Datenbank / Historische Ereignisse / 2387: Untergang von Romulus

 

 

Im Laufe des Jahres 2387 verwandelt sich der Stern des romulanischen Heimatsystems in eine Supernova bislang unbekannten Typs. Die Explosion vernichtet Romulus, Remus und sämtliche Planeten des Systems sowie eine Reihe benachbarter Sonnensysteme innerhalb der Herzkammer des romulanischen Hoheitsgebiets vollständig. Zudem bricht die Infra- und Versorgungsstruktur des kolonialen Netzwerks weitgehend zusammen. Trotz bereits seit Jahren laufender Evakuierungsbemühungen nicht nur des Romulanischen Sternenimperiums, sondern auch maßgeblich der Föderation sterben Milliarden Romulaner und Mitglieder anderer im Sternenimperium beheimateter Spezies. Bemühungen der Föderation und insbesondere des vulkanischen Wissenschaftsrates, auf den letzten Metern der Detonation des Sterns zuvorzukommen und mithilfe einer experimentellen Technologie die Novawelle zu zersetzen, haben nicht zeitnah gefruchtet. Mit dem Untergang von Romulus endet auch die Existenz einer gefügten imperialen Zentralmacht, und es kommt zu einem Zerfall in verschiedene Territorien und zum Entstehen gesetzloser Zonen innerhalb des einstigen romulanischen Raums. Es ist nicht mehr und nicht weniger als der Beginn einer neuen stellarpolitischen Ordnung.

 

 

Romulus und das Sternenimperium in den 2380er Jahren

 

Anfang 2380 zerfiel die romulanische Nation in zwei antagonistische Separatreiche mit vollkommen unterschiedlichen politischen Positionen (2379-81). Bereits wenige Monate später steuerte Prätorin Tal‘Aura das geschwächte Sternenimperium in den so genannten Typhon-Pakt – ein die politische Sternenkarte revolutionierendes Bündnis sechs großer Mächte –, während Imperatorin Donatra den kleineren Imperialen Romulanischen Staat (IRS) in Beziehungen mit der Föderation und den Khitomer-Staaten führte (2381/82). Es setzte ein kalter Krieg im Quadrantengefüge zwischen Khitomer-Staaten und Typhon-Pakt ein, dessen Eskalationspotenzial groß und weitere Entwicklung ungewiss war. Der Zustand der Teilung währte bis zum Kollaps und zur Reabsorption großer Teile des IRS durch das Sternenimperium nur wenige Jahre, verschärfte allerdings den Gegensatz zwischen den beiden politischen Blöcken.

 

Dennoch kam es nicht zu einer kriegerischen Konfrontation der Machtblöcke, obwohl die entgegengesetzten Parteien immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen binnen weniger Wochen und Monate aneinander geraten waren. Das überraschende Scheitern des Typhon-Pakts führte dazu, dass das romulanische Imperium rasch wieder auf sich gestellt war. Das kurzfristig stark gewachsene Konfliktpotenzial im Alpha- und Beta-Quadranten schwächte sich wieder erheblich ab.

 

In Anbetracht einer heraufkeimenden Staats- und Gesellschaftskrise aufgrund der sich ankündigenden Supernova im romulanischen Heimatsystem (siehe nächster Abschnitt) kam es zu einer Phase der stellarpolitischen Entspannung. In diesem Kontext gelang es Botschafter Spock, seine Wiedervereinigungsbewegung auf Romulus aus der politischen Isolation und kriminalisierten Verfolgung zu führen; er wurde zu einem Dialogpartner und diplomatischen Bindeglied zur Föderation. Anders als in früheren Jahren seines Engagements für seine Bewegung, waren sowohl die staatlichen Repressalien beendet worden als auch durch die Verabschiedung von Immigrationsgesetzen sein illegaler Status im Imperium in einen legalen Aufenthalt umgewandelt worden.

 

Dies verbanden viele in der Föderation mit der Hoffnung, die kalte Staatsräson beider Mächte könnte bald auf Dauer der Vergangenheit angehören und ein neuer Friedensprozess begonnen werden. Spock, der zugleich als Repräsentant der VFP vom romulanischen Senat anerkannt wurde, versuchte diese neue Zuversicht zu dämpfen. Er erkannte zwar Fortschritte in den Beziehungen zwischen Erde und Romulus, sah jedoch in der gebesserten Situation der Wiedervereiniger mehr das Bestreben der neuen romulanischen Regierung nach innerer Befriedung als den konkreten Wunsch nach einem stabilen Frieden mit der Föderation.

