STAR TREK COMPANION
return to the edge of the final frontier

Relaunch / Titan

Seize the Fire

Autor: Michael A. Martin
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 500
Band: 1.8

Vorbemerkung

Mein redaktioneller Kollege Martin Weinrich hat eine meiner Meinung nach wunderbar passende Rezension zu diesem Buch verfasst, die ich an dieser Stelle ausnahmsweise anstatt meiner eigenen präsentieren möchte. Ich kann mich ihr voll und ganz anschließen. Die Quelle ist natürlich TrekZone.

 

Inhalt

Aufruhr in der Gorn-Hegemonie: Die Brutwelt der Krieger-Kaste ist durch eine Veränderung der Sonnenstrahlung unbrauchbar. Das stellt die Gorn vor ein ernsthaftes Problem, denn die Eier der Kriegerkaste sind die sensibelsten. Während alle Gorn-Kasten mehrere Brutwelten haben, wurde für die Krieger-Kaste bisher nur eine gefunden und die ist nun unbrauchbar. Hektisch machen sich die Gorn auf die Suche nach einer neuen Brutwelt für die Krieger.

Die Titan entdeckt derweil eine Ansammlung künstlich erschaffener Welten. Die Crew entdeckt jedoch kurz darauf noch etwas anderes: die Maschine, die diese Welten erschaffen hat. Unglücklicherweise haben die Gorn die Maschine bereits in ihren Besitz gebracht, um eine Welt den Anforderungen der Krieger-Eier anzupassen. Der Planet, den sie sich dafür ausgesucht haben, hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Er beheimatet bereits eine Zivilisation, die bei der Umformung vernichtet würde. Riker erkennt schnell, dass er das irgendwie verhindern muss.

Im selben System ist neben der Gorn-Flotte noch ein getarntes Gorn-Schiff, von dem niemand etwas weiß. An Bord sind die überlebenden Krieger des Brutplaneten, die durch die Strahlung verrückt geworden sind. Sie verfolgen ihre eigene Agenda...

 

Kritik

War Zero Sum Game trotz der ausgeliehenen Deep Space Nine-Akteure kein wirklicher DS9-Roman, so ist Seize the Fire ein typischer Titan-Roman - und das ist leider nicht unbedingt ein Vorteil. Die Mission der Titan steht für die Erforschung des Unbekannten. Das hat durchschnittliche bis schlechte Romane (Sword of Damocles) und sehr gute Romane (Orion's Hounds) hervorgebracht. Dieser Roman hätte ebenso gut unter dem Titel Star Trek: Titan laufen können.

Der Typhon-Pakt, um den es eigentlich geht, spielt in dem Roman nur eine untergeordnete Rolle. Insofern bekommt man mit dem Roman etwas ganz anderes vorgesetzt, als man eigentlich erwartet hat. In dem Roman spielen politische Entwicklungen, taktische Überlegungen und Spionage überhaupt gar keine Rolle. Der ganze Roman dreht sich einzig und allein um das Brutweltproblem der Gorn und die damit verbundene drohende Zerstörung einer ganzen Zivilisation.

Diese Grundproblematik hat eine Schwäche, die bei vielen Forschungsabenteuern auftaucht. Der Leser verbindet nämlich nichts mit den Hranar. Sicher, da ist eine Zivilisation und sicher, es wäre schrecklich, wenn sie vernichtet würde. Aber was man nicht kennt, kann man auch schlecht betrauern. Zumal in der Destiny-Trilogie mal eben ein paar Welten vernichtet wurden, mit denen man durchaus etwas verbinden kann. Viel Gefühl kommt bei der anstehenden Zerstörung also nicht auf.

Dafür leistet der Roman aber etwas, was auch Zero Sum Game schon gut getan hat: Er bringt einem eine bekannte Zivilisation, hier die der Gorn, näher. Es scheint, als nutzen die Autoren jetzt die Möglichkeit mit der Typhon Pact-Serie, alte Gegner der Föderation, über die man aber kaum etwas weiß, näher zu beleuchten. Zunächst nervt das etwas, denn auf den ersten Blick ähneln die Gorn extrem den Breen aus Zero Sum Game. Beide Völker sind sehr isolationistisch veranlagt, und beide Völker sind somit extrem xenophob. Die Breen bestehen aus vielen verschiedenen Völkern; jedes Volk ist in der Gesellschaft für bestimmte Aufgaben zuständig. Die Gorn bestehen aus vielen verschiedenen Kasten, die auf unterschiedlichen Planeten herangezogen werden; jede Kaste ist für eine andere Aufgabe zuständig. Der Leser hat dadurch zunächst ein paar Déjà-vu-Erlebnisse.

