt, was ihn in Rough Beasts of Empire zu dem überraschenden Entschluss geführt hat, Bajor und seiner Familie den Rücken zu kehren. Nicht etwa die Auseinandersetzungen, die er mit Kasidy hatte und die im dritten Roman der Typhon Pact-Reihe, zunächst wenigstens, ursächlich zu sein schienen. Offenbar hat er eine Vision von den Propheten gehabt, von ihnen ein Zeichen erhalten, zum Wohle Bajors wieder gebraucht zu werden – diesmal jedoch in der Ferne. Obwohl er nie aufhörte, Kasidy und Rebecca (sein nunmehr sechsjähriges Töchterchen) zu lieben, verließ er sie, und erst ein knappes Jahr später bekommt Kasidy eine knappe Erklärung von ihm per Subraum. Sisko sagt ihr, er sei gegangen, um sie zu schützen. Natürlich kann sie diesen Beweggrund nicht verstehen; überhaupt war seine Nähe zu den Propheten schon immer etwas, das zwischen ihnen stand, und nun scheint der Bruch endgültig, denn Sisko willigt ein, die Scheidung zu vollziehen.

Wenige Monate später ist es der Sternenflotte zwar gelungen, die von den Breen entwendeten Konstruktionsunterlagen einschließlich eines Slipstream-Prototypen zu zerstören (wir erinnern uns an die Infiltrationsmission von Julian Bashir und Sarina Douglas für den Sternenflotten-Geheimdienst), dafür wird die Paranoia unter den Mitgliedsstaaten des Typhon-Paktes nun umso größer, die Föderation wollte sie in absehbarer Zeit angreifen. Vor allem drei Völker suchen nach Möglichkeiten, weiter gegen die Planetenallianz vorzugehen. Die Tholianer haben jüngst den Austritt Andorias aus der Föderation provoziert, indem sie sich bei der Lösung der andorianischen Fortpflanzungskrise als Helfer anboten und im Zuge verschiedener Eröffnungen gezielt den Hass Andorias gegen die VFP schürten (vgl. Paths of Disharmony). Die Breen versuchen nach ihrer kürzlichen Niederlage einen neuen Anlauf in dem Bestreben, möglichst bald einen Technologiesprung in punkto Waffen und Antrieb beim Typhon-Pakt herbeizuführen und sind dafür sogar bereit, eine Geheimoperation zu lancieren und technologische Komponenten beim Dominion zu stehlen. Die aggressiven Tzenkethi wiederum machen der Föderation potenzielle Koloniestandorte streitig und verwickeln diese sogar in Gefechte.

Die Einzige, die all das mit beträchtlichem Unbehagen sieht, ist Prätorin Kamemor, die neue romulanische Machthaberin. Kamemor hat inzwischen herausgefunden, dass die Involvierung eines neuen romulanischen Tarnschiffes beim Überfall auf Utopia Planitia das Werk ihrer ungleichen Vorgängerin Tal’Aura war. Die Prätorin erkennt in der zunehmend hitzigen Konfrontation der beiden Superblöcke und vor allem der um sich greifenden Furcht ein enormes Gefahrenpotenzial für das Quadrantengefüge. Denn im Gegensatz zu vielen ihrer Amtskollegen innerhalb des Paktes ist es Frieden, nach dem sie sich aufrichtig sehnt. Kamemor beginnt weitreichende diplomatische Initiativen und organisiert eine große Konferenz. Bald schon liegt ein altbewährtes politisches Deeskalationsrezept auf dem Tisch, das da heißt: Wandel durch Handel. Ausgerechnet der Bajoranische Sektor und das Wurmloch erscheinen plötzlich als eine interessante Lösung, die Apokalypse im Alpha- und Beta-Quadranten zu vertagen. Doch das ist noch nicht alles: Wie wäre es mit einer gemeinsamen Forschungsmission aus Typhon-Pakt und Khitomer-Allianz?

 

Kritik

Nach den vielen chronologisch durcheinandergewürfelten Versatzstücken, die wir in den vorangegangenen Bänden geliefert bekamen, mutet der Anspruch, die globale Typhon Pact-Erzählung weiterzuspinnen und zugleich für ein ganzheitliches Bild zu sorgen, sehr reizvoll an. Leider hat man in Plagues of Night nicht unbedingt das Gefühl, dass dieser Vorsatz auch eingelöst wird.

