STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Typhon Pact / Wenn das Gleichgewicht des Schreckens brüchig wird. Kalte Kriege in Star Trek (1).

Dieser Artikel ist erschienen in der deutschen Übersetzung des Romans Plagues of Night (Heimsuchung), Cross Cult 2014.

 

Wir alle, die wir Star Trek schätzen und lieben, neigen heute, nach so vielen Jahrzehnten, dazu, eines schnell zu vergessen, wenn wir auf der Kinoleinwand, vor dem heimischen Bildschirm oder auf den Seiten eines Romans in die unendlichen Weiten aufbrechen: Star Trek kommt eigentlich aus einer anderen Welt, oder besser gesagt: aus einer anderen Zeit. Ohne diese Zeit und die ihr innewohnenden existenziellen Befürchtungen und Ängste lässt sich Star Trek, wie es schließlich wurde, nicht richtig begreifen, und ohne sie wäre ein junger Drehbuchschreiber namens Gene Roddenberry vermutlich nie auf den Gedanken gekommen, einen Science-Fiction-Kosmos aus der Taufe zu heben. Diese fiktive Welt, in der das Raumschiff Enterprise schließlich auf große Fahrt ging, war nämlich eine Reaktion auf die Epoche, in der Roddenberry und seine Mitmenschen lebten, eine durch und durch positive Gegenutopie dazu.

 

Die Welt auf Messers Schneide

Die Rede ist vom Kalten Krieg, einer geschichtlich einmaligen Phase, in der sich zwei antagonistische politische Blöcke gegenüberstanden: die USA mitsamt den NATO-Staaten auf der einen und die Sowjetunion mit den Staaten des Warschauer Pakts auf der anderen Seite. Jede Partei verfügte dabei über eine militärische Schlagkraft, die genügte, um die Erde gleich mehrfach zu pulverisieren. Direkte Auseinandersetzungen kamen also nicht in Frage. Stattdessen wurde die machtpolitische Konfrontation zunehmend über blutige Stellvertreterkriege in Drittstaaten, wie z.B. in Korea, gesucht.

Zu Beginn der Sechziger Jahre glaubten insbesondere die Amerikaner, eine geeignete Strategie gefunden zu haben, um einen globalen militärischen Konflikt zu vermeiden: Man setzte auf das sogenannte Gleichgewicht des Schreckens. Das Kalkül: derart an der nuklearen Rüstungsspirale zu drehen, dass die gegnerische Seite gewiss sein konnte, im Fall eines Angriffs ebenfalls mit tödlichen Vergeltungsmaßnahmen rechnen zu müssen und ausgelöscht zu werden. Spieltheoretisch betrachtet eine Pattsituation zwischen beiden Blöcken, die trotz der Inkaufnahme zahlloser Atomwaffen und der ständigen Gefahr einer Proliferation in andere Staaten das Zeug zu besitzen schien, die Gefahr eines dritten Weltkriegs zu bannen.

Dann ereignete sich im Herbst des Jahres 1962 die Kubakrise, und mit einem Mal schien selbst das viel beschworene Gleichgewicht des Schreckens nicht mehr vor der ganz großen Katastrophe schützen zu können. Die Tage, in denen die USA eine Seeblockade verhängten, um eine weitere Aufrüstung Kubas mit Mittelstreckenraketen durch die Sowjetunion zu verhindern, waren vor allem ein Krieg der Nerven, ein psychologisches Vabanquespiel, und es war ungewiss, ob nicht Hardliner im Kreml ans Ruder kommen und einen radikalen Konfrontationskurs gegen die freie Welt fahren würden. Als dann noch ein amerikanischer Aufklärungsjäger über der Karibikinsel abgeschossen wurde, drohte die Lage endgültig zu eskalieren.

Das Gleichgewicht des Schreckens war auf einen Schlag brüchig und fragil geworden. Der menschliche Faktor schien eine politische Theorie zur Sicherung des Friedens als Irrglauben überführt zu haben. Glücklicherweise konnte die Krise dann doch im letzten Moment entschärft werden, und in den kommenden Jahrzehnten wurde die wechselseitige militärische Aufrüstungspolitik weiter fortgesetzt, als wäre nichts gewesen. Aber man fragt sich natürlich schon, was passiert wäre, wenn Kennedy und Chruschtschow auf den letzten Metern keine einvernehmliche Lösung gefunden hätten. Was, wenn die Kubakrise anders ausgegangen wäre?