 

 

Erstmalige Beobachtung der Supernova und Beginn der Evakuierungsbemühungen

 

Die abrupten Veränderungen der politischen Beziehungen und die Wiederannäherung zwischen Erde und Romulus waren maßgeblich bedingt durch die Notlage, die im Kern des romulanischen Raums entstand. Dass es in den Fusionsprozessen des romulanischen Sterns zu ernsthaften Instabilitäten gekommen war, wurde erstmals Ende des Jahres 2381 von romulanischen Astrophysikern beobachtet. Als kurz darauf auch die Föderation von den ungewöhnlichen und schwerwiegenden Veränderungen der Romulus-Sonne erfuhr, wurde für Experten rasch ersichtlich, dass der Vorgang irreversibel sein und in die Entstehung einer ungewöhnlich starken Supernova münden würde.

 

Die voraussichtliche enorme Kraft dieser Explosion wurde auf die Spektralklasse und spezifische Sonderbedingungen des Sterns zurückgeführt. Allerdings bot die Ungewöhnlichkeit der extrem schnellen Destabilisierung des Sterns und der Aufladung mit enormen Energie- und Strahlungsmengen auch von vorne herein Anlass für Spekulationen. So entstand beispielsweise die Theorie von einer Graviton-Ellipse, die sich im Innern der Romulus-Sonne an der Schwelle zwischen Normalraum und Subraum gebildet habe und sich nicht mehr zurückzog. In diesem Fall bestünde die Gefahr, dass das Auseinanderbrechen des Sterns eine ungeheure Menge an Energie freisetzen könnte. Auch entwickelten sich in konservativen Kreisen der romulanischen Gesellschaft Verschwörungstheorien, eine andere Macht habe heimlich am Zusammenbruch der Sonne gearbeitet. Es gab diejenigen, die klandestine Elemente in der Föderation verdächtigten.  

 

Das Romulanische Sternenimperium traf das Ausmaß der binnen weniger Jahre erforderlichen Evakuierung von Milliarden Personen unvorbereitet und überforderte dessen Kapazitäten. Angesichts der rasch progressiven Destabilisierungsrate des Sterns und der enormen Zahl von umzusiedelnden Bürgern blieb der romulanischen Regierung schließlich nichts anderes übrig als die Föderation offiziell um Hilfe zu ersuchen. Diese erklärte sich nach einer kurzen Phase der Konsultation und Abklärung bereit, massive Unterstützungsmaßnahmen zur Rettung der von der bevorstehenden Detonation betroffenen Bewohner einzuleiten. Während die Romulaner der Föderation untersagten, Hilfeleistungen im Zentralsystem beizusteuern, wurde der Planetenallianz gestattet, im föderationswärts vorgelagerten Gebiet des imperialen Hoheitsraums die Evakuierung von insgesamt 900 Millionen Personen zu übernehmen.

 

Admiral Jean-Luc Picard wurde vom Sternenflotten-Oberkommando mit der Aufgabe betraut, die Evakuierungsanstrengungen vorzubereiten und umzusetzen. Einer der ersten Schritte Picards bestand darin, die Sternenflotte davon zu überzeugen, eine massive Umschichtung von Ressourcen und Finanzmitteln vorzunehmen, damit man den Dimensionen der historisch beispiellosen und aller Voraussicht nach jahrelangen Operation gerecht werden konnte. Infolgedessen wurde die Mission der Sternenflotte massiv beeinträchtigt und unmittelbar verzichtbaren Forschungs- und Entwicklungsprojekten im gesamten Föderationsraum die Förderung entzogen. Stattdessen wurden insbesondere die Utopia Planitia-Flottenwerften mit dem sukzessiven Bau einer nie dagewesenen Rettungsarmada von bis zu zehntausend Schiffen der Wallenberg-Klasse betraut, die in der Lage waren, eine vollständige Rekolonisierung durchzuführen. Diese Transporter sollten mithilfe bioneuraler, nicht-empfindungs- und urteilsfähiger Androiden, welche kurzfristig vom Daystrom-Institut – namentlich Dr. Bruce Maddox – entwickelt wurden (Daystrom-A500-Androiden), konstruiert und administriert werden. Doch selbst unter den besten Voraussetzungen war der Zeitdruck hoch, denn die Zerfallsrate des romulanischen Sterns war immens.