Aber Michael A. Martin nimmt sich für die Gorn weitaus mehr Zeit als David Mack für die Breen. Das ist auch notwendig, denn im Gegensatz zu Zero Sum Game ist Seize the Fire alles andere als ein Actionroman. So wird gerade die xenophobe Haltung der Gorn sehr gut dargestellt. Indem die Titan einen Wissenschaftsoffizier der Gorn rettet, der die Mission der Gorn sabotiert hat, weil er die Hranar retten möchte, prallen zwei Welten aufeinander. Den Gorn wurde von der politischen Kaste eingetrichtert, dass alle Humanoiden schlecht sind. Diese Propaganda aufzuweichen, braucht viel Zeit, gelingt aber letztendlich. Dadurch entstehen viele Szenen, die aus der Sicht des Gorn geschrieben sind. Es ist sehr erfrischend, mal Kapitel aus der Sicht eines Reptils zu lesen.

Leider zieht sich die Handlung extrem in die Länge. Viele Passagen spielen auf dem Schiff der verrückten Gorn. Diese Handlung ist eher langweilig, weil sie extrem stereotyp ist und auch relativ vorhersehbar ist. Diese Passagen sind immer aus der Sicht einer überlebenden Wissenschaftlerin geschildert, die von den Kriegern quasi gefangen gehalten wird und rein zufällig die Partnerin des Gorn ist, der von der Titan gerettet wurde.

Das Problem ist auch, dass die Situation in dem Sternensystem so verfahren ist. Die Titan steht neun Gorn-Schiffen gegenüber. Außerdem nähert sich eine Typhon-Pakt-Flotte. Rikers einzige Chance, die Maschine aufzuhalten, ist also eigentlich reinzufliegen und die Maschine zu zerstören. Vorher muss Riker aber noch Ewigkeiten darüber nachdenken, ob das Ganze nicht ein Eingriff in die Oberste Direktive ist. Diese Überlegungen wirken schon fast ein wenig albern, sind aber auf jeden Fall langwierig und teilweise langweilig.

Die Handlung plätschert dann vor sich hin. Ein Team wird auf den Planeten geschickt, man merkt, dass sie Warpmöglichkeiten schon entwickelt haben, es kommt zu Verhandlungen, die Verrückten schließen sich Riker an, wenden sich von ihm ab, wollen die Maschine zerstören, es stellt sich heraus, dass die Maschine ein Lebewesen ist, Riker hält die Verrückten auf, gewinnt das Vertrauen der Gorn-Flotte und lässt die Verrückten dann doch in die Maschine fliegen.

Das ist die verkürzte Handlung. Das Ganze wird extrem in die Länge gezogen. Letztendlich kommt es zu einer Minimallösung. Die Gorn kommen auf die Idee, nicht Planeten zu verändern, sondern die genetische Struktur der Eier ihrer Krieger. Die Tatsache, dass Riker das Vertrauen der Gorn einfach dadurch erwirbt, dass er die Verrückten in einem Traktorstrahl festhält, ist doch etwas simpel, nachdem man zuvor erfahren hat, wie tief das Misstrauen der Gorn gegenüber Humanoiden ist.

Obwohl all das zwar gemächlich wirkt, liest es sich doch ganz gut. Es gibt zwar keine großen Überraschungen und viele langweilige Szenen, aber der Blick in die Welt der Gorn und ihre Denkweise ist doch ganz interessant. Das Ende ist allerdings enttäuschend. Statt eine Minimallösung mit einigen Zufällen zu konstruieren, hätte man die Stärke des Romans in ein starkes Ende verwandeln können. Denn Riker und die Crew der Titan (mit Reptilien) haben gezeigt, dass man das Misstrauen aufweichen kann und zusammenarbeiten kann. Hätte man zu einer Lösung kommen können, die den Gorn geholfen hätte, einen Brutplaneten für Krieger zu finden, die wieder gegen die Föderation eingesetzt werden könnten, hätte man authentisches Vertrauen schaffen können. Mit einer besser konstruierten Story hätten sich die Gorn durch so eine Hilfe sogar aus dem Typhon-Pakt lösen lassen. So etwas in der Art, eine Geschichte mit galaktisch-politischen Auswirkungen, erwartet man während des Lesens. Die Minimallösung zum Schluss ist daher recht enttäuschend.

 

Fazit

Seize the Fire erzählt eine gemächliche Geschichte, der man kaum anmerkt, dass eine Zivilisation auf dem Spiel steht. Die Ruhe ist aber auch eine gewisse Stärke, denn die Erzählweise sorgt für einen kontinuierlichen Erzählfluss und gelungene Einblicke in die Lebenswelt der Gorn. Leider leidet der Roman daran, dass wenig Mitgefühl für die Hranar erschaffen wird, er von Zeit zu Zeit in langweilige Unterdiskussionen abdriftet und ein unwichtiges und konstruiertes Ende aufweist. Die Haupthandlung, die man bei einer Serie, die Typhon Pact und nicht Titan heißt, erwartet, wird kaum vorangebracht.

Seize the Fire hat durchaus gute Seiten und liest sich flüssig, wegen der Mängel ist es insgesamt aber eher durchschnittlich und trägt für den weiteren Verlauf der Typhon Pact-Serie nicht viel bei.

5/10 Punkten.

1-2011