Als Star Trek erstmals über die Fernsehapparate lief, lag die Kubakrise gerade einmal ein paar Jahre zurück. Spätestens sie hatte die ungeheuren und unkalkulierbaren Gefahren eines möglichen Atomkriegs einer breiten Öffentlichkeit bewusst gemacht. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass diese dramatische polithistorische Kulisse, in der Star Trek entstand, die klassische Serie und das Franchise insgesamt nachhaltig prägte und zu einem wiederkehrenden Element wurde. Das allgemeine Muster ist immer gleich: Zwei große, weltanschaulich grundverschiedene Mächte, die das Potenzial besitzen, sich gegenseitig von der Sternenkarte zu tilgen, stehen einander in latenter Konfrontation gegenüber – ein kalter Krieg tobt. Und jetzt können drei Dinge passieren: entweder der kalte Krieg wird in alter oder neuer Form fortgesetzt, er kann beendet und in einen vorübergehenden oder dauerhaften Frieden aufgelöst werden, oder er schlägt tatsächlich in einen heißen Krieg um.

Mit dem Was-wäre-wenn zur Kubakrise im Hinterkopf, möchten wir nun einen Blick in das Star Trek-Universum werfen und dabei folgenden Fragen nachgehen: Welche prominenten kalten Kriege gibt es in Star Trek? Wie sind sie entstanden, wie haben sie sich entwickelt, und was war ihr Ausgang? Und nicht zuletzt: Welche Schlussfolgerungen können wir aus ihnen ziehen? Im ersten Teil dieses kleinen Specials wollen wir zunächst auf die Classic-Serie eingehen, Roddenberrys unmittelbare Schöpfung. Der zweite Teil, der als Anhang des nächsten Typhon Pact-Romans Schatten erscheinen wird, wendet sich dann den anderen Star Trek-Serien sowie im Besonderen kalten Kriegen in den Star Trek-Romanen zu. Wo immer möglich, fließen weiterführende Informationen bzw. Verweise aus der Franchise-Literatur ein.

 

"Mord rufen und des Krieges Hund entfesseln"

In keiner anderen Star Trek-Produktion finden wir so viele Variationen und Anspielungen in Bezug auf den Kalten Krieg wie in der Originalserie selbst. Dem Humanisten Roddenberry lag es zweifellos am Herzen, dieses Thema aufzugreifen und intensiv zu verarbeiten. Dabei stellt er sehr verschiedene Konflikttypen dar und bietet ebenso heterogene Schlussfolgerungen an. Um hier nicht den Rahmen zu sprengen, wollen wir uns auf den kalten Krieg konzentrieren, der im Zusammenhang mit den Klingonen und den Romulanern im Classic-Kosmos entfaltet wird.

Fangen wir mit den Klingonen an. Sie werden von vorneherein als brutale Militär- und Besatzungsmacht dargestellt, deren Protagonisten wild und ungehobelt sind und zudem tief entschlossen, ihr Territorium so weit wie möglich auszudehnen. In Roddenberrys Darstellung ist das Klingonische Reich mit seiner auf Krieger- und Eroberungskult beruhenden Gesellschaftsordnung sowie einer auf Stärke und Macht basierenden Hierarchie politisch-kulturell der scharfe Gegensatz zu den liberalen und demokratischen Grundsätzen der Föderation.