 

 

Fortschritte und Widrigkeiten der Evakuierungsmission

 

Schon sehr bald stellte sich heraus, wie dramatisch die Notlage rund um den romulanischen Zentralstern wirklich war. Die Astrophysikerin am Astronomie-Institut von Cambridge, Dr. Amal Safadi, fand heraus, dass die Destabilisierung des romulanischen Sterns in immer erschreckenderem Ausmaß voranschritt, sodass sich die ursprünglichen Berechnungen rasch als Makulatur erwiesen. Die romulanische Sonne würde also erheblich schneller als allgemein erwartet zur Supernova werden und aufgrund einer noch stärkeren Detonationswelle weitere Welten im imperialen Gebiet mit in den Abgrund reißen – darunter auch solche, die bereits als Evakuierungsstandorte ausgewählt worden waren. Folglich bedeuteten diese Neuigkeiten einen größeren Bedarf an Schiffen in noch kürzerer Zeit und eine Verknappung von Ersatzwelten im romulanischen Gebiet. Doch während die Föderation auf diese neue Erkenntnis reagierte, versuchte die romulanische Führung die Wahrheit zunächst zu vertuschen, um ihr Gesicht zu wahren – selbst wenn dies auf Kosten der eigenen Bevölkerung ging.

 

Ungeachtet dieses katastrophalen Szenarios schritt insbesondere in den Jahren 2383 und 2384 die Evakuierungsmission der Föderation in romulanischem Raum voran. Admiral Picard und sein Team unternahmen zahlreiche Anstrengungen, um mit den ihnen bis dahin zur Verfügung stehenden Schiffen so viele Personen wie möglich aus dem Einflussbereich der Supernova zu schaffen. So konnten eine Reihe von Kolonien wie Ectis II oder Inxtis mit großem Aufwand erfolgreich evakuiert werden. Doch im Zuge der Umsiedlungsbemühungen kam es immer wieder zu problematischen Zwischenfällen, bei denen permanent die Gefahr einer Verstrickung der Sternenflotte in innerromulanische Angelegenheiten bestand.

 

Angesichts widriger Umstände und des hohen Zeitdrucks sah Picard sich schließlich sogar gezwungen, romulanische Flüchtlinge durch die Neutrale Zone zu bringen und auf Föderationswelten wie Vashti oder Torrassa anzusiedeln, was teilweise Widerstand bei den indigenen Bevölkerungen hervorrief. Zudem war Picard immer wieder mit dem Vorwurf der romulanischen Regierung konfrontiert, Kulturimperialismus zu betreiben, das romulanische Volk „verwirren und zerstreuen“ zu wollen. Auf Seiten der Föderation entstand teils der Eindruck, die Romulaner seien undankbar.

 

Vor dem Hintergrund dieser schwierigen Gemengelage verlor die Rettungsmission innerhalb der Föderation zunehmend an Rückhalt. Ehrgeizige Politiker aus den kleineren Grenzwelten in der Nähe des romulanischen Raums nutzten die Lage, um Zweifel und Missgunst an Picards Evakuierungsbemühungen reifen zu lassen. An ihrer Spitze stand Olivia Quest, anfangs Juniorratsmitglied der kleinen VFP-Welt Estelen im Föderationsrat. Quest monierte zunächst, dass innerhalb der Föderation ein Machtkartell der „Großen Vier“ (Erde, Vulkan, Andoria, Tellar) bestehe und diese den kleineren, entlang der Neutralen Zone gelegenen Mitgliedswelten massive politische und ökonomische Einschnitte aufbürdeten, um romulanische Leben zu retten. Im Laufe der Zeit wurde Quest sogar zur Wortführerin einer regelrechten innerföderalen Opposition von insgesamt vierzehn Welten, drohte unverhohlen mit einer Sezession und machte in der Öffentlichkeit mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Rettungsmission mobil. So wurde aufgrund der Dramatik der romulanischen Flüchtlings- und Evakuierungskrise ein Auseinanderbrechen der Föderation zur ernsthaften Gefahr.

