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Datenbank / Historische Ereignisse / 1993-96: Eugenische Kriege

 

 

Die Eugenischen Kriege im späten 20. Jahrhundert sind ein globaler Konflikt auf der Erde mit beträchtlichen Auswirkungen für die Menschheit und die spätere Föderation. In ihnen versuchen Augments - genetisch verbesserte Menschen -, die Weltherrschaft an sich zu reißen, können aber letztlich vernichtend geschlagen werden, ohne dass ihre Ordnungsvorstellungen jedoch vollständig verschwinden.

 

Ursachen

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Genetikdisziplin auf der Erde so weit fortgeschritten, dass eine Reihe von sozialutopisch motivierten Wissenschaftlern sich - trotz ethischer Auflagen - der Klonforschung verschrieb. Sehr bald stießen sie auf ein noch aussichtsreicheres und unter soziologischen Aspekten weitaus faszinierenderes Feld: die genetische Aufwertung. Obwohl insbesondere die westlichen Staaten im Einvernehmen versuchten, ein Ausufern dieser Forschung einzudämmen, konnten sie nicht die Züchtung genetischer Mutanten verhindern, die im Laufe der 1970er Jahre an einem geheimen Ort im Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan entstanden.

Diese Augments waren Kristallisationspunkt einer Zukunftsvision der beteiligten Wissenschaftler von einer gesünderen und stärkeren Menschheit, die die Fehler der Vergangenheit hinter sich lassen sollte. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Mutanten mit besonderen körperlichen und mentalen Leistungswerten aufwarten konnten, welche die Fähigkeiten 'normaler' Menschen weithin übertrafen. Zwar wurde das genetische Projekt mit der Zerstörung der Brut- und Erziehungsstätte Chrysalis durch den Agenten Gary Seven und sein Team gestoppt, doch die Augmentkinder entkamen in alle Teile der Welt.

Eine Weile blieb es ruhig. Im Laufe der 1990er Jahre dann wurden die erwachsen gewordenen 'Übermenschen' zu einer Bedrohung für den Weltfrieden. Angetrieben durch außerordentlichen Ehrgeiz und unbändigen Machtwillen, die ihre Fähigkeiten erzeugten, schwangen sie sich in einer Art rassischen Bewegung zur Weltherrschaft auf. Mithilfe ausgeklügelter Intrigen gelang es ihnen bis zum Jahr 1993, rund ein Viertel der Erde unter ihre Kontrolle zu bekommen, vornehmlich in den Gebieten der Zweiten und Dritten Welt. Der größte Fürst unter ihnen und zugleich treibende Kraft im politischen Schulterschluss der Augments war der Sikh Khan Noonien Singh.

 

Verlauf

Spätestens jetzt kannte das Machtverlangen der Optimierten keine Grenzen mehr - sie griffen aus, um auch den Westen mit ihren totalitär ausgerichteten Gesellschaftsapparaten zu vereinnahmen, in denen 'normale' Menschen den Augments als Untertanen zu dienen hatten. Die von den Mutanten regierten Staaten begannen einen Feldzug gegen die freie Welt, und ein Konflikt an der Schwelle zum globalen Krieg keimte herauf.

Doch bevor er sich weiter verdichten konnte, begannen die einzelnen Augmentfürsten, von Paranoia und Verschwörungstheorien durchdrungen, einander selbst misstrauisch zu werden - und bekriegten sich ihrerseits. Das schwächte ihre Linie im Kampf gegen die Alliierten und brachte ihnen binnen weniger Jahre eine vernichtende Niederlage ein. Bis sein Tempel in Samarkand im Herbst des Jahres 1996 von Kampftruppen des westlichen Bündnisses gestürmt wurde, versuchte Khan verbissen, den Zusammenbruch der eugenischen Regentschaft u.a. dadurch zu verhindern, indem er in den Besitz eines Killervirus gelangte und offen drohte, es auf der gesamten Welt in Umlauf zu bringen.

 

Ende und Nachkriegsphase

Das Ende der Eugenischen Kriege mündete, jenseits der Tatsache, dass die meisten Augments getötet wurden, in die Flucht des mächtigsten Herrschers Khan in den Weltraum. Mit dem Kryostaseschiff S.S. Botany Bay begab er sich ins Exil, in der Überzeugung, eines Tages zurückzukehren und die Erde kraft seines Superioritätsanspruchs endgültig zu unterwerfen. Vorher wollte er sich jedoch der Vision verschreiben, eine Gesellschaft zu errichten, die ausschließlich Augments kannte.

Im Hinblick auf eine Bilanz der drei Jahre währenden Eugenischen Kriege lässt sich sagen, dass sie mindestens dreißig Millionen Opfer forderten und gerade die Entwicklungsländer mit humanen, materiellen und ökologischen Verwüstungen heimsuchten, die bis weit ins 21. Jahrhundert anhielten und weitere, schwerwiegende Konfliktlinien nach sich zogen.