Der Konflikt mit den Klingonen, so erfahren wir in TOS, schwelt seit längerem. Er hat sich in der ersten Hälfte des 23. Jahrhunderts schrittweise aufgeschaukelt und offenbar zwei wesentliche Ursachen. Zum einen erlebt die klingonische Natur in diesem Jahrhundert eine wahre Entfesselung und kehrt zu ihren schlimmsten Eigenschaften zurück, die im Grunde nicht mehr viel mit Kahless‘ asketischer Kriegerehre zu tun haben. Der Durst der Machthaber auf Qo’noS nach Annexion und Ruhm, ungeachtet der politischen Konsequenzen und des moralischen Preises, wird immer ungezügelter. Zum anderen haben die Klingonen die Föderation seit ihrer Gründung zusehends alarmierter, man möchte fast sagen paranoider beäugt. Da sich der interplanetare Völkerbund im Laufe der Dekaden immer weiter ausgedehnt hat, verstehen sie ihn als Affront und Bedrohung für ihr Reich und erklären die Föderation schließlich zum Feindbild. Was sie aus ihrer Weltsicht heraus nicht verstehen können, ist, dass die Art und Weise, wie die Föderation ‚expandiert‘, eine völlig andere ist als ihre eigene: die Föderation erobert nicht, sondern wächst dadurch, dass sich ihr Welten freiwillig als Mitglieder anschließen.

Diese Dynamik unterschiedlicher Faktoren führt seit den ersten, eher unglücklichen Kontakten mit dem Kriegervolk im 22. Jahrhundert (vgl. Enterprise, u.a. 1x01/02: Aufbruch ins Unbekannte; 1x14: Schlafende Hunde; 2x19: Das Urteil) zu einer überaus kalten Staatsraison zwischen der Föderation und dem Klingonen-Imperium. Obgleich es keinen offiziell erklärten Krieg gibt, kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, bei dem auch Frachter angegriffen werden und verschwinden (vgl. The Federation: The First 150 Years), sowie zu vereinzelt größeren Schlachten wie z.B. die Auseinandersetzung um Donatu V im Jahr 2243 (vgl. TOS 2x03: Im Namen des jungen Tiru; 2x15: Kennen Sie Tribbles?). Diese Konfrontationen enden jedoch häufig in einem für beide Seiten wenig befriedigenden Patt.

Trotz des eisigen Klimas, das mittlerweile zwischen beiden Nationen herrscht, kann der Ausbruch eines schrankenlosen Konflikts jedes Mal vermieden werden. Dies liegt vor allem an der Föderation, der es ein ums andere Mal gelingt, außenpolitischen Druck auf das Reich auszuüben, indem sie andere Mächte als Verbündete für Interessenbündnisse gewinnt und eine wirkungsvolle politische Drohkulisse gegen das Kriegerreich errichtet. In bestimmten Fällen betreibt sie jedoch auch eine gezielte Beschwichtigungspolitik und erklärt sich bereit, den Klingonen Raumregionen zu überlassen, die ihre eigenen Interessen kaum berühren, um so ihrem Wunsch nach friedlicher Koexistenz Ausdruck zu verleihen (vgl. Roman TOS: Sarek).

Erst in den 2260er Jahren wird die Lage dann wirklich kritisch. Die Klingonen dehnen sich blitzartig in weitere neutrale Systeme aus und stellen der Föderation ein beispielloses Ultimatum, sich aus sämtlichen umstrittenen Stellargebieten zurückzuziehen, darunter der Archanis-Sektor, das Donatu-System und der Sherman-Planet. Kurz darauf veranlassen sie eine vollständige Mobilisierung ihrer Armada. Im Wesentlichen sind es vier Gründe, die zu dieser dramatischen Zuspitzung der Beziehungen führen:

  • Erstens läuft auf Qo’noS die panklingonische Bewegung, eine Art ultranationalistische Volksbewegung, die nach Eroberung und Krieg schreit, völlig aus dem Ruder. Sie lässt sich selbst von der klingonischen Politik nicht länger eindämmen, sodass dieser keine andere Wahl bleibt, als sich an die Spitze der chauvinistischen Strömung zu begeben, die das All dem Reich einverleiben möchte.
  • Zweitens tragen die Konflikte zwischen der Sternenflotte und den klingonischen Streitkräften in der entlegenen Taurus-Region ihrerseits zu einer wesentlichen Verschlechterung der Beziehungen bei; man möchte fast von einer dramatischen politmilitärischen Eskalation sprechen (vgl. Roman Vanguard: Der Vorbote; Rufe den Donner; Ernte den Sturm; Offene Geheimnisse).
  • Drittens rächt sich jetzt, dass es zwischen der Erde und Qo’noS bislang weder ein gemeinsames Regelwerk zum Konfliktmanagement gibt noch eine institutionalisierte Verhandlungsplattform, geschweige denn einen regelmäßigen ‚heißen Draht‘, über den man noch einmal hätte kommunizieren, Missverständnisse verhindern und das Schlimmste abwenden können.
  • Viertens – und das ist besonders bemerkenswert – vollzieht sich auch in den Reihen der Föderation und in der Sternenflotte ein substanzieller Sinneswandel: Man ist nun gewillt, die Risiken einer Konfrontationspolitik mit den Klingonen in Kauf zu nehmen, weil sich die Überzeugung durchgesetzt hat, dem Reich auf anderem Weg keine Grenzen aufzeigen zu können. Die Hardliner haben sich durchgesetzt.

