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Relaunch / Voyager
InhaltDie Voyager ist wieder zuhause, doch der Erde geht es schlecht. Ein Borgvirus hat sich verbreitet und transformiert die Bevölkerung sukzessive in Drohnen. Der Prozess scheint nicht mehr umkehrbar. Und der Auslösung dieser Katastrophe verdächtigt werden ausgerechnet Kathryn Janeway und ihre Crew. Das kann nur eines bedeuten: Keine Zeit vergeuden! Mit Unterstützung von Commander Data verlässt Janeway die Sicherheitszelle, in die man sie gesteckt hat, befreit auch den Doktor, Seven und Icheb. Anschließend begeben sie sich unauffällig an Bord der Voyager, um Nachforschungen über die rätselhafte Borggrippe anzustellen - und darüber, wie sie ihren Weg auf die Erde fand. Tatsächlich scheint die Borgkönigin nicht so schnell die Flinte ins Korn geworfen zu haben wie gedacht; sie hat stattdessen einen Plan gefasst, der es ihr gestatten könnte, die Föderation im Handumdrehen zu assimilieren. Das Schlimmste aber enthüllt sich zuletzt: Der Borgangriff kommt offenbar aus den Reihen der Sternenflotte. Indes toben die holographischen Aufstände weiter. Fernab der Erde, in den Dschungeln von Boreth, hat sich B'Elanna auf die Suche nach ihrer Mutter begeben... KritikEines kann man Christie Golden nicht vorwerfen: dass sie nicht konsequent wäre. Nahtlos knüpft The Farther Shore an den Cliffhanger von Homecoming an, drückt dabei aufs Tempo und betont die A-Story um die Nanosondenseuche noch stärker. Das ist auch bitter nötig, denn sonst wäre auf den 270 Seiten nicht der nötige Platz, um eine weit ausholende Erklärung bezüglich der Borg zu liefern. Janeway, Seven und Co. gehen nämlich dem Phänomen auf den Grund, weshalb es scheinbar immer wieder neue Borgköniginnen gibt, nachdem die vorigen das Zeitliche gesegnet hat. Dafür verantwortlich ist ein spezieller Borguralgorithmus, das so genannte Royale Protocol, welches immer aufs Neue ausgeführt wird. Wer in den Besitz dieses Protokolls gelangt und es für sich nutzbar zu machen versteht, kann tendenziell in der Borghierarchie zur Königin aufsteigen. Auf diese Weise gelingt es Seven später, die Borgkönigin zu überlisten, die sich mittels Royale Protocol in einen weiblichen Admiral transferiert hatte. Interessant: Es scheint darauf anzukommen, dass die Vorlage für eine Königin eine Frau ist, weil die Beschaffenheit des weiblichen Gehirns wohl günstiger für die Multitaskingfähigkeiten einer Schwarmkontrolleurin ist als das männliche. Ohne die Bodenbereitung der Geheimdienstchefin Covington wäre das Schamassel gar nicht erst entstanden. Leider gibt Golden eine äußerst dürftige Erklärung dafür, weshalb Covington ein Kollektiv auf der Erde erschaffen wollte. Das hat rückwirkend eher schlechte Auswirkungen auf das Bedrohungsszenario, denn an dieser Stelle wäre weniger mehr gewesen. Es wirkt einfach unglaubwürdig, dass hochrangige Sternenflotten-Offiziere leichtsinnig mit Borgtechnologie experimentieren und sich etwas davon versprechen. Letztlich verpufft das Abenteuer als eines von vielen. Besonders langatmig ist das Gehadere um Icheb und den Doktor, die die meiste Zeit über zu Statisten degradiert sind. Das hätte man sich schenken können, weil doch klar sein sollte, dass beide nicht sterben werden. Szenen über Tuvok und Kim haben weder Unterhaltungs- und Storywert; man hätte sie getrost streichen können. Tom schließlich ist nur damit beschäftigt, sich um seine Familie Sorgen zu machen. Auch der Holostreik unterbietet das ohnehin schlechte Niveau des Themas im vorangegangenen Roman. Die Verknüpfung mit der Borgseuchenstory macht einen gordischen Knoten daraus. Dass Oliver Baines Menschen von Holodeckfiguren misshandeln lassen würde, um ihnen zu demonstrieren, wie die Menschen mit Holofiguren umgehen, erscheint unangemessen. Zudem kommt das Ableben von Baines zum falschen Zeitpunkt. Es verstreichen wertvolle Chancen. Der dritte Handlungsstrang um B'Elanna entbehrt leider auch wesentlichen Einfallsreichtums. Es ist um nicht zu sagen einschläfernd, zu verfolgen, wie B'Elanna sich durchs Dickicht von Boreth kämpft, und die Wiedersehensszene mit ihrer Mutter geht sowieso baden. Die Dialoge sind abgedroschen und vollkommen vorhersehbar. Zumindest scheint B'Elanna am Ende des Buches ein verstärktes Interesse daran zu haben, ihre klingonische Hälfte weiter zu erforschen, was mittelfristig dem VOY-Relaunch nutzen könnte. Zumal ja ohnehin nicht viele Protagonisten noch mit großen Überraschungen aufwarten können. Unter all dem ermüdenden Actionhickhack und der nimmer enden wollenden Borggefahr ist der einzige richtige Lichtblick des Buches das Verhältnis von Janeway und Chakotay. Meiner Meinung nach das, was man weiter entwickeln und worauf man sich künftig besinnen sollte. Es ist den Gesprächen zu entnehmen, dass sich ein Captain und sein Erster Offizier in den vergangenen Jahren nah gekommen sind - und dass etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen liegt, das einfach nur schön ist. Auch Janeway führt ihre Delta-Quadrant-Linie fort, die sie dazu erzogen hat, nötigenfalls Regeln zu brechen, um ihre Crew heil durchzubringen. Ihre Figur wirkt authentisch. Friede, Freude, Eierkuchen. Die Ankündigung zum Schluss hat mich dann doch etwas verstört. Einerseits war es in Anbetracht dessen, was wir in Nemesis erlebten, abzusehen, aber nun ist es verbindlich: Chakotay wird fortan das Kommando über die Voyager führen, während Janeway neue Aufgaben im Oberkommando bekommt. Schön. Bloß: Wenn Janeway nun einen Schreibtisch hütet, dann wird ausgerechnet jene Personenkonstellation auseinander gerissen, die der Serie neuen Schub geben könnte, scheint doch der ganze Rest schon verbraucht. So gesehen ist das Ende von The Farther Shore eine waschechte Verschlimmbesserung: Die Vorstellung, dass die Voyager als stinknormales Schiff unter vielen durch den Weltraum tuckern wird - ohne Janeway im Kommandostuhl obendrein -, das ist so fad wie ein Trill ohne Flecken. FazitGegenüber dem ersten Teil lässt The Farther Shore nochmals Federn. Abgesehen von der interessanten Eröffnung zum Royale Protocol, wird das Borgabenteuer mit einem Minimum an Kreativität durchgestanden, ohne dass das Gros der Charaktere besondere Rollen darin für sich beanspruchen darf. Wieder einmal konzentriert sich alles auf Janeway und Seven. Die Aussichten sind leider alles andere denn rosig: Künftig wird die Voyager einen neuen Captain bekommen. Doch was ist Chakotay ohne Kathryn Janeway? Und was ist eine Crew ohne das Kräftefeld, das sie zusammenhält? Richtig, Ratatouille! Der Neustart der Voyager verkommt zum Rohrkrepierer. 4/10 Punkten.
7-2009 | ||
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