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Was will Q? – Allmächtiger Quälgeist in unterschiedlichen Rollen

 

Im Laufe der sieben TNG-Jahre taucht Q insgesamt acht Mal an Bord der Enterprise auf – Situationen, die zumeist große Herausforderungen für Captain Picard und seine Crew bedeuten. Und immer, wenn die Enterprise-Besatzung annimmt, sie habe sich auf das Verhalten des omnipotenten Kontinuumsquerulanten eingestellt, belehrt dieser sie eines Besseren. Q scheint nicht immer dieselben Absichten bei seinen verschiedenen Besuchen zu verfolgen, nicht von denselben Zielen bestimmt zu sein. Er spricht nur selten über seine Motive und die Hintergründe seiner Visiten, aber wer genau hinhört und hinsieht, kann mindestens drei Rollen ausmachen, in die Q bei seinen Abstechern auf das Flaggschiff der Sternenflotte schlüpft. Ein paar Gedanken hierzu.

 

Q als Ankläger und Vollstrecker

In Der Mächtige/Mission Farpoint lernen wir Q erstmals kennen. Es gibt einen Lichtblitz, und zack: Er ist da. Hier offenbart er sich Picard und der Enterprise-Besatzung als entsandter Repräsentant einer Spezies, die es sich aufgrund ihrer omnipotenten Begabungen herausnimmt, andere Völker auf ihren evolutionären Wert hin zu beurteilen und gegebenenfalls korrigierende Maßnahmen zu ergreifen (will heißen: im Extremfall eine ganzes Spezies aus der galaktischen Geschichte verschwinden zu lassen). Picard wird vom Kontinuum – oder auch von Q persönlich – als Vertreter der Föderation im Allgemeinen und Menschheit im Speziellen auserkoren und buchstäblich vor Gericht gestellt. Q tritt ihm dort in der Rolle des Anklägers und Vollstreckers gegenüber, personifiziert durch eine Art Richter Gnadenlos im Rahmen eines Schauprozesses der postatomaren Schreckenszeit nach dem Dritten Weltkrieg (eine sorgsam gewählte Symbolik, um Picard die ihm zur Last gelegte „barbarische und primitive Wildheit der Menschheit“ vor Augen zu führen).

Q gibt den harten Hund, konfrontiert die Erdlinge mit schweren Anschuldigungen und Vorwürfen und macht ihnen den Prozess. Dazu gehört auch, ihm widersprechende Personen (Lieutenant Torres, Lieutenant Tasha Yar) zu ermorden, nur um sie daraufhin wieder zum Leben zu erwecken, wenn es ihm beliebt. Da es Picard gelingt, die Farpoint-Mission – vom Kontinuum als erster Prüfstein ausgewählt – erfolgreich zu bestehen, lässt Q die Menschheit fürs Erste ziehen, wiewohl er ankündigt, in Zukunft gelegentlich vorbeischauen zu wollen. Am Ende der sieben TNG-Jahre schlüpft Q dann wieder in die Richter-Rolle, weil das Kontinuum beschlossen hat, den Prozess gegen die Menschheit wieder aufzunehmen. Picard wird erneut vor eine große Prüfung gestellt (die ganz wesentlich darin besteht, ein von ihm verschuldetes temporales Paradoxon zu erkennen), welche er allerdings meistern kann.

 

Q als ‚Privatmann‘ – Lektionen verpassen und selbst Lektionen beherzigen

Abseits der Pilot- und Schlusszweiteiler, in denen Q klar eine offizielle Rolle im Namen des Kontinuums einnimmt, sind die Hintergründe seiner restlichen Auftritte an Bord der Enterprise erheblich zwiespältiger. Man nehme zum Beispiel Rikers Versuchung, in der man zumindest vermuten kann, dass Q hier noch als Akteur des Kontinuums agiert, indem er Picards Nummer Eins einer Verlockung aussetzt (nämlich selbst allmächtig zu werden). Immerhin spricht er immer von „wir“ und „uns“, wenn er ein Interesse für die Menschheit bekundet. Allerdings zeigt Q bereits in dieser Episode ein deutlich höheres Maß an eigener Involviertheit als etwa in Der Mächtige/Mission Farpoint, wo er noch stark distanziert und unnahbar erscheint. Sein übereilter Abgang, nachdem Rikers Versuchung gescheitert ist, legt zumindest ein gewisses übertriebenes Eigenengagement bei seiner Befassung mit Picard und seiner Besatzung nahe.

