STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Voyager

Children of the Storm

Autor: Kirsten Beyer
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 430
Band: 8.7

Inhalt

Nach ersten Startschwierigkeiten und Bewährungsproben ist das Projekt Full Circle voll und ganz auf Linie. Die U.S.S. Voyager ist, gemeinsam mit einer ganzen Flotte aus Sternenflotten-Schiffen, die mit experimentellem Quanten-Slipstream ausgerüstet wurden, in den Delta-Quadranten zurückgekehrt. Die Mission: Das definitive und endgültige Verschwinden der Borg zu prüfen und zu verhindern, dass ihre technologischen Hinterlassenschaften anderen, potenziell gefährlichen Spezies in die Hände fallen oder zu einer Destabilisierung der Ordnung in diesem Teil der Milchstraße führen.

Dass dieser Vorsatz nicht weit hergeholt ist, konnte gleich bei der Ankunft im Delta-Quadranten unter Beweis gestellt werden, als man mit den Indign zusammenstieß (vgl. Unworthy). Nebenbei gilt es aber natürlich auch, diese nach wie vor weitestgehend unbekannte Ecke des Alls zu erforschen und Verbündete für die Föderation zu finden.

Um eine optimale Arbeitsteilung zu gewährleisten, agieren die neun Sternenflotten-Einheiten in mehreren Gruppen und treffen sich in regelmäßigen Abständen wieder, um Forschungsergebnisse und weiteres Vorgehen zu besprechen. Während die Voyager und einige der anderen Schiffe sich von den Ereignissen aus Unworthy noch regenerieren, erwarten sie die Rückkehr der Quirinal, Planck und Demeter. Letztere sollen einen Kontakt mit den ‚Children of Storm‘ herstellen, einer Spezies, von deren Existenz ursprünglich das Sternenflotten-Schiff Aventine im Rahmen der Destiny-Trilogie erfuhr. Damals weckten die ‚Children of Storm‘ die Aufmerksamkeit und das Interesse von Captain Dax und ihren Leuten, weil es ihnen irgendwie gelungen war, ein größeres Aufgebot Borgkuben unschädlich zu machen.

Obwohl das rätselhafte Volk nicht sehr gastfreundlich zu sein schien, glaubt die Sternenflotte dennoch, nun diplomatische Bande zu den ‚Children of Storm‘ knüpfen zu können und so das Gefahrenpotenzial, das theoretisch von ihnen ausgeht (wenn es darum geht, sich eventuell noch existierender Borgtechnologien einzuverleiben) besser kontrollieren zu können. Dass dies möglicherweise eine übereilte und naive Hoffnung gewesen sein mag, zeigt sich, als die Quirinal, Planck und Demeter überfällig sind und kein Kontakt mehr zu ihnen hergestellt werden kann. Die Voyager muss dem Verbleib ihrer Kameraden wohl oder übel auf den Grund gehen…

 

Kritik

Ich komme nicht umhin, es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Die Rückkehr der Voyager in den Delta-Quadranten war für mich eine Enttäuschung. Gemessen an den Erwartungen an eine neue, unkonventionelle Reise weit abseits der Sternenflotten-üblichen Geschichten, die noch Full Circle in mir weckte, führte uns spätestens Unworthy auf den Pfad einer mehr oder minder gewöhnlichen Erforschungsgeschichte zurück, der Serie gar nicht unähnlich. Mit dem wesentlichen Unterschied eben, dass nun eine ganze Flotte im Delta-Quadranten agiert und die Voyager einen neuen Captain hat, der abgesehen von einer leicht mysteriösen Ader Kathryn Janeway allerdings in vielem gleicht. Die Revolution blieb demnach aus. Stattdessen erleben wir nun Abenteuer, die mehr oder weniger mit den Auswirkungen des Verschwindens der Borg in diesem Teil der Milchstraße zu tun haben, letztlich aber auch als separate Alien-of-the-Week-Geschichten gesehen werden können.

Children of the Storm greift eine äußerst fremdartige Spezies wieder auf, die in Destiny zu kurz kam. Die Art und Weise der Darstellung dieses Volkes ist gut gelungen und überwindet die häufige Schwäche von Star Trek-Romanen, uninspirierte Außerirdische zu behandeln, bei denen man irgendwie das Gefühl bekommt, das alles schon mal gehabt zu haben. Dennoch reicht dies meiner Ansicht nach längst nicht aus, um den unglücklichen Aufbau der Erzählung und die langweilige Handlung zu kompensieren.

Fangen wir mit dem ersten Punkt an: dem Aufbau. Zu Beginn spekuliert die Hauptflotte, wo die drei Schiffe, die mit den ‚Children of Storm‘ Kontakt herstellen sollen, abgeblieben sind. Das ist eigentlich eine ominöse Sache und würde Spannung erzeugen – würde Kirsten Beyer nicht alles dadurch kaputt machen, dass sie im B-Plot (der rund zwei Wochen früher spielt) die komplette Mission der Quirinal, Planck und Demeter lang und breit erzählt. Dadurch weiß der Leser schnell viel mehr als die Voyager-Crew, und die Geschichte wird leicht vorhersehbar.

