STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Datenbank / Politische Machtblöcke / Romulanisches Sternenimperium

Allgemeines

Das romulanische Sternenimperium ist eine imperiale Oligarchie und eine der drei Supermächte im Quadrantengefüge. Es setzt sich zusammen aus Welten, die von den Romulanern erobert wurden beziehungsweise sich ihnen unterwarfen. Die Gründung des Imperiums geht zurück auf eine kleine Diaspora, welche den Planeten Vulkan vor über zweitausend Jahren verlassen hatte, um in der Ferne ein neues Leben zu beginnen. Dieser Exodus erfolgte als Rebellionsakt gegen die als dogmatisch empfundene UMUK-Philosophie um Logik und Pazifismus, die in der vulkanischen Gesellschaft seit Surak vorherrscht.

Die Nation, welche die Abtrünnigen zunächst auf dem Planeten ch’Rihan (Romulus) konstruierten, betonte von Anfang an das Recht des Stärkeren und Gerisseneren. Nicht verwunderlich erscheint es da, dass sich die generelle romulanische Mentalität im Staatsaufbau reflektiert: Der imperiale Senat versammelt die einflussreichsten Gesellschafter, an deren Spitze das Kontinuierliche Komitee samt Prätor (Staatsoberhaupt) und Prokonsul (Stellvertreter) steht. In der imperialen Politik ist nicht nur bezeichnend, dass ideologische Bruchlinienkonflikte gegenüber Machtinstinkten zurückstehen, sondern auch ein seit jeher ausgeprägter Antagonismus zwischen politischer Klasse und Militär einerseits und Militär und Geheimdienst (Tal’Shiar) andererseits.

Wertesystem

Von starren romulanischen Werten zu sprechen, würde der besonderen Mentalität dieses Volkes nicht gerecht. Vielmehr sind List und Tücke und damit ein außerordentliches Maß an Anpassungsfähigkeit die Reputations- und Erfolgsgaranten, auf denen romulanische Politik ebenso abhebt wie die Gesellschaft als Ganzes. Die zahlreichen Staatsstreiche in der Geschichte - fast schon der politische Normalzustand - sind Anhaltspunkte für die flexibel gefügte romulanische Bündnislogik.

Trotz all dieser gesamtgesellschaftlichen Rivalitätsprozesse ist die Abgrenzung zur nicht-romulanischen Umwelt scharf: Ein Superioritätsgefühl gegenüber den meisten anderen Spezies ist ausgeprägt, insbesondere gegenüber den remanischen Sklaven auf der Schwesterwelt ch’Havran (Remus). Mit D'Era existiert ein aus der Gründerzeit des Imperiums stammendes, leicht nebulöses Kompendium romulanischer Tugenden, angelegt als Entstehungsmythos der romulanischen Zivilisation. Hier gibt es zwar keinen fest umrissenen, aber doch zumindest Andeutungen eines Ehrenkodex.

Außenpolitik

Die romulanische Außenpolitik ist prinzipiell von starkem Isolationismus geprägt, also einer bewussten Abschottung von der Außenwelt. Abgesehen von kurzfristigen Zweckabkommen zeigt sie kaum Interesse an Allianzen und lässt sich, mit Xenophobie und Misstrauen beschlagen, nur ungern in der eigenen Entwicklung stören. Bündnisse geht man nur in akuten Notfällen ein. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss keineswegs, romulanische Außenpolitik würde keinen Stellenwert besitzen. Das Gegenteil ist der Fall: Über den Tal'Shiar werden prinzipiell fremde Mächte unterwandert und ausspioniert, mitunter Jointventures im Verborgenen geknüpft. Beispiele wären das Engagement des Tal'Shiar im klingonischen Bürgerkrieg (2367/68) oder die Kooperation zwischen Tal'Shiar und Obsidianischem Orden im Jahr, als es darum ging, die Heimatwelt der Gründer aufzuspüren (2371).

Wichtige Instrumente hierbei sind die herausragenden Tarnvorrichtungen, eine leistungsfähige und diversifizierte Flotte sowie weiteres Spionageutiliar. Vor allem kommt es romulanischer Außenpolitik darauf an, Blockdenken zu vermeiden und stets Optionen in der Hinterhand zu haben. Die strikte Isolationismuslinie romulanischer Außenpolitik wurde in der Geschichte allerdings einige Male unterbrochen. Ein über vierjähriger Krieg gegen die Vereinigte Erde und ihre Verbündeten von der Koalition der Planeten (2154 bzw. 2156-60) sowie eine begrenzte, kurzweilige Technologieallianz mit dem klingonischen Reich (2268) sind Beispiele hierfür.

Eher ungewöhnlich für die romulanische Außenpolitik sind die Phasen 2266 bis 2311 sowie 2344/46. Im ersten Zeitraum meldete sich das Sternenimperium nach langjähriger Isolation mit Angriffen auf die Föderation zurück (2266) - ein Verhalten, das bis zum Anfang des 24. Jahrhunderts, bedingt durch einen rücksichtslosen Expansionskurs, eine Steigerung erfuhr und erst in Folge des schockartigen Tomed-Zwischenfall (2311) beigelegt wurde. Der zweite Zeitraum ist, am Ende des so genannten Betraka-Nebel-Zwischenfalls angesiedelt (2328-46), von zwei entscheidenden Überfällen romulanischer Kriegsschwalben auf klingonische Kolonien geprägt (2344 bzw. 2346). Offenbar herrschte auch hier eine Politik des kalkulierten Risikos vor, die jedoch wenig zielführend war, da das romulanische Verhalten eine deutliche Annäherung von Föderation und Klingonen bewirkte.

Ungeachtet dieser Konfliktherde blieb der Vertrag von Algeron, erstmals geschlossen nach dem irdisch-romulanischen Krieg, die gesamte Zeit über in Kraft. Ihm zugrunde lag die Schaffung einer Neutralen Zone zur Föderation und ein striktes Entwicklungsverbot von Tarnvorrichtungen als Auflage für die Föderation. Während des Dominion-Kriegs im späten 24. Jahrhundert blieben die Romulaner zunächst abwartend, konnten aber 2374 für die Allianz der Föderation und Klingonen gewonnen werden (2373-75).

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Außenpolitik in der Nachkriegszeit entwickeln wird. Festzustehen scheint jedoch, dass sich das Imperium immer mehr unter innenpolitischem Druck befindet, da Separationsbestrebungen ausgebeuteter Kolonien aus dem Ruder zu laufen drohen. Hinzu kommt die spezifische politische Situation, die der Putschist Shinzon hinterließ (2379). Diese Problematik mag den Wunsch der romulanischen Führung nach einem außenpolitischen Ausgleich verstärken. Es wird aber auch auf die Fähigkeit des diplomatischen Corps der Föderation ankommen, die romulanische Bedrohungsperzeption zu mildern, denn der Hang zur Paranoia war auf Romulus stets dann besonders ausgeprägt, wenn man sich in die Enge getrieben fühlte.