Spätestens ab Zeitsprung mit Q in der zweiten Staffel wird dann jedoch erkennbar, dass der omnipotente Störenfried nicht länger auf Geheiß seines allmächtigen Volkes agiert, sondern buchstäblich auf eigene Faust. Im Gespräch mit Picard bringt er es sogar zur Sprache. Er bezeichnet sich selbst als „heimatlos“ und räumt ein, er habe sein Kontinuum bis auf weiteres verlassen müssen (die Ursachen hierfür werden nicht genauer erläutert). Guinan macht zum ersten Mal einen massiven Kontrast zwischen Qs Volk und Q selbst auf, wenn sie bemerkt: „Nicht alle sind so wie er. Viele sind ausgesprochen respektabel.“ Als Q dann den Wunsch äußert, sich der Crew der Enterprise anschließen zu wollen, ist Picard endgültig perplex. Nach den zurückliegenden Erfahrungen traut er Q nicht über den Weg, ist sich nicht sicher, ob er wieder Zeuge eines seiner Spielchen wird. So dauert es nicht lang, bis Picard Qs Bitte zurückweist. Qs Reaktion erscheint entlarvend: Er wirkt auf sehr persönliche Weise verärgert und bitterlich von Picard enttäuscht. Kurz darauf wirft er die Enterprise in die Flugbahn der Borg und gibt sich erst wieder einigermaßen versöhnlich, als Picard im Moment großer Not eingesteht, ihn zu brauchen. Obwohl viele Hintergründe zu Qs Verhältnis zum Kontinuum höchst schleierhaft bleiben, können wir festhalten, dass er zwischen Rikers Versuchung und Zeitsprung mit Q einen Sinneswandel erfahren hat. Er entwickelt den Wunsch, von Picard auf sehr persönlicher Ebene wertgeschätzt, anerkannt und etwa als Fremdenführer durch die Galaxis gebraucht zu werden.

 

Die Fortsetzung und Steigerung von Qs ‚Verbannung‘ aus dem Kontinuum führt uns dann Noch einmal Q in der dritten Season vor Augen. Nie wieder wird Q in TNG so sehr im Gegensatz zu seiner Heimatdimension präsentiert wie in dieser Folge. Es kommt nicht nur heraus, dass Q zahlreichen Völkern ausgesprochen üble Streiche gespielt hat, um sich am Schaden der anderen zu erfreuen, sondern auch innerhalb des Kontinuums gilt er offenbar als derartiges Enfant terrible, dass ihm letztlich sogar die Kräfte entzogen werden. Q entscheidet sich dafür, zu einem Menschen gemacht zu werden und wird auf der Enterprise von seinem Volk zurückgelassen. In der Folge ist Q auf diejenigen angewiesen, denen er schon so viel Kummer und Leiden bereitet hat, und es ist nicht selbstverständlich, dass ihn Picard & Co. aufnehmen, ohne auch nur die geringste Genugtuung für sein Schicksal zu zeigen oder das Bedürfnis, es ihm heimzuzahlen. Ohne seine Kräfte beginnt Q zu erkennen, dass er „vor allem Angst“ hat. Picard gesteht er sogar: „Sie sind im ganzen Universum das, was einem Freund am nächsten kommt.“ Und mehr noch: „Je mehr ich lerne, was es bedeutet ein Mensch zu sein, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass ich nie ein guter sein werde.“ Qs Selbsterkenntnis erscheint aufrichtig, denn er hat erlebt, wie sich etwa der Androide Data bereitwillig einer großen Gefahr aussetzte, um ihn zu retten. Q erkennt, dass Allmächtigkeit womöglich sogar ein Hindernis ist, um die ‚wahre‘ Existenz und das Leben an sich begreifen zu können. Allmächtigkeit hat die Spezies der Q an einen Punkt gebracht, in der sie zwischenmenschliche Bindungen und Freundschaften oder auch die Angewiesenheit auf Kooperation nicht mehr brauchen - sie leben den puren Egoismus. Genau das beginnt Q, selbst wenn er es nicht immer explizit sagen mag, allmählich zu hinterfragen.

Es darf angenommen werden, dass die Zeit als Mensch bei Q Spuren hinterlässt. Denn ab jetzt ist ein persönliches Band zwischen ihm und Picard erkennbar, wenngleich das nicht ausschließt, dass Q auch schon mal vorbeischaut, um sich einfach seinen Spaß zu gönnen. Man denke hierzu an sein Auftauchen in Staffel vier, wo er Picard kurzerhand Strumpfhosen verpasst und ihn in den Sherwood Forrest schickt (Gefangen in der Vergangenheit). Daraufhin sucht er dann für eine Weile das Weite mit Vash, deren rebellische Natur ihn anspricht. Die Beiden sollen später wieder auf DS9 gesichtet werden (Q – unerwünscht).