Obwohl mehr als fraglich ist, ob sich Qo’noS über die Mittel friedlicher Außenpolitik überhaupt noch könnte einfangen lassen, ist es maßgeblich die Föderation, die sich nun auf die Logik einer militärischen Auseinandersetzung einlässt und diese mit forciert. Damit verlässt sie in eklatanter Weise die Linie, die sie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stets verfolgt hat, um den Frieden im Verhältnis zu den Klingonen zu bewahren. Die Sternenflotte trifft ihrerseits Vorbereitungen für eine massive Gegenoffensive; es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis große Flottenverbände aufeinandertreffen. Für alle Beteiligten scheint klar zu sein, dass der lange währende kalte Krieg nun endgültig ein heißer wird.

Dass es ausgerechnet auf Organia, der ersten Welt, auf der sich Föderation und Klingonen als Kriegsparteien gegenüber stehen, zu einer überraschenden Wendung kommt, ist eine glückliche Fügung für den Alpha- und Beta-Quadranten. Denn eigentlich sind die beiden Widersacher zum Äußersten entschlossen und haben keinen Sinn mehr für Kompromisse. Selbst die Sternenflotte verletzt die Oberste Direktive, indem sie der vermeintlichen Prä-Warp-Zivilisation der Organier gegenübertritt, um die Klingonen an einer Invasion zu hindern. Nachdem es letzteren allerdings doch gelingt, die Welt vorzeitig zu besetzen und ein Ausufern des Konflikts kurz bevorsteht, geben sich die scheinbar primitiven Organier als hochentwickelte, körperlose und zutiefst pazifistische Lebensform zu erkennen. Sie schreiten ein und demobilisieren mit ihren beträchtlichen metaphysischen Fähigkeiten beide Flotten im gesamten Quadrantengefüge, um dadurch weitere Kampfhandlungen zwischen der Föderation und den Klingonen zu unterbinden. Sowohl auf der Erde als auch auf Qo’noS erscheint jeweils ein Repräsentant der Organier und erzwingt einen Waffenstillstand. Beiden Kontrahenten bleibt keine andere Wahl als dem von den Organiern vorgeschlagenen Friedensvertrag zuzustimmen (vgl. TOS 1x27: Kampf um Organia).

Von nun an können Föderation und Klingonen keine größeren militärischen Auseinandersetzungen mehr gegeneinander führen, doch vom Frieden sind sie weit entfernt. Es beginnt ein zweiter großer kalter Krieg zwischen beiden Mächten, der ein Vierteljahrhundert anhält. Gerade in dieser Phase wird die militärische Aufrüstung, insbesondere aufseiten der Klingonen, massiv vorangetrieben – auf Kosten anderer staatlicher Budgets. Die im Rahmen des Friedensvertrags von Organia geschaffene Neutrale Zone wird ständig mit schwer bewaffneten Kreuzern patrouilliert. In den nächsten Jahren lässt die klingonische Führung kaum Zweifel daran, dass ihr eine Rückkehr zu einem offenen Krieg am liebsten wäre. Doch da das bis auf weiteres nicht möglich ist, verlagern sich die Klingonen zunehmend auf die politische Sabotage von Föderationsinteressen, z.B. durch Geheimdienstaktivitäten und strategische Scharmützel. Ein besonderer politischer Coup gelingt ihnen, als sie die Romulaner für eine begrenzte Technologieallianz gewinnen können, die jedoch – man möchte sagen zum Glück der Föderation – eine flüchtige Episode bleibt (vgl. TOS 3x04: Die unsichtbare Falle; Comic: Alien Spotlight – Romulans).