Der Roman beginnt alles andere denn spektakulär. In der ersten Hälfte wird fast ausschließlich das wiederholt, was wir – insbesondere aus Zero Sum Game, Rough Beasts of Empire und Paths of Disharmony – bereits an politischen Ereignissen kennen: Die Sternenflotte wurde bestohlen und hat es im Zuge einer geheimen Infiltrationsmission geschafft, sowohl den Slipstream-Prototypen der Breen als auch die gestohlenen Baupläne unschädlich zu machen; ein beispielloses technologisches Wettrüsten setzt aufseiten der Typhon Pakt-Nationen ein; das Schisma der romulanischen Nation wurde beendet; auf Romulus sind die Vereiniger rund um Botschafter Spock auf dem Weg, zu einer wichtigen öffentlichen Größe zu werden; Nanietta Bacco holt angesichts der dramatischen politischen Entwicklungen die Cardassianer und die Ferengi ins Boot der Khitomer-Verträge…

George gibt sich wirklich alle Mühe, diese Informationen nicht einfach nur zusammenzutragen, sondern sie auch aus neuen Perspektiven heraus zu schildern (z.B. befindet sich Captain Ro Laren gerade bei Quark, als sie die neuesten Nachrichten erfährt, Andoria habe vor, die Föderation zu verlassen). Abgesehen von der komprimierten Rekapitulation der bisherigen Geschehnisse bietet Plagues of Night hier aber keinen wirklichen Mehrwert, sondern höchstens ein paar Variationen und Vertiefungen.

Erst in der zweiten Hälfte des Romans werden die Dinge spannender. Kamemor macht den ersten Schritt und startet eine Friedensinitiative – von der freilich nicht alle anderen Mitgliedsstaaten des Typhon-Paktes begeistert sind. Es ist wohl eine der Ironien, dass gerade das Romulanische Sternenimperium – das maßgeblich an der Entstehung des Paktes beteiligt war – jetzt mit einer neuen Staatslenkerin einen deutlich anderen Kurs zu fahren beginnt. Ob aber gerade eine gemeinsame Forschungsmission das verkrustete Misstrauen zwischen den Blöcken aufzubrechen imstande ist? Da darf man doch von vorneherein Zweifel haben.

Zunächst mag man befürchten, hier wird vor lauter schriftstellerischer Einfallslosigkeit ein Verzweiflungsakt begangen, so nach dem Motto: Wenn Du nicht mehr weiter weißt, mache eine Weltraumreis', und wir würden von einem düsteren Konfliktszenario plötzlich in eine Art Titan 2.0 gekippt. Doch schon wenig später erfahren wir, dass der friedlichen Forschungskooperation - an der auch die Enterprise beteiligt ist - kein langes Leben beschieden sein wird. Denn subversive Elemente aus dem Typhon-Pakt, darunter auch die altbekannte Tal'Shiar-Chefin Sela und der intrigante Tomalak, konterkarieren Kamemors Friedensvision, indem sie rücksichtslos ihr eigenes Ziel verfolgen. Dieses heißt: technologisches Gleichziehen mit der Föderation um jeden Preis. So sehen wir erste Anzeichen des inneren Verfalls im Pakt. Andererseits operieren hier bestimmte geheimdienstliche Gruppierungen gegen die offizielle Politik, sodass wir - bei allem Schlimmen, das wohl noch passieren wird - annehmen dürfen, dass am Ende kein All-out-War die Folge sein wird. Das nimmt viel Spannung heraus.

Ziehen wir ein Zwischenfazit. Aufarbeitung des Bisherigen, politische Intrigen, Olivenzweige des Friedens, neue Intrigen... Plagues of Night beackert insgesamt zu viele Baustellen, was teilweise seinen einfach nicht immer gelungenen Vorgängerbüchern geschuldet ist. Aber indem George sich entscheidet, alles Stückwerk der zurückliegenden Typhon Pact-Saga zusammenzutragen und penibel aufzuarbeiten bzw. zu vertiefen, um dann noch selbst die Handlung in neue Bahnen zu lenken, nimmt er sich schlicht zu viel vor. Der Roman krankt folglich daran, dass er keine stringente Geschichte erzählt, sondern ein überladenes Sammelsurium aller möglichen Ereignisse darstellt (was man beispielsweise auch schon anhand der zahlreichen Zeitsprünge sieht). Es reicht jedoch nicht, einfach nur ereignisreiche Geschichten zu erzählen. Jeder Roman braucht einen Schwerpunkt, ein Leitmotiv.

Ansätze sind immerhin vorhanden. Im Zentrum des Buches steht die Eskalation des kalten Kriegs zwischen den beiden Superblöcken, ohne dass dies beabsichtigt wurde. Doch in einer Mischung aus Paranoia und Misstrauen, Intrigen unter den Typhon Pakt-Staaten, dem Eigenleben bestimmter Geheimdienste und dem Bestreben, ein Gleichgewicht des Schreckens zu schaffen, kippt der fragile Frieden, obwohl niemand ihn per se aufgeben möchte. Das ist die tragische Entwicklung, die Plagues of Night transportiert und die gewisse Parallelen zur Kubakrise 1962 aufweist. Auch in der geschichtlichen Realität gab es eine verhängnisvolle Eigendynamik der Ereignisse, die zum Glück in letzter Sekunde gestoppt werden konnte.