 

 

Destabilisierung der Sonne und vorzeitiges Aus der VFP-Rettungsmission

 

Unter diesen schwierigen Gesamtbedingungen schritt Picards Arbeit in mühsamer Kleinarbeit voran. Die Evakuierung der dicht besiedelten Welt Vejuro in einem der Nachbarsysteme von Romulus stellte die bislang größte Herausforderung für die Umsiedlungsanstrengungen dar. Indes zeigte sich bereits Anfang 2385, dass die Apokalypse der romulanischen Zentralwelten begonnen hatte. Rückwirkend würde dieses Jahr als Startpunkt der Supernova datiert werden. Die Korona des Sterns begann sich erheblich auszudehnen, weil die Quantenaktivitäten endgültig in sich zusammenfielen. Dadurch kam es auf Romulus und anderen Welten zu massiven klimatischen Veränderungen, in deren Folge Teile der Landmasse binnen kurzer Zeit unbewohnbar wurden (unter anderem Tsunamis, Dürre, Erdbeben). Monat für Monat wurden die Umweltschwierigkeiten stärker, welche durch die sich anbahnende Supernova verursacht worden war, und die Energie- und Versorgungsinfrastruktur begann zu versagen. Doch während die Zeit drängte, führten die politischen Widerstände auf der Erde und das immer wieder aufbrechende Misstrauen der romulanischen Regierung zu einer Verlangsamung der Umsiedlungsanstrengungen.

 

Im Frühjahr 2385, über vier Jahre nach Beginn der Evakuierungsmission, stand Utopia Planitia davor, eine gigantische, nie dagewesen große Wallenberg-Rettungsflotte fertigzustellen, die in den romulanischen Raum entsandt werden sollte. Vorher kam es am 5. April 2385 bei den Arbeitsandroiden jedoch zu einer ominösen Fehlfunktion, in deren Folge sie fast sämtliche Werftanlagen und die gesamte Rettungsflotte vernichteten. Fast 100.000 Sternenflotten-Ingenieure und Zivilisten fanden den Tod, vom verheerenden Verlust der Infrastruktur ganz zu schweigen. Der Föderation fehlten nun nicht nur die Ressourcen, sondern es war zudem aufgrund der Vernichtung der wichtigsten Werftanlagen eine prekäre Sicherheitslage entstanden.

 

Die seit ehedem wackelige Unterstützung seitens des Föderationsrats für die Evakuierungsmission brach endgültig in sich zusammen. Die Sternenflotte musste ihre Bemühungen im romulanischen Raum mit sofortiger Wirkung einstellen. Picards Protest bei Sternenflotten-Oberkommando und Politik verhallte, ohne dass er etwas erreichte, und er sah sich gezwungen, seinen Dienst zu quittieren. Zwar erklärte sich die Sternenflotte bereit, den Romulanern eine Reihe von Industriereplikatoren zu überlassen, doch abgesehen davon war das Sternenimperium nun auf sich gestellt.

 

 

Spocks Alleingang

 

2387 unternahm Spock einen letzten verzweifelten Versuch, den unmittelbar bevorstehenden Kollaps der Romulus-Sonne doch noch aufzuhalten. Spock, der die sukzessive Destabilisierung des Sterns in den vergangenen Jahren selbst von Romulus aus wissenschaftlich beobachtet hatte, sah die Gefahr eines Nova-Effekts von beträchtlichem Ausmaß, sollte die stetig expandierende Solarsphäre eines Tages instabil werden. Er setzte sich mit dem vulkanischen Wissenschaftsrat in Verbindung. Zusammen mit den dortigen Experten erarbeitete er einen Vorschlag, den er kurz darauf Prätor und Senat vortrug.

 

Um den Ausbruch des Sternes zu stoppen, unterbreitete Spock, mithilfe roter Materie ein künstliches schwarzes Loch innerhalb der Sonne zu erzeugen. Rote Materie ist eine extrem instabile und schwer kontrollierbare Substanz, die in einem aufwändigen Synthetisierungsverfahren aus dem extrem seltenen Isotop Decalithium gewonnen werden kann. Abgesehen von den Risiken war problematisch, dass nur die Vulkanier über die hierfür nötige experimentelle Technologie verfügten. Der Gedanke, erneut von der Föderation abhängig zu sein und schwere Verstimmungen in Bezug auf den abrupten Rückzug der Föderation vor wenigen Jahren hielt den romulanischen Senat zunächst davon ab, auf Spocks Vorschlag einzugehen, und es verstrich wertvolle Zeit.

 

Bereits wenige Wochen später erkannten die romulanischen Wissenschaftler jedoch, dass dem romulanischen Heimatsystem maximal noch einige Wochen bleiben würden. Der Prätor dachte um. In einem Eilverfahren entschied der Senat, sich offiziell an Vulkan zu wenden und dort um Beistand zu ersuchen. Zudem wurden die Evakuierungsanstrengungen für die Heimatwelt intensiviert.  