Eine der ersten Maßnahmen nach Beendigung des Konflikts bestand darin, dass die Manipulation der DNS eines Menschen auf der Erde unter Höchststrafe gestellt wurde. Trotzdem konnten sich die Regierungen nicht darauf einigen, die circa zweitausend verbliebenen Augmentembryonen endgültig zu vernichten. Als kleinster gemeinsamer Nenner wurde der Beschluss gefasst, sie zunächst auf einer künstlichen Insel unter internationalem Recht, ein Jahrhundert später außerhalb der Erde auf einer entlegenen Raumstation mit der Bezeichnung Cold Station 12 zu lagern.

 

Einordnung

Die Eugenischen Kriege, einer der verheerendsten Konflikte in der Geschichte der Erde, können als ein ideologischer Konflikt auf Basis einer rassisch-biologischen Utopieideologie angesehen werden. Dabei ähnelte die Weltanschauung der Augments stark der Blut-und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten, von denen sie im Übrigen auch teils Anleitung für ihr Vorgehen bezogen.

Bemerkenswert ist, dass in der späteren Geschichtsschreibung des 23. und 24. Jahrhunderts nicht immer eindeutig zwischen Eugenischen Kriegen und Drittem Weltkrieg unterschieden wird, obwohl immerhin drei Dekaden zwischen beiden Konflikten gelegen haben. Ursächlich hierfür ist gewiss die Tatsache, dass mit dem Verschwinden der Augmentherrschaft nicht auch ihre Ideenkreise sich gänzlich auflösten. Tatsächlich gab es für die ‚normale‘ Menschheit neben der Verurteilung der Eugenischen Kriege und der Absichten, die die Augments verfolgt hatten, auch eine zweite Entwicklungslinie. Diese stand angesichts von Fragen wie Überbevölkerung und dem zunehmenden Versagen des internationalen Friedenssystems dem Gedanken einer biologisch geläuterten Menschheit aufgeschlossen gegenüber. So blieb Khan Noonien Singh, mochte er auch ein gentechnisches Erzeugnis gewesen sein, für einen Teil der irdischen Bevölkerung ein indirektes Vorbild für den Aufbau einer sozialutopischen Menschheit, die in der Lage war, ihre anhaltenden Probleme dauerhaft hinter sich zu lassen. Dieses Bedürfnis nach einer ‚Erlöserfigur‘ bzw. neuen Weltordnung wurde maßgeblich katalysiert durch die im 21. Jahrhundert um sich greifenden wirtschaftlichen und ökologischen Verwerfungen auf der Erde, die Agitatoren wie Colonel Phillip Green einen Boden bereiten, um das internationale Staatensystem ins Chaos zu stürzen, wodurch letztlich der Dritte Weltkrieg (2026-53) ausgelöst wurde.

Mehr als einhundert Jahre später, im Jahr 2154, stahl der Genetiker Arik Soong mehrere Augmentembryonen, zog sie groß und hatte die Vision, die Mutantenbewegung wieder zu beleben, weil er glaubte, man könne Augments ohne negative Eigenschaften wie enorme Aggressivität, Paranoia und extremes Geltungs- und Machtverlangen erschaffen. Diese Hoffnung stellte sich allerdings als Trugschluss heraus. Soongs Augments konnten gestoppt und ihre Vorhaben unterminiert werden. Schließlich starb mit Khan, der es wegen seines Kryoschlafs bis ins 23. Jahrhundert schaffte, anno 2282 der letzte genuine Augment. Aber sein unfreiwilliges Erbe ging nicht gänzlich verloren.

In der 2161 gegründeten Vereinigten Föderation der Planeten wurde frühzeitig ein allgemeines DNS-Optimierungsverbot in Kraft gesetzt, das jedoch einige Ausnahmen zuließ. So gab es auch noch im mittleren 24. Jahrhundert unter strengen Auflagen begrenzte genetische Erweiterungsexperimente, beispielsweise im Jahr 2365 auf der Forschungsstation Darwin auf dem Planeten Gagarin IV. Die hier behandelten Kinder sollten durch ein verbessertes Immunsystem resistent gegen die meisten Krankheiten werden. Diese Forschung stellte sich jedoch nicht als erfolgreich heraus. Abseits des allgemeinen föderationsweiten DNS-Optimierungsverbots ließ sich die Entstehung eines Schwarzmarktes für körperliche und geistige Aufwertung nicht vollständig verhindern, dessen informelles Zentrum der Planet Adigeon Prime wurde. Die Optimierung von Menschen und anderen Lebewesen erreichte zwar nie wieder die beängstigende Dimension der Mutanten aus den Eugenischen Kriegen, doch hat die Faszination gesteigerter Kraft- und Kognitionsfertigkeiten die Menschheit auch nie wieder vollständig verlassen, und mag es sich auch nur um die Angst von Eltern handeln, ein Kind mit deutlicher Behinderung zur Welt zu bringen und großziehen zu müssen.

 

Referenz

TOS TNG DS9 VOY ENT ST-Romane/Comics
1x22 1x01 5x16   4x04 Eugenic Wars, I
ST II 2x07 6x09   4x05 Eugenic Wars, II
  ST VIII     4x06 To Reign in Hell (TOS)
          Abyss (STC)