Allerdings finde ich, dass gerade die Umsetzung dieses Szenarios unterdurchschnittlich gut gelungen ist - von der bereits erwähnten Zerrissenheit der Gesamtstory, über den etwas seltsamen Technologiediebstahl der Breen und Romulaner beim Dominion (überhaupt empfinde ich die Integration des Dominion in die Handlung als höchst problematisch), bis hin zur (eigentlich nicht beabsichtigten) Detonation der Bomben auf DS9. Auch wird eine Ebene vernachlässigt, die in der Kubakrise ganz sicher elementar war: die psychologische Ebene der politischen Anführer, das Prinzip 'Auge um Auge, Zahn um Zahn'. Staatslenker wie Bacco oder Kamemor erscheinen - trotz der guten Schilderung der letzteren - im Buch nur bedingt als die entscheidenden Akteure, die das Heft des Handelns in der Hand haben.

Charakterlich liest sich das Buch wie eine getreue Fortsetzung von Rough Beasts of Empire, das seinerseits bereits aus Georges Feder stammte. Er kratzt die verbliebenen Figuren der DS9-Saga zusammen, doch diese sind längst keine wirkliche Mannschaft mehr. So ist das Auftauchen von Ro Laren, Quark, Bashir, Sarina oder Tenmei dann auch mehr Statistenwerk; selbiges gilt für Siskos Besuch beim (seit seinem heldenhaften Kampf gegen die Borg) weiter im Koma liegenden Elias Vaughn, der das dominierende Thema unter den DS9-Figuren ist. Die Eindrücke von dieser Restcrew erscheinen dem Leser auch deshalb so fremdartig, weil wir immer noch unter dem gewaltigen Zeitsprung leiden, den wir nach The Soul Key hatten. Das Band zu den meisten Figuren ist abgerissen. Überdies: Dass es sich bei Plagues of Night in Wahrheit um ein Crossover zwischen DS9 und TNG handelt, merkt man kaum, da Picard und Co. im ersten Dreiviertel ziemlich randständig vertreten sind.

Insgesamt ist es zwar schön, dass Sisko im Mittelpunkt steht, dem bislang in den Star Trek-Romanfortsetzungen kaum eine prominentere Rolle zugedacht war. Doch entgegen des Versuchs, einige Kurskorrekturen an seinen Motiven und seinem weiteren Werdegang vorzunehmen, springt der Funke nicht recht auf den Leser über. Nervig ist vor allem das ewige Hickhack zwischen Kasidy und dem einstigen DS9-Kommandanten: Eigentlich lieben sie sich ja noch; trotzdem hat er sie verlassen; zuerst – das war der Stand von Georges letztem Buch – will er komplett Reißaus nehmen; dann erinnert ihn Kasidy aber an seine Verpflichtung ihrer gemeinsamen Tochter gegenüber (wie kann man die nur vergessen?), und Sisko lenkt ein und verbringt wieder etwas Zeit mit Rebecca. Musste das alles sein? Wäre es nicht einfacher gegangen?

Man hat den Eindruck, hier wollten nur Seiten gefüllt werden. Umso mehr gilt das für Siskos Gefühl, die Propheten wollten wieder etwas von ihm. Die seltsame Erklärung, die Wurmlochwesen würden ihn immer noch irgendwie zu lenken versuchen und ihn mit Visionen heimsuchen, wirkt aufgesetzt und verkompliziert alles umso mehr (er hätte nach Unity auch einfach von ihnen in die Freiheit entlassen worden sein können, zumal er ja nach eigener Aussage sowieso kein Abgesandter mehr sein möchte). Sisko agiert auch nicht ganz logisch, wenn er einerseits den Eindruck erweckt, nichts mehr mit der ganzen Götter- und Prophetensache am Hut haben zu wollen, andererseits aber ständig über das nachsinnt, was ihm die Propheten wohl mitzuteilen gedachten und sogar bereit ist, seine Familie dafür auseinanderzureißen.

Das Ende kommt erschütternd - und wie eine Hinrichtung der letzten Reste von DS9. Nach einer teilweise langatmigen, teilweise hahnebüchenen Story entscheidet sich George also zum Schluss, die gute, alte Station in die Luft zu jagen. Was hat er damit erreicht? Na ja, immerhin haben wir nun eine Erklärung bekommen, warum das Cover des Folgeromans, Raise the Dawn, statt DS9 eine moderne Sternenflotten-Raumstation zeigt.

 

Fazit

Insgesamt finde ich, dass Plagues of Night - gerade vor dem Hintergrund der Erwartungen an eine neue Dynamik der Typhon Pact-Handlung und wegen der Fehltritte in den vergangenen Romanen zum Thema - eine Enttäuschung ist. Jede Menge kalter Krieg, von dem Star Trek in den vergangenen Dekaden einfach schon zu viel hatte, dazu Charakterentwicklungen, die irgendwie unabgeschlossen und unauthentisch wirken...und dann noch die überraschende Eliminierung von DS9, die ich als Effekthascherei ohne Sinn empfinde.

Unterm Strich findet das Buch meiner Meinung nach zu keiner eigenständigen Aussage (weder über das Schicksal der zentralen Figuren noch über das Verhältnis von Föderation und Pakt), doch angesichts der noch kommenden Fortsetzung sollten wir vielleicht erst einmal abwarten. Bis hierher jedenfalls breche ich nicht in Freudentränen aus.

4/10 Punkten.

5-2012