Vermutlich wie nie zuvor zeigt sich die Verbindung zwischen Q und Picard in Willkommen im Leben nach dem Tode. Q agiert hier als Picards Advocatus Diaboli, holt ihn von seinem hohen moralischen Ross herunter und führt ihm vor Augen, dass es die mitunter schmerzhaften Erfahrungen und die Fehler sind, die eine Person entscheidend reifen und über sich hinauswachsen lassen. Die persönliche Faszination für Picard und seinen Lebensweg ist bei Q nun auf einem echten Höhepunkt angelangt. Q, der selbst so viel über Menschheit und Menschlichkeit von Picard lernte, möchte dem Captain helfen, etwas Entscheidendes über seine Entwicklung zu begreifen. Im Grunde eine Art Vorlage für die finale Doppelfolge. In Gestern, Heute Morgen sehen wir Q in zwei Rollen. Wieder in der des Richters, der den Prozess des Kontinuums gegen die Menschheit erneut verhandelt, aber daneben auch als Picards Vertrauter, der im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht, dem Captain zu helfen und seine Erkenntnisse zur Lösung des Zeitparadoxons zu befeuern. Q ist längst zu einem – wenn auch zweifelhaften – Verbündeten geworden, möglicherweise auch teils zu einem Mentor, dem es ein persönlichen Anliegen ist, Picard Einsichten zu seinem eigenen Vorteil zu verschaffen.

 

Q als Entwickler und Förderer der Menschheit

Und dies wirft die Frage auf, ob Q persönlich jemals ein Interesse daran haben konnte, dass die Menschheit vor Gericht verurteilt wird. Rückwärtig betrachtet kann man seine Rolle in TNG auch ganz anders lesen. In einer intimen Szene am Ende der Finalfolge rät er Picard: „Das ist die Art von Erforschung, die Sie anstreben sollten – nicht das Entdecken von Sternen und das Kartographieren von Nebeln. Verlegen Sie sich auf das Erkunden unbekannter Möglichkeiten der Existenz.“ Q trägt hier zwar noch den Umhang des Richters, aber der Gerichtssaal ist verwaist, der Prozess vorbei, er hat seine Handschuhe abgestreift. Das heißt: Hier spricht nicht mehr der Repräsentant des Kontinuums, Richter Gnadenlos. Spricht hier vielmehr ein heimlicher Verbündeter? Ein Lehrmeister der subtilen Botschaften?

Diese dritte Rolle bleibt zweifellos die spekulativste, aber es gibt immer wieder kleine Versatzstücke (gerade in Gestern, Heute, Morgen), die den Verdacht nähren, dass Q einerseits ein ausgeprägtes Interesse an der Menschheit hat und für diese schier unbegrenzte Möglichkeiten der Weiterentwicklung sieht. Das wurde bereits in Rikers Versuchung überdeutlich. Besonders hat Q ein Interesse daran, wie Picard sich als auserwählter Vertreter der Menschheit entwickelt.

Bloß: Mit welchem Ziel? Gibt es überhaupt ein Ziel? Q hat diese Frage in der Serie nie beantwortet, aber grübeln kann man darüber. Baut er Picard vielleicht zu jemandem auf, der in der Zukunft eine bestimmte Herausforderung bestreiten soll? Eine Herausforderung, zu deren Bewältigung nur er, der sterbliche, endliche Erdling, in der Lage ist? Hat Q etwas mit Picard vor, und sieht er in der Zukunft für die Menschheit eine besondere Rolle oder Aufgabe? In diesem Fall wären all die Konfrontationen, die Provokationen und das vielfache Leiden, das er vor allem durch die Zusammenführung mit den Borg verursacht hat, wohl überlegte Handlungen gewesen, um den Menschen langfristig zu helfen. Ist Q also in Wahrheit viel weniger Ankläger und Richter als Entwickler und Förderer der Menschheit? Ist der Gerichtsprozess vielleicht am Ende weniger ein Strafakt für die „barbarische und primitive Wildheit der Menschheit“, für ihre Unfähigkeit, sich zu entwickeln, als vielmehr ein Katalysator, der Picard und sein Volk darin unterstützen soll, ihre Begabungen zu erkennen und wahrzunehmen?

Man kann nie wissen. Auch nach all seinen Auftritten an Bord der Enterprise bleibt der allmächtige Q ein Mysterium. Eines wissen wir allerdings: Nicht nur Picard hat durch Q jene beschworenen unbekannten Möglichkeiten der Existenz kennenlernen dürfen. Auch Q durfte in seiner Begegnung mit der Menschheit eine ganz neue Wirklichkeit erfahren, die ihn auf Dauer geprägt hat. So haben sich zwei fundamental verschiedene Welten aufeinander zu bewegt. 

 

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