Die kommenden Dekaden sind geprägt von starken politischen Spannungen zwischen der Föderation und dem Reich. Dann explodiert 2293 unvermittelt der klingonische Energiemond Praxis und führt zu einem Zusammenbruch der Energieversorgung des klingonischen Imperiums. Jetzt rächt sich, dass in Jahren des ungebremsten Rüstungswettlaufs mit der Föderation zu wenig Mittel in die Infrastruktur investiert worden sind. Für die Klingonen ist das Dilemma perfekt: Nicht nur müssen sie ihr Budget massiv umschichten, um die Energieversorgung für ihre Heimat wieder sicherzustellen, sondern sind zur Abwendung einer Umweltkatastrophe obendrein auf das technologische Know-how der Föderation angewiesen. Ob man will oder nicht: Man kann sich den kalten Krieg mit der Föderation nicht mehr länger leisten.

Mit Kanzler Gorkon gibt es an der Spitze des Reichs eine Führungspersönlichkeit, die bereits früher an Frieden mit der Föderation gedacht hat und jetzt ihre Chance gekommen sieht, eine Entspannungspolitik und einen dauerhaften Dialog zu beginnen. Obwohl Gorkons Initiative letztlich Erfolg hat, stellt sich eine Verschwörung zwischen hochrangigen Sternenflotten- und klingonischen Militäroffizieren gegen seine Pläne und versucht einen neuen, tiefgreifenden Konflikt zwischen der Föderation und dem Reich heraufzubeschwören. Diese Verschwörung ist trotz ihres Scheiterns noch einmal ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie sehr sich beide Seiten daran gewöhnt haben, einander zu hassen (vgl. Star Trek VI: Das Unentdeckte Land). Tatsächlich wird es bis in die zweite Hälfte des 24. Jahrhunderts dauern, bis sich Föderation und Klingonen so nah gekommen sind, dass ein Wiederaufbrechen der alten Gräben nicht mehr befürchtet werden muss.

 

"Wende einem Romulaner niemals den Rücken zu"

Die andere Großmacht, die im Laufe der Classic-Serie immer wieder auftaucht, sind die Romulaner. Im Gegensatz zu den heißblütigen Klingonen wirken sie schlau, verschlagen, emotional beherrscht und äußerst selbstdiszipliniert. Auch mit ihnen befindet sich die Föderation in einem kalten Krieg, der ab den 2260er Jahren das Verhältnis zwischen beiden Mächten zusehends polarisiert. Doch anders als im Fall der Klingonen, mit denen es trotz der kurzzeitigen Kriegserklärung anno 2267 im 23. Jahrhundert nicht wirklich zu schwerwiegenden kriegerischen Handlungen gekommen ist, verbindet Föderation und Romulaner ein äußerst heißer, vierjähriger Krieg im mittleren 22. Jahrhundert, der sogar maßgeblich zur Gründung der Planetenallianz beigetragen hat (vgl. Roman Enterprise: Kobayashi Maru; Unter den Schwingen des Raubvogels).

Die damalige Niederlage, die die Romulaner in der Schlacht von Cheron erlitten, schnitt ihr Imperium auf Dauer von der Möglichkeit ab, den Alpha-Quadranten für sich zu erschließen und somit deutlich an Macht und Einfluss zu gewinnen. Infolgedessen wurde eine weit reichende Neutrale Zone zwischen der Föderation um große Teile des romulanischen Raums geschaffen, der, gleich einem territorialen Graben, durch Dutzende Außenposten auf beiden Seiten überwacht wird (vgl. TNG: 1x26: Die neutrale Zone; 3x10: Der Überläufer). Doch anders als die Klingonen, die nach dem durch die Organier aufoktroyierten Frieden alles nur Denkbare dafür tun, die Föderation mit nicht-kriegerischen Mitteln zu beschädigen, zogen sich die Romulaner hinter ihren Perimeter zurück und begannen eine lang anhaltende Phase der selbst gewählten Isolation.

