STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Voyager

Old Wounds

Autor: Christie Golden
Erscheinungsjahr: 2004
Seitenzahl: 270
Band: 1.3

Inhalt

Chakotay ist neuer Captain der Voyager. Sein erster Auftrag ist die Rückführung einiger Kolonisten zu ihrem Heimatplaneten, den sie aufgrund des Abkommens zwischen Föderation und Cardassianern vor dem Dominion-Krieg Hals über Kopf verlassen mussten. Chakotay passt dieser Jungfernflug, kann er sich doch mit der Situation der Siedler gut identifizieren. Damals führte ihn die Bedrohung seiner eigenen Heimat zum Maquis.

Die Voyager bekommt eine teilweise neue Mannschaft, nachdem einige alte Crewmitglieder weggingen und sich das Personalrad drehte. In der Riege der Führungsoffiziere sind von den 'Ehemaligen' nur noch Chakotay und Kim als neuer Sicherheitschef an Bord. Entsprechend gibt es etliche neue Figuren, von denen so mancher mit der Erfahrung des Dominion-Kriegs im Rücken eine ganz andere Sternenflotte repräsentiert als jene sieben Jahre im Delta-Quadranten Verschollenen.

Als spirituelle Beraterin für die Kolonisten wird Chakotays Schwester an Bord genommen. Sekaya vertrait ihm bald schon ein lang gehütetes Geheimnis an, wie ihr Vater Kolopak wirklich gestorben ist. Admiral Janeway und Tuvok begeben sich indes auf eine diplomatische Mission, um den drohenden Austritt einiger Planeten aus der Föderation abzuwenden. Falls sie es doch tun, wäre das Herz der Planetenallianz betroffen. Indes erforschen B'Elanna und Tom auf Boreth die klingonischen Prophezeiungen um die Kuvah'magh, die möglicherweise auf ihre Tochter anspielen.

Auf ganz vielfältige Weise also nimmt der 'Spirit Walk' seinen Lauf...

 

Kritik

Wurde auch langsam Zeit, wird manch böse Zunge sagen. Die Voyager startet - nach dem Homecoming-Zweiteiler, der mehr ein Nachwehen-Abenteuer von Endgame war - zu neuen Ufern. Weil Janeway zwangsbefördert wurde, ist Chakotay die logische Nachfolge. Er begibt sich auf eine Mission, die mit seiner eigenen Vergangenheit durchaus in Korrespondenz steht. Seine Schwester ist dabei und schickt sich an, eine Charakterstudie in Gang zu setzen.

Das alles macht keinen schlechten Eindruck, nachdem in den beiden vorigen Romanen das meiste Potential für die Protagonisten im Action- und Intrigengewimmel unterging. Und doch: Sieht man über Chakotay hinweg, wird es plötzlich dünn. Vor allem aber sehr fragmentiert. Anders als noch in Homecoming und The Farther Shore stehen plötzlich nur noch ganz bestimmte Serienhelden im Vordergrund, die überdies in Grüppchen agieren. Chakotay hier, Janeway und Tuvok dort, B'Elanna und Tom auf Boreth. Seven und der Doktor gehen so gut wie gänzlich unter.

Obwohl sich Autorin Golden alle Mühe gibt, in bestimmten Szenen noch auf ein Zusammengehörigkeitsgefühl der alten Bande hinzuweisen, merkt der Leser doch recht schnell, dass die Voyager kaum noch etwas gemein hat mit der quirligen Wärme alter Tage. Sie ist zu einem regelrechten Teflonschiff geworden. Die Zersplitterung der Schicksale schreitet in Old Wounds unverkennbar voran. Während der Fokus auf Chakotay und einer so gut wie komplett neuen (und daher nicht so interessanten) Mannschaft liegt, haben Janeway oder B'Elanna nicht viel mit der eigentlichen Handlung des Romans zu tun - was ein erhebliches Defizit der Story ist.

Uns werden zwar der neue Schiffsarzt Doktor Kaz und Counselor Astall näher gebracht - sonderlich erwärmen kann man sich indes nicht für sie. Viel zu sehr fragt man sich, warum man nun einen Haufen Neulinge aufgetischt bekommt, wo man doch VOY für die Serienhelden und das Familiengefühl so schätzte. Der verheißungsvolle 'Spirit Walk' betrifft offenbar die Falschen. Da sind die Spannungen in der Crew zwischen neuen und alten Mitgliedern schon interessanter, wenn sie darüber streiten, ob der Dominion-Krieg wohl ein schlimmeres Erlebnis war als die Heimreise der Voyager.

Dieser Konflikt wird glaubhaft geschildert und erinnert subtil an die Auseinandersetzungen, die es zu Anfang der Serie zwischen Sternenflotten- und Maquiscrewmen gab. Störend fällt die krass ablehnende Haltung auf, mit denen die Sternenflotte im Allgemeinen den ehemaligen Maquisaden begegnet. Es wirkt einfach übertrieben, denn nach einem großen Krieg sollten solch vergängliche Gräben von früher eigentlich keine Rolle mehr spielen.

Unter Kontinuitätsaspekten ist Old Wounds nahezu anspruchslos. Es lässt sich konsumieren, ohne die Vorkenntnisse aus den beiden Pilotromanen des VOY-Relaunch parat zu haben. Während der DS9-Relaunch auf dichte Zusammenhänge zwischen seinen Novellen setzt, bleibt VOY seinem etwas loserem Stil treu. Man sollte sich hingegen noch einmal die Story der Episode Tattoo aus der zweiten Staffel vergegenwärtigen, um nicht über ungewöhnliche Begriffe zu stolpern.

Im Gegensatz zur Vorgängergeschichte tue ich mich schwer, ein klares Urteil über Olds Wounds zu fällen. Mit Sicherheit gibt sich Golden jetzt mit einigen Charakteren mehr Mühe. Und damit meine ich, dass sie nicht nur Gehabtes brühwarm und vorhersehbar aufkocht, sondern wirklich etwas Neues zu manchen Figuren - insbesondere der Chakotays - hinzuzufügen hat. Gingen Homecoming und The Farther Shore noch zu schnell auf Hundertachtzig, drückt bei diesem Roman die extreme Ruhe.

Plots wie der um Libby Webber genießen beileibe nicht mehr die exponierte Stellung des letzten Buches, was nicht per se schlecht ist, aber einen auffälligen Bruch in der Atmosphäre des doch noch so jungen VOY-Relaunch darstellt. Fast meint man, dass die Handlung diesmal keine so große Rolle spielen soll. Erst am Ende, wo herauskommt, dass Chakotays neuer XO ein Formwandler ist, taucht Old Wounds wieder auf. Ohne jeden Zweifel bleibt für mich aber das größte Manko, dass die Gemeinschaft nun zerrissen ist. Scheinbar nachhaltig.

 

Fazit

Wenn die Storyführung so bleibt, dann wird das unweigerlich auch bedeuten, an der Berechtigung des VOY-Relaunch zu wackeln, weil die Crew als Ganzes nicht mehr vorkommt. Erteilt man Olds Wounds dahingehend aber eine Schonfrist, kann man der Geschichte auch nette Seiten abgewinnen. Unterm Strich gibt es Licht und Schatten, übrig bleibt guter Durchschnitt.

6/10 Punkten.

8-2009