 

 

Neros und Spocks Missionen

 

Der vulkanische Wissenschaftsrat stellte unter Hochdruck ein Spezialschiff fertig, das imstande sein sollte, in extremen Atmosphären und Gravitationsbedingungen zu operieren (Quallenschiff). Es sollte in die äußere Schicht des Sterns eindringen und dort die rote Materie abwerfen, um so das künstliche schwarze Loch zu erzeugen. Spock meldete sich freiwillig für diese Mission.

 

Allerdings benötigte man vorher eine ausreichende Menge roter Materie. Die einzige Quelle innerhalb des romulanischen Reichs liegt in den Tiefen des Bassen-Grabens, inmitten eines gefährlichen Gebiets, in dem Pulsare für tödliche Strahlung sorgen. Für den Abbau des Decalithiums meldete sich Nero, ein Warlord, der bis vor kurzem Anführer der Minengilde gewesen war und später durch widrige Umstände einen kleinen Teil der Konkursmasse des Imperialen Romulanischen Staates übernommen hatte. Nero war eine Art autarker lokaler Machthaber innerhalb der Grenzen des Sternenimperiums und galt vielen als extremistisch orientiert. Obgleich er in jüngster Zeit für Schwierigkeiten in der Innenpolitik des Imperiums gesorgt hatte, wusste der Prätor sein Angebot zu schätzen. Neros Schiff, die Narada, war ein technologisch durch zahlreiche Raubzüge und Akquirierungen extrem weiterentwickeltes und robustes Bergbauschiff. Angesichts der Tatsache, dass das Decalithium aus dem Kern eines erstorbenen Planetoiden abgebaut werden musste, war die Narada wie gemacht für die Mission.

 

Tatsächlich gelang es Nero und seiner Crew, unter Verlusten und großem Aufwand das Decalithium zu bergen und an Spock zu übergeben, der es daraufhin der vulkanischen Akademie der Wissenschaften überbrachte. Vorher rang Nero ihm das Versprechen ab, alles zu tun, um Romulus zu schützen. In einem Schnellverfahren wurde das Decalithium umgewandelt und in Form einer speziellen Apparatur zur Entnahme kleiner Mengen des Hochrisikostoffs in das Quallenschiff eingebaut. Als das Schiff fertig war, machte sich Spock unverzüglich auf den Weg.

 

Allerdings schaffte er es nicht rechtzeitig, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Der frühzeitige Kollaps des romulanischen Sterns, den Spock schon früher befürchtet hatte, traf die Romulaner unvorbereitet, noch ehe Spock vor Ort sein und die rote Materie zum Einsatz bringen konnte. Eine riesige Schockwelle mit der zehntausendfachen Kraft einer gewöhnlichen Supernova-Explosion breitete sich in verschiedene Richtungen des Raums aus. Lange, bevor der Großteil der Bevölkerung evakuiert werden konnte, wurden Romulus und Remus vollständig zerstört. Unter den Milliarden Opfern befand sich auch Neros gesamte Familie.


Spätestens jetzt zeigte sich, dass die Theorien über eine Graviton-Ellipse nicht aus der Luft gegriffen gewesen waren. Zwar rätseln Wissenschaftler bis heute darüber, was in der Romulus-Sonne genau vor sich ging, doch der Zusammenbruch des Sterns setzte derart viel Energie frei, wie es noch nie beobachtet worden war. Die massive Energiedruckwelle pflanzte sich exponentiell von System zu System fort und besaß so das Potenzial, ringförmig immer wieder zu expandieren. Spock erkannte, dass er sich beeilen musste. Nach mehreren Tagen der Reise erreichte er die Wellenfront, und es gelang ihm tatsächlich, die rote Materie an der richtigen Stelle abzuwerfen. Wie erhofft, breitete sich die Singularität aus, und die Nova begann in sich zusammenzufallen.


Zu diesem Zeitpunkt tauchte die Narada unvermittelt auf. Der von Hass ob des Verlustes seiner Heimatwelt zerfressene Nero, wurde zusammen mit Spock in die Singularität hineingezogen, bevor diese sich schloss.

 

 

Der Status quo

 

Der Quadrant konnte gerettet werden, doch was mit Spock und der Narada passiert ist, wird wohl nie bekannt werden. Es gibt Theorien, dass sie in eine alternative Realität oder ein Paralleluniversum versetzt worden sein könnten.


Die Vernichtung der romulanischen Heimatwelt und der Rückzug der Föderation infolge der Zerstörung der Utopia Planitia-Werften hat weite Teile des Beta-Quadranten ins politische Chaos, in die Anarchie und organisierte Piraterie gestürzt. Viele Romulaner wurden dauerhaft zu Heimatlosen und Vertriebenen; anfängliche Hoffnungen, die neu angesiedelten Personen könnten auf Welten wie Vashti in Harmonie mit der bestehenden Bevölkerung leben, bewahrheiteten sich nicht.


Wo die Föderation sich zurückzog, entstanden Zonen, in denen moralisch motivierte, aber Selbstjustiz übende Gruppen agierten, um die von Schmugglern und Piraten bedrohten Bevölkerungen zu schützen. Ein Beispiel sind die Fenris-Rangers, die zwischen Vashti, Diamanta und Freecloud im Qiris-Sektor operieren. Später würde Admiral Picard einmal in einem föderationsweit ausgestrahlten Interview urteilen, die Föderation habe sich in diesen entscheidenden Jahren „aus der Verantwortung“ gestohlen und beurteilte dieses Verhalten als „kriminell“.


Tatsächlich spricht einiges dafür, dass die Ideale der Föderationspolitik mit Füßen getreten wurden, denn die VFP zeigte kein weiteres Interesse mehr, die Ordnung in den zusammenbrechenden Teilen des Beta-Quadranten aufrechtzuerhalten oder humanitäre Hilfe zu leisten, sondern beschränkte sich weitestgehend darauf, ihre Grenzen zu schließen. Andererseits hatte die Föderation zwischen Ende 2381 und 2385 unter erheblichem Ressourcenaufwand bereits eine erhebliche Zahl von romulanischen Flüchtlingen umgesiedelt und damit vor dem sicheren Tod gerettet, sodass das Urteil über die Rolle der Föderation in den Jahren, da Romulus unterging, gemischt ausfallen kann.


Dem Quadrantengefüge steht mit dem Zusammenbruch des politischen Zentrums der Romulaner und Milliarden heimatlos gewordenen Bewohnern des Sternenimperiums eine schwere und nachhaltige Belastungsprobe bevor. Entwicklungen, die den einstmals so mächtigen Zentralstaat in ein Fragmentarium verschiedenster rivalisierender Gruppierungen zerfallen ließen, sind bereits eingetreten. Die humanitäre Lage in vielen aktuellen und ehemaligen Gebieten des Imperiums ist nun höchst angespannt. Zudem ist nicht sicher, wie die Klingonen sich verhalten werden, nun da ihre jahrhundertelangen Erzfeinde am Boden liegen. Wird das Klingonische Reich einen Eroberungsfeldzug beginnen? Wie wird die Föderation sich verhalten? Wie werden die interstellaren Beziehungen sich an der Schwelle zum 25. Jahrhundert entwickeln?


Sicher ist nur eines: Die Geschichte wird weitergehen…

 

 

Persönliche Aufzeichnungen, Botschafter Spock,
aufgenommen auf dem Planeten Romulus, Ki Baratan, am 21. April 2385

 

D’Tan hat mir die Neuigkeiten mitgeteilt…

Die Sternenflotte hat ihre Mission in romulanischem Raum offiziell abgebrochen. Ich musste erfahren, dass Admiral Picard seinen Dienst aus Protest gegen diesen Kurs niedergelegt und sich zurückgezogen hat. Eine sehr ultimative Entscheidung, die ich nicht habe kommen sehen. Man könnte auch sagen: Picard hat aufgegeben.

Nun frage ich mich: Warum? Weshalb haben sich die Dinge so betrüblich… Nein, ‚betrüblich‘ ist nicht der angemessene Ausdruck hierfür… Weshalb haben sich die Dinge so verheerend entwickelt, nachdem Picard und seine Verity-Flotte über vier Jahre lang mit ganzer Kraft dafür eingestanden haben, so viele Romulaner wie möglich vor der bevorstehenden Supernova in Sicherheit zu bringen?

Die Ursachen hierfür zu benennen und sie in ein Verhältnis zueinander zu setzen, fällt mir schwer. Ich bin gezwungen, zu spekulieren, und Spekulationen habe ich noch nie als eine befriedigende Angelegenheit empfunden. Ich verfüge hier nicht über eine ausreichende Informationsbasis, und die Neutralität einiger Neuigkeiten, die mir zugeleitet werden, kann ebenfalls angezweifelt werden.