Ein ganzes Jahrhundert wurden keinerlei romulanische Aktivitäten mehr gemessen, auch nicht in der Neutralen Zone. Bei der Föderation geriet der alte Feind allmählich in Vergessenheit. Erst im Jahr 2266 taucht unerwartet ein unbekanntes Kriegsschiff auf, überquert den Demarkationsperimeter und zerstört mithilfe einer neuartigen Plasmawaffe mehrere Föderationsaußenposten. Die Romulaner sahen vermutlich vor, mithilfe ihrer neuartigen Tarntechnologie unbemerkt zu bleiben, allerdings gelingt es der Sternenflotte, dem Angreifer eine romulanische Signatur nachzuweisen und das Schiff anschließend zu verfolgen und zu zerstören (vgl. TOS 1x14: Spock unter Verdacht).

Sofort vermutet man, dass die Romulaner auf Revanche aus sind. Da im Zuge dieses Zwischenfalls auch ihre Identität als Abkömmlinge der Vulkanier allgemein bekannt wird, gibt es für die Romulaner keinen Grund mehr, noch länger im Verborgenen zu bleiben. Tatsächlich treten sie in den kommenden Jahren wieder offen auf die interstellare Bühne und mischen sich ein. Doch im Gegensatz zu den Klingonen weiß die Föderation zunächst nicht, wie sie sich gegenüber den Romulanern verhalten soll und welche Absichten diese genau verfolgen. Die Spielarten eines kalten Kriegs beherrschen sie aufgrund ihrer verschlagenen Natur wesentlich besser als die aggressiven Klingonen, die lieber einen offenen Krieg führen würden.

Nachdem die Romulaner erfolgreich einen Technologieaustausch mit den Klingonen durchführen, der ihnen leistungsfähige Kriegsschiffe und neue Waffen- und Verteidigungstechnologie beschert, sind sie in den 2270er und 80er Jahren vornehmlich bestrebt, eine weitere Ausdehnung der Föderation durch politische Intrigen zu verhindern (vgl. Roman TOS: Das Pandora-Prinzip). 2293 sind die Romulaner auch in den Versuch involviert, die Friedensinitiative zwischen der Föderation und dem Klingonischen Reich zu sabotieren, um eine Annäherung beider Mächte zu verhindern. Nachdem dieses Komplott auffliegt und misslingt, beginnt eine kurze, aber intensive Phase in den Beziehungen zwischen Erde und Romulus, die sehr untypisch ist: Die Romulaner meiden immer weniger die offene Konfrontation, sodass zu Beginn des 24. Jahrhunderts eine Zeit der beispielslosen militärischen Aufrüstung des Sternenimperiums einsetzt.

Nur wenige Jahre später, 2311, folgt eine nie gekannte Expansionswelle, bei der die romulanische Flotte unverhohlen als Werkzeug der Unterjochung eingesetzt wird. Völker wie die bis dato freien Koltaari werden mit außerordentlicher Brutalität unter romulanische Flagge gebracht. Angesichts eines derart aggressiven Vorstoßes seitens des imperialen Senats und seiner Flotte verschlechtern sich die diplomatischen Beziehungen auch zur Föderation rapide, und die Sternenflotte sieht sich bald gezwungen, enorme Verteidigungsmaßnahmen entlang der Neutralen Zone zu ergreifen. Ein eventuell nahender Krieg kann nicht mehr ausgeschlossen werden. Offenbar stellen die Romulaner es diesmal wirklich auf eine Revidierung ihrer historischen Niederlage von Cheron ab.

Am Vorabend eines so gut wie sicheren bewaffneten Konflikts führt der Sternenflotten-Geheimdienst eine Topsecret-Mission durch, bei der das romulanische Flaggschiff Tomed entführt und im föderierten Foxtrot-System unmittelbar entlang der Neutralen Zone mittels Überladung des Energiekerns zerstört wird. Für die Öffentlichkeit – und auch für den romulanischen Senat – sieht es so aus, als hätte das romulanische Militär einen Vorstoß in eigener Sache gewagt, um einen Krieg gegen die Föderation anzufangen.

