STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Voyager

Homecoming

Autor: Christie Golden
Erscheinungsjahr: 2003
Seitenzahl: 260
Band: 1.1

Vorbemerkung

Star Trek: Voyager unterschied sich von allen anderen Franchiseserien von Anfang an dadurch, dass die Macher die Story der Show mit einem festen Ziel verbunden hatten: der Heimkehr in den Alpha-Quadranten. Während die Serie lief, war das durchaus ein Vorteil, verlieh doch die "Set a course for home"-Metaphorik Voyager einen Reiz, der zu einer leitmotivischen Bündelung der Geschichte führte. Immer stand sie äußerst dicht im Zusammenhang mit der Odyssee, dem langen Unterwegssein, dem Träumen von der Heimkehr.

Alles wurde dem untergeordnet. Charaktere, insbesondere jener Kathryn Janeways als strenge Mutter einer Großfamilie fernab der Föderation, definierten und veränderten sich durch die ständige Auseinandersetzung mit dem Flug 75.000 Lichtjahre Richtung Erde. Nicht selten galt es, Abwägungen zu treffen zwischen dem eigenen Wunsch, nachhause zu kommen, und dem Wohlergehen anderer Spezies oder dem stellaren Gleichgewicht in den nicht immer stabilen Regionen des Delta-Quadranten. Manchmal entschied Janeway sich bewusst dafür, der Familie den Vorrang zu geben.

Das ist - neben der erwähnten Zielführung von VOY - das zweite alleinstellende Markenzeichen der Serie. Während wir in Deep Space Nine und auch TNG noch lernten, dass es eherne Prinzipien wie Freiheit und Selbstbestimmung allemal wert sind, dafür mitunter existenzielle Opfer zu bringen, vertrat VOY in letzter Konsequenz die Antithese dessen. Bei mehreren Gelegenheiten, die man auch als Schlüsselstellen der Serie bezeichnen kann, erlebten wir, wie alles an Gewicht verlor vor dem innigen Bestreben Janeways, die Crew in einem Stück zurückzubringen zum Blauen Planeten.

Nun wagt Pocket Books - nach einem äußerst erfolgreichen Relaunch von DS9 - das Szenario und führt die Geschichte der Voyager und ihrer Helden fort. Das ist ein gewagter Schritt. Denn nun ist das Schiff, wie wir im Endgame-Zweiteiler erleben durften, nach siebenjähriger Reise schlussendlich zuhause eingetroffen, womit auch das Leitmotiv sich aufzulösen droht: Die zusammengewürfelten Persönlichkeiten aus Sternenflotte und ehemaligem Maquis stehen nicht mehr unter dem Zwang, eine verschworene Gemeinschaft zu bleiben. Und das ist nur allzu verständlich: Viele Crewmitglieder werden es sich wohl genau überlegen, wie es für sie nach den einschneidenden Jahren auf der Voyager weiter geht.

VOY zehrte doch geradezu vom Spirit des Weltenbummlers, der die absolute Ferne durchstreift. Darunter gediehen auch die Personae dramatis der Show. Kann es also überhaupt gelingen, das ursprüngliche Konzept der Serie in ein neues zu überführen, ohne dabei das aufzugeben, was VOY liebenswert machte? Christie Golden macht dazu den ersten Anlauf.

 

Inhalt

Sieben harte Jahre waren Kathryn Janeway und die Voyager im Delta-Quadranten auf sich gestellt. Nun hat eine Verkettung aus wundersamen Begebenheiten und einer gehörigen Portion Risikobereitschaft dazu geführt, dass die Mannschaft vorzeitig zurück ist. Voller Euphorie verlassen sie, angedockt im Erdorbit, das Schiff, und schon beginnen einige Crewmitglieder ihren Abschied zu nehmen.

Die Admiralität quetscht Janeway und Chakotay vor allem in Bezug auf die fortschrittliche Technologie aus, welche die Voyager im Laufe der Zeit auf der anderen Seite der Milchstraße akquierieren konnte; nur wenig Interesse scheint man dem Schicksal der Besatzung beizumessen. Das ist eine echte Enttäuschung. Schnell muss Janeway zu der Erkenntnis gelangen, dass die Föderation, die die Voyager anno 2371 verließ, nicht mehr jene ist, die sie 2377 vorfindet. Ein verheerender Krieg liegt hinter der Planetenallianz; die Sternenflotte ist tief versunken in den Niederungen von Machtpolitik, Konsolidierung und Wiederaufbau. Von daher nimmt es kaum Wunder, dass ein besonderes Interesse an den metaphasischen Torpedos besteht.