Die romulanische Regierung mag mich und die Vereiniger-Bewegung inzwischen nicht mehr kriminalisieren wie noch vor einigen Jahren, doch sie hat kein Interesse daran, uns angemessen und vollständig zu informieren. Mein Bild ist also nicht ausreichend. Und doch muss ich mich darum bemühen, die Entwicklungen der zurückliegenden Tage und Wochen zu ordnen, während ich versuche, dem ‚Warum‘ ein wenig näher zu kommen.

Die bedauerliche Wahrheit lautet, dass die Unterstützung des Föderationsrats für Picards noble Rettungsoperation – einer Mission von historisch beispielloser Dimension – zu keiner Zeit auf sicherem Fundament gestanden hat. Picard und seine – jedenfalls zeitweiligen – Unterstützer im Oberkommando der Sternenflotte waren von Beginn an bemüht gewesen, die Wahrheit möglichst ungeschönt auszusprechen: Sie haben darauf hingewiesen, dass die Evakuierung von einer Milliarde romulanischer Bürger vermutlich eine Generationenaufgabe für die Raumflotte werden und die Konzentration aller Kräfte auf diese eine Aufgabe erfordern würde. Bedenkt man, welche Mittel in den Bau riesiger Flottenaufgebote von Wallenberg-Transportern geflossen sind – und damit einhergehend in die Entwicklung neuartiger Arbeitsandroiden durch das Daystrom-Institut –, kann man nur konstatieren, dass es genauso gekommen ist.

Nein, die Anforderungen wurden sogar noch extremer. Denn die mathematischen Modelle über die voraussichtliche Destabilisierung der romulanischen Sonne sowie die Intensität und den Radius der Supernova mussten im Laufe der Zeit mehrmals beträchtlich nach oben korrigiert werden.

Das bedeutete eine noch größere Zahl von umzusiedelnden Personen bei einer Verknappung des Faktors Zeit, während die Zahl der benötigten Schiffe entsprechend anwuchs. Welten, die als Umsiedlungsstandorte ausgewählt worden waren, standen infolgedessen plötzlich nicht mehr zur Verfügung oder mussten wieder geräumt werden. Im Angesicht dieser dramatischen Situation hatte Picard sich dann und wann genötigt gesehen, mehrere Millionen Flüchtlinge durch die Neutrale Zone zu bringen und auf Grenzwelten der Föderation anzusiedeln.

Sein Verhalten war logisch begründet und nachvollziehbar, aber es brachte Abkommen zu Fall, es schuf Tatsachen. Es erregte nicht nur den Argwohn von Prätor und Senat, die der Föderation Kulturimperialismus vorwarfen.

Spätestens jetzt, wo Romulaner durch einen weitgehend eigenmächtigen Beschluss eines Sternenflotten-Admirals in größerer Zahl auf Föderationswelten evakuiert worden waren, kochten die Befindlichkeiten im Föderationsrat über. Sicherlich gab es auch einige ehrgeizige Politikerinnen wie Olivia Quest, die diese Situation für ihre eigene Karriere geschickt auszunutzen verstanden. Seit Jahren hatten gerade kleinere und im Bereich der romulanischen Grenze liegende Welten die Einstellung wichtiger Forschungs- und Entwicklungsprojekte zugunsten der Rettungsmission heftig moniert. Doch nun war ein Bedrohungsgefühl entstanden, das in Paranoia umzuschlagen drohte.

Dem Präsidenten, seinem Kabinett und dem Oberkommando wurde der Vorwurf gemacht, sie zögen romulanische Flüchtlinge offenbar ihren eigenen Mitgliedswelten vor – eine an und für sich absurde Anschuldigung, aber sie traf das irrationale Empfinden der Bevölkerungen und Lokalpolitiker auf den Grenzwelten. Ein Abgrund tat sich auf zwischen Kern- und Randwelten, der zur langfristigen Bedrohung für die Einheit der Föderation wurde.

Und dann kam zu allem Überfluss vor circa einer Woche hinzu, was ich auch in diesem Moment immer noch nicht recht zu fassen vermag. Eine der fraglos größten Katastrophen in der Geschichte der Föderation. Ich spreche vom entsetzlichen Anschlag auf den Mars