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Relaunch / Titan
InhaltEigentlich hat die Titan schon anderes vor. Doch dann kommt plötzlich der Notruf eines Schwesterschiffes dazwischen. Als ob Captain Riker mit Blick auf einen kleinen Ehedisput mit Deanna Troi nicht schon genug um die Ohren hätte, lässt er den Kurs ändern. Auf halbem Weg zu den Zielkoordinaten, wird die Titan plötzlich durch eine Wellenfront aus dem Subraum geworfen. Offenkundig wurden die physikalischen Gesetzmäßigkeiten in diesem Bereich des Alls außer Kraft gesetzt. Dumm für Riker und seine Crew, denn nun sitzen sie fest mit ihrem Schiff. Wenigstens steigen sie bald schon hinter das Rätsel der Subraumzerstreuung: Eine fremde Spezies experimentiert auf ihrer Welt mit Warptechnologie, um Energiegeneratoren zu betreiben. Das hat Auswirkungen auf den umliegenden Raum, macht sowohl Warp als auch Impuls wirkungslos. In Orion's Hounds musste Riker gerade die schmerzliche Lektion verinnerlichen, dass die Oberste Direktive mehr ist als ein nobler Vorsatz. Jetzt muss er gegen den inneren Schweinehund ankämpfen, sieht er doch keine andere Möglichkeit, als gegen jene Direktive zu agieren, um die Titan aus ihrer misslichen Lage zu befreien: Er muss Kontakt aufnehmen mit der Zivilisation (die zwar Warptechnologie besitzt, aber nicht nach den Kriterien der ersten Sternenflotten-Regel und daher definitionsgemäß in den Bereich der Prä-Warp-Kultur fällt, für die scharfe Nichteinmischungsrichtlinien gelten). Diese mentale Einstiegshürde wird genommen. Weil das Schiff aber festhängt, bleibt Riker nichts anderes übrig, als sich auf den waghalsigen Plan seines Wissenschaftsoffiziers Najem Jaza einzulassen. Dieser hat vor, ein Shuttle mit Picard-Manöver direkt aus dem Hangar heraus zu zünden, um den Raumbereich zu überwinden und den Planeten zu erreichen. Ein Außenteam ist schließlich gefunden, und zunächst sieht es gut aus: Das Shuttle entkommt dem instabilen Stellargebiet, mit Kurs auf den Planeten. Doch dann passiert das Unerwartete: Das Shuttle wird von einem fremden Raumer unter Beschuss genommen, eine Verzerrungsfront ausgelöst, und die Fähre stürzt ab. Als die unterschiedlichen Mitglieder des Außenteams wieder zu sich kommen, finden sie sich auf dem Planeten Orisha wieder – in verschiedenen Zeiten. Die Titan wurde offenbar zerstört und ist beteiligt an einer noch größeren Katastrophe, die die gesamte orishanische Gesellschaft verändert hat. Maßgeblich verantwortlich dafür ist eine rätselhafte Anomalie – ‚das Auge' genannt –, welches die Titan offenbar aus Versehen aktiviert und dadurch den Verlauf der Geschichte verändert hat. Um den Lauf der Dinge, wie er war, wieder zurückzubringen, bedarf es mehr als einer gewöhnlichen Kraftanstrengung. Und überdies der Entscheidung eines bestimmten Offiziers, seiner eigenen Bestimmung nachzugehen… KritikMit Sword of Damocles habe ich zwei Anläufe hinter mir. Normalerweise ziehe ich es vor, das englische Original zu lesen. Doch bei diesem konkreten Buch tat ich mich schwer mit der Pocket Books-Ausgabe. Dankbar war ich also, als ich mit dem Erscheinen der deutschen Ausgabe durch den Cross Cult-Verlag nun wieder die Odyssee der Titan weiter verfolgen konnte. Leider muss ich sagen, dass sich die Wartezeit nur bedingt gelohnt hat. Das Werk aus der Feder Geoffrey Thornes kommt ausgesprochen träge daher. Ehe die Handlung so richtig in Fahrt kommt, ist mehr als die Hälfte des Buches vergangen – ohne eine klare Stoßrichtung. Dabei ist der Gedanke, wieder einmal einen Roman zu haben, der sich mit dem Zusammenwirken von Glauben und Wissenschaft beschäftigt, durchaus verlockend. Doch gerade in dieser Hinsicht entpuppt sich Sword of Damocles als Luftnummer. Im Klappentext wird ein Anspruch geschürt, den die Geschichte keineswegs halten kann. Das, was sich nach einer großen Befriedungserzählung dieser beiden Antipoden – Spiritualität und Szientismus – anhört, rangiert letztlich im ganz kleinen Karo des Bajoraners Jaza Najem, der aus einer Reihe von Visionen