Dieses Ergebnis, obgleich es eigentlich nicht mehr als eine Konsequenz der bisherigen politischen Entwicklungen ist, schreckt den Prätor und die anderen Machthaber im Imperium auf. Sofort stellt man den eingeschlagenen Eroberungskurs der vergangenen Jahre ein, kappt die Beziehungen zur Außenwelt und zieht sich für die kommenden fünfzig Jahre hinter seine Grenzen zurück. Vorher kann das bestehende, nach dem Irdisch-Romulanischen Krieg geschlossene Friedensabkommen durch den Algeron-Vertrag verschärft und in Teilen neu geregelt werden. Unter anderem erklärt sich die Föderation dazu bereit, künftig auf die Entwicklung einer Tarnvorrichtung zu verzichten (vgl. Roman The Lost Era: Serpents Among the Ruins).

 

Schlussbetrachtung

Die Föderation leistet sich im 23. Jahrhundert sowohl mit den Klingonen als auch den Romulanern einen oder sogar mehrere kalte Kriege. In beiden Fällen sind diese latenten Konflikte auf weltanschauliche Gegensätze und teilweise auch ein falsches Verständnis der jeweils anderen Seite zurückzuführen, vor allem aber auf das Expansionsbestreben der Klingonen bzw. Romulaner, welches jeweils innenpolitische und äußere Gründe hat. Die kalten Kriege eskalieren schließlich und schlagen beinahe in heiße Kriege um.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Im Fall des Konflikts mit den Klingonen lässt sich wohl von einem Gemisch aus Militarismus, innenpolitischer Radikalisierung, fehlenden Konfliktregelungsmechanismen und schlicht zu wenig Kommunikation zwischen beiden Parteien sprechen. Hinzu kommt, dass auch die Föderation zunehmend Anheizer der Auseinandersetzungen ist, da sie immer stärker auf die militärische Logik der Klingonen anspricht und sich in ihren Reihen jene Politiker und Militärs durchzusetzen beginnen, die eine Politik der harten Hand in Bezug auf Qo’noS befürworten.

Bei den Romulanern liegen die Ursachen weniger deutlich auf der Hand. Vor dem Hintergrund ihres historischen Kriegs mit den Gründungsmitgliedern der Föderation spielt eine späte Revanche vermutlich eine Rolle für die Entscheidung, nach hundert Jahren einen kalten Krieg mit der Föderation zu beginnen. Denkt man an den Zwischenfall in der Neutralen Zone im Jahr 2266, spricht jedoch auch vieles dafür, dass die Romulaner versuchen, sich durch gezielte Provokation neue Spielräume zu erschließen und ihre Möglichkeiten auszutesten, ohne dabei direkt einen Krieg verursachen zu wollen. Diese Rechnung geht längst nicht immer auf, wie die rapide ansteigende Konfliktdynamik im Vorfeld des Tomed-Zwischenfalls 2311 zeigt.

Glücklicherweise kommt es nicht zu schwerwiegenden militärischen Auseinandersetzungen. Ein klingonisch-föderaler Krieg wird erst durch die Einmischung der Organier, einer dritten Partei omnipotenter Geschöpfe, verhindert. Wären Föderation und Klingonen sich selbst überlassen geblieben, hätten sie sich vermutlich in einen Krieg hineingesteigert, der sich zu einem quadrantenweiten Konflikt mit zahlreichen Opfern ausgewachsen hätte. Knapp drei Jahrzehnte später versteht es die Diplomatie der Föderation, den Klingonen gegenüber vertrauensbildend aufzutreten und damit den Fehler zu vermeiden, der 2267 mit dem militärisch betonten Kurs gemacht wurde. Ohne die Anlaufhilfe der Organier wäre es jedoch nie zu einem solchen Erfolg gekommen.

Dass sich im 23. Jahrhundert wiederum der historische Krieg mit den Romulanern nicht wiederholt, ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Erstens versteht es die Föderation – anders als in den späten 2260er Jahren gegen die Klingonen –, das Sternenimperium durch geschickte außenpolitische Manöver isoliert zu halten. Zweitens wird eine Politik der militärischen Stärke angewandt, die jedoch nicht wie im Vorfeld des Friedens von Organia zum Selbstzweck wird und das Maß verliert. Drittens wird auch der Geheimdienst der Sternenflotte geschickt eingesetzt, um den Ausbruch eines heißen Kriegs mit Romulus abzuwenden.