Was hinzukommt und weiter auf das Lesevergnügen drückt, ist eine streckenweise in die Länge gezogene und sogar stockende Handlung. Diese ist häufig überfrachtet mit belanglos wirkenden Charakterszenen, die genauso gut aus der dritten Voyager-Staffel hätten stammen können. Häufig wird es umso schlimmer dadurch, dass wir angesichts der vielen Mannschaften auf den unterschiedlichen Schiffen mit zahlreichen Akteuren konfrontiert werden, zu denen der Voyager-Liebhaber jedoch nicht den geringsten Bezug hat. Was interessieren uns irgendwelche neuen, blassen Gestalten auf der Curie oder der Planck? Stattdessen werden zeitweise die Stammcharaktere ziemlich vernachlässigt. Diese latente Gefahr eines Abdriftens vom Kernteam zeichnete sich bereits in Unworthy überdeutlich ab. So gesehen empfinde ich die zahlreichen anderen Schiffe nun eher als Einfallstor für eine Verwässerung und Verfremdung des Voyager-Markenkerns, weniger als Vorteil.

Gibt es denn trotzdem etwas Erfreuliches zu berichten? Nun, Kirsten Beyer gelingt es wie immer, die zentralen Figuren zu treffen. So erleben wir, wie Tom Paris und Harry Kim sich fetzen, Neelix sich wieder unter seine alten Freunde mischt, B’Elannas Schwierigkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, aber auch persönliche Probleme von Admiral Eden und Seven of Nine (wobei mich gerade bei letzterer stört, dass viele der durch Full Circle aufgeworfenen Fragen bis hierher nicht beantwortet wurden). So authentisch jede der genannten Figuren herüberkommt, so schlecht sind diese Szenen gleichwohl in die Gesamtgeschichte eingebettet und sorgen dafür, dass Children of the Storm sich oftmals wie Kaugummi zieht.

Neben der Voyager steht die U.S.S. Demeter prominenter im Vordergrund des Romans. Das Versorgungsschiff der Flotte ist, wie sich rasch herausstellt, ein ungewöhnlicher Kahn, was auch für seine Mannschaft gilt. Obgleich ich einige Abläufe, Hierarchien, Mannschaftskonstellationen und Persönlichkeiten auf der Demeter sehr unrealistisch finde, ist sie trotzdem eine gute Möglichkeit, die Sternenflotte von einer anderen Seite zu zeigen und ihr so eine Facette hinzuzufügen. Nichtsdestotrotz ist sie letztlich ein schlechtes Beispiel für ein erfolreiches Sternenflotten-Schiff, weil sie selbst in die Fänge der ‚Children of Storm‘ gerät und sogar eine Meuterei auf ihr vorfällt.

Erneut nur gestreift, doch zumindest ein wenig vertieft wird die mysteriöse Vergangenheit von Afsarah Eden. Seit Full Circle bekamen wir den Eindruck, dass es nicht nur Befehle, nicht nur das Verhältnis zu Admiral Batiste waren, die die jetzige Oberkommandierende der Flotte für den Delta-Quadranten und die Logbücher der Voyager interessierte. Vielmehr schien es etwas Persönliches zu sein. Allmählich beginnt sich herauszuschälen, dass Eden selbst so eine Art Odo aus dem Delta-Quadranten zu sein scheint. Doch sie kann sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern. Nur langsam beginnen, bei der zufälligen Begegnung mit einem Artefakt und in Träumen, Fragmente ihrer irgendwie verschütteten Kindheit sowie Erinnerungen an ihre ferne Herkunft hochzukommen.

Am langen Ende reicht das bisschen Licht jedoch nicht, um die vielen Schatten im Roman zu vertreiben. Insgesamt finde ich, dass Children of the Storm das Qualitätsniveau des Vorgängerromans Unworthy eindeutig unterbietet – wahrscheinlich am ehesten deshalb, weil irgendwie die originelle Idee fehlt. Das war bereits etwas, was streckenweise in der Voyager-Serie auffiel, doch jetzt gibt es (aufgrund des neuen Antriebszeitalters) nicht einmal mehr das Odysseethema. Sich nur mit der Klärung der Frage, wo die Borg geblieben sind, und gelegentlicher Forschung herumzuschlagen, führt sehr rasch zu allzu austauschbaren Einzelepisoden, von denen uns Star Trek bereits genug bietet.  

 

Fazit

Das mit Nebenstorys und teilweise belanglosem Charaktergedusel uninteressanter Figuren beladene zweite Delta-Quadrant-Abenteuer der Voyager hat jetzt – nach einem ursprünglich grandiosen Auftakt mit Full Circle – bereits zwei wenig inspirierte Romane gesehen. Das liegt nicht an den schreiberischen Fertigkeiten Kirsten Beyers, die ihre Vorgängerin Christie Golden als Autorin deutlich übertrumpft, als vielmehr an den Leitlinien, die ihr Pocket Books vorgibt. Die Handlung ist ausgesprochen dürftig und zudem vorhersehbar.

Soll es jetzt so eintönig-langweilig mit dem Voyager-Relaunch weitergehen? Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung. Rettung könnte der für den Spätsommer angesetzte Roman Eternal Tide versprechen, über den gemunkelt wird, Janeway könnte zurückkehren. Wie bitte? Ist sie nicht eigentlich tot? Ich schlage also vor, wir schlucken die Children of the Storm-Kröte und geben uns gespannt auf das, was hoffentlich noch kommen mag.

5/10 Punkten.

6-2012