für sich ableitet, seine Bestimmung gefunden zu haben – und kurzerhand seinen Abschied nimmt, um Orakel auf Orisha zu werden. Die restliche Geschichte ist mehr aus dem Stoff jener Abenteuer, bei denen es sich um temporale Paradoxien und dergleichen mehr dreht. Es gibt verschiedene Zeitperioden ebenso wie Zeitsprünge. Nicht von ungefähr sind Prolog und Epilog versetzt. Die Geschichte und die Bedingungen, denen sie unterliegt, ist nicht ganz leicht. Man fragt sich, ob sie nicht künstlich kompliziert gemacht wurde. Sie ist nicht das eigentlich Ernüchternde, selbst über das uneingelöste Versprechen des Buches könnte ich hinweg sehen. Als viel schlimmer betrachte ich die Tatsache, dass die Titan wirklich in einer Schleife gefangen zu sein scheint. Vielleicht keine Temporalen, dafür aber einer Epischen. Ständig schliddert sie in neue, weitenteils selbst verschuldete Krisen. Am Ende lernt Rikers Crew dazu und bringt die Dinge wieder ins Lot - doppelt so gut, um sicherzugehen. Dieses Prinzip hat sich – trotz so mancher erzählerischer und thematischer Variationen – ziemlich abgeschleift. Bei The Red King fiel es nicht so auf, spätestens nach Orion's Hounds, das ganz und gar aus dieser Kelle schöpfte, ist kein Blumentopf mehr damit zu gewinnen. Vor allem wird es schier jedes Mal aufs Neue erkauft, indem ein Stammcharakter von Bord geht, weil er am Ende des Abenteuers glaubt, den Ort seiner Erfüllung gefunden zu haben. Im letzten Band war es so bei Orilliy Malar, nun haben wir das identische Phänomen mit Jaza Najem. Immer dann, wenn man eine zentrale Person der Geschichte lieb gewinnt, sucht sie das Weite. Zurück bleibt da ein Gefühl von Leserbetrug: Wenn Titan unter etwas leidet, so ist es das Dilemma, dass keine Storydichte aufkommt, weil die Einzelabenteuer am Ende nach dem Guillotineprinzip quittiert werden. Ansonsten leiden die Titan-Romane immer öfter unter künstlich erzeugten Konflikten innerhalb der multikulturellen Crew. Man denke an den Ehekonflikt von Riker und Troi, der nach so langen Jahre des gegenseitigen Kennens irgendwie vom Himmel fällt, oder an Xin Ra-Havreiis Disziplinierungsprobleme. Ebenfalls aufgesetzt erscheint mir, wie die Crewmitglieder mit Zurin Dakal umgehen, der trotz seiner cardassianischen Wurzeln nichts für die Gräueltaten seines Volkes kann. Soll all diese heiße Luft etwa davon ablenken, dass viele der Charaktere nur mäßig interessant sind und bislang eher durch ihre Goldhaut, Knochenkämme, Tentakel oder Achtbeinigkeit aufgefallen sind? Wo wir schon dabei sind: Etwas zu viel des Guten waren auch die immer wiederkehrenden Sätze, die Vales Mutter ihrer Tochter eingetrichtert hat. Wäre sie ein Mann, würde man leicht an Gevatter Ödipus denken müssen. Über die Darstellung der Orishaner lässt sich trefflich streiten. Ich persönlich fand sie – ungeachtet einiger überflüssiger Anleihen bei den Xindi – nicht uninteressant. Leider wurde ‚das Auge', das ihre Kultur so dominiert, nicht zu Genüge behandelt, weshalb auch hier mehr drin gewesen wäre. Was mich am traurigsten macht, ist jedoch die Tatsache, dass die Reise der Titan, dieses als Erneuerung des Explorationstraums gestartete Unterfangen, in Anbetracht der nun hereinbrechenden Destiny-Schatten schon wieder vorbei zu sein scheint. Vielleicht ist das nicht einmal schlimm. Denn abgesehen von einem wirklich guten dritten Band konnte mich die Reihe um Captain Rikers eigenes Kommando trotz einiger interessanter Ansätze nicht nachhaltig überzeugen. Darüber hinweg hilft nicht einmal, dass das Cover erstmals den gelungenen Titan-Entwurf von Designcontestgewinner Sean Tourangeau präsentiert oder man in der Mitte des Romans ein ausklappbares Centerfold vorfindet. FazitEin Buch, das definitiv hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt - und die Titan-Reihe nur wenig bereichert. Langatmig, kompliziert und im Kern doch wenig interessant. Zur Belohnung gibt's wieder einen Stammcharakter weniger. 4/10 Punkten.
8-2009 | ||
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