Trotz dieses Dämpfers hält die Crew nichts davon ab, sich zu zerstreuen und im privaten nach persönlichem Glück zu suchen. Jeder möchte auf seine Weise wieder Anschluss gewinnen. Janeway sucht ihren ehemaligen Lebensgefährten Marc auf, der mittlerweile eine eigene Familie gegründet hat. Der Empfang ist herzlich, und doch muss Janeway sich eingestehen, wie sehr sie die Zeit im Delta-Quadranten - das Alleinsein an der Spitze - geprägt hat. Chakotay macht seinerseits eine bittere Erfahrung, als er seine alten Maquisfreunde aufsucht und das volle Ausmaß der Verluste durch den Dominion-Krieg realisiert. Die Maquisaden waren eine der ersten Gruppen, die die vernichtende Wucht der Gründer zu spüren bekamen. Chakotay trauert bei seinem Volk - und fragt sich, ob die Sternenflotte, an die er sich wieder gewöhnte, wirklich eine Zukunft für ihn ist.

Einer der Gründe für seine aufkommenden Zweifel liegt bei Seven, die ihre Beziehung nicht fortzuführen gewillt ist. Stattdessen versucht die Ex-Borg Abstand zu bekommen, besucht ihre kranke Tante Irene, die einzig verbliebene Verwandte. Doch schnell muss Seven feststellen, dass das neue Kollektiv in der Föderation vielleicht nicht ihres sein kann: Überall lauern ihr Menschenmassen auf. Schon bald sehnt sich Seven nach der überschaubaren Geborgenheit der Voyager zurück. Die Liste derer, die nicht zu den Gewinnern der Heimkehr zu zählen scheinen, scheint weiter zu wachsen, denn auch der Doktor wird mit Problemen ob seiner holographischen Identität konfrontiert, die er in seiner Zeit auf der Voyager bereits überwunden wähnte. Bald schon steht er im Zentrum des ersten Holoaufstands in der Geschichte der Föderation.

B'Elanna ergeht es kurz nach der Heimkehr auch nicht viel besser: Unvermittelt wird sie von einem klingonischen Offizier kontaktet, der sie über ihre Mutter informiert. Miral hat im Kloster von Boreth nach dem Verschollengehen ihrer Tochter im Delta-Quadranten eine Vision gehabt und anschließend ein Ritual vollzogen, das sie hinausführte in die Wildnis, ohne Werkzeuge oder Waffen. Miral ist niemals von ihrer Suche nach Erleuchtung zurückgekehrt, hat jedoch B'Elanna eine Nachricht hinterlassen. Diese Nachricht führt ihre Tochter auf einen klingonischen und überaus spirituellen Pfad: B'Elanna begibt sich auf die Suche nach ihrer Mutter, wovon ihr Mann Tom nicht gerade begeistert ist.

Indes hegt der Geheimdienst der Sternenflotte den Verdacht, dass ein Maulwurf - ein Agent des Orion-Syndikats - die fortschrittliche Technologie der Voyager entwenden und gewinnbringend verkaufen will. Dummerweise beginnt zur selben Zeit die bereits erwähnte Rebellion der Hologramme auf der Erde. Durch eine unglückliche Koinzidenz gerät der Doktor in die Affäre und wird zum Hauptverdächtigen, weil er einen neuen Roman über die 'Freiheit der Photonen' verfasst.

Das ist aber alles noch Geplänkel im Vergleich zum letzten Teil von Homecoming, in dem schlagartig eine Borgseuche auf der Erde ausbricht. Sie verbreitet sich wie eine Erkältung und verwandelt die Bewohner in Drohnen. Verzweifelt wird nach der Ursache der Seuche geforscht, und der Verdacht fällt auf die Crew der Voyager, die offenbar als Trojaner fungiert hat.

 

Kritik

Die Voyager ist zurück im Alpha-Quadranten - und erlebt ihr blaues Wunder. So könnte man Tenor und Genese von Homecoming beschreiben. Obwohl sich Autorin Golden bemüht, Anknüpfungspunkte für die Personen zu schaffen, sie sozusagen in den Lebensraum 'Föderation' zu überführen, bleibt alles in allem doch zu wenig Platz auf den gerade einmal 260 Seiten, bevor der Rattenschwanz des zurückliegenden Endgame-Abenteuers die alte Bande wieder zusammentrommelt.

Homecoming ist also im Grunde genommen noch ein ganzes Stück Status quo - was an und für sich nicht schlimm ist, nur bleibt der Roman dem erwartungsgeladenen Leser die Antwort schuldig, wie sich denn die Figuren wirklich einleben. Zu schnell wird da wieder nach den Borg (die mittlerweile zu den Schießbudenfiguren des Star Trek-Universums geworden sind) gegriffen.

Das, was wir im ersten Teil über die Charaktere erfahren, ist zwar hübsch geschrieben, aber leider nicht sonderlich interessant und hat vor allem auch keine größeren Konsequenzen für die Geschichte. Gut, es gibt ein paar Beförderungen, von denen mindestens eine nach dem Rezipieren von Star Trek: Nemesis zu erwarten stand. Abgesehen vom gut eingefädelten Plot um B'Elannas Mutter, der tatsächlich Appetit auf mehr macht, sind die Erlebnisse der Protagonisten in der Heimat höchst vorhersehbar. Immerhin wurde Marcs Trennung von Janeway bereits in der Serie genügend thematisiert - samt der Auswirkungen auf sie. Auch dass Chakotay die Ruinen seines früheren Lebens besichtigt, ist nicht mehr als eine mittelmäßige Ausführung des in der Serie Gesagten.

Für Seven und den Doktor bleibt auf der Charakterebene zu wenig Entfaltungsspielraum, wohingegen Libby Webber - Harrys Freundin und eigentlich eine absolute Randfigur - eindeutig zu viel Platz eingeräumt wird, auch wenn sie jetzt für den Geheimdienst arbeiten mag. Harry selbst wird übrigens keine Gelegenheit geschenkt, sich endlich einmal weiter zu entwickeln, und das verspielt Potential. Das, was der Doktor später um den Holoaufstand erleben wird, erinnert doch zu stark an die Episode Flesh and Blood. Zu allem Ärger erfährt der Leser nie, wie sich Golden zu dem hitzigen Thema 'Hologramme als Sklaven der Menschen' positioniert; diese B-Story verkommt zum einwandfreien Lückenbüßer und wirkt an den Haaren herbeigezogen.

Die Borgseuche ist ein nicht ungeschickter Griff in die Trickkiste, um das Abenteuer um die kybernetischen Zombies noch ein wenig auszudehnen. Mich persönlich reißt es aber nich vom Stuhl, da der Gebrauch der Borg mittlerweile einfach nur inflationär ist. Es bleibt abzuwarten, wie der zweite Teil The Farther Shore die Geschichte weiter spinnen wird.

 

Fazit

Das Fremdeln in der Heimat ist ein hoffnungsvoll stimmender Anfang. Trotzdem: Homeomcing ist ein Roman, der nichts riskiert - und sich trotz einer schönen Schreibe Goldens in Durchschnittlich- und Vorhersehbarkeiten ergießt. Obwohl das Ganze sich nach VOY anfühlt, eine kurzweilige Intrigengeschichte zu bieten hat und auch einige Brücken für die Crew in den Alpha-Quadranten baut, zögert es eine eng personenbezogene Entwicklung doch hinaus, weil Holoaufstand und Borgseuche dazwischen funken. Das ist insofern eine Enttäuschung, als ich erwartet hatte, dass gerade jetzt, wo das alte Abenteuer zu Ende ist, tiefe Charakterstudien vonnöten sind, um der Voyager ihre neue Flugroute zu vorzugeben. Vielleicht etwas völlig Neues.

Diese Hoffnung hat Homecoming leider weitgehend zerstreut. Stattdessen wird nebst der Actionstory aus dem Klischeetopf geschöpft, und ich fürchte, auch der zweite Band The Farther Shore wird lediglich ein Anhängselabenteuer der alten Schule abschließen. Gegenüber dem gelungenen Auftakt für die achte DS9-Staffel kommt der VOY-Relaunch daher wie ein U-Boot anstatt eines schnittigen Warp-9,75-Raumschiffes: träge und ein bisschen langweilig. Das große Staunen bleibt aus.

So unspektakulär kann Zuhause sein. War es das, wofür Janeway und Co. jahrelang ihr Leben riskiert haben?

5/10 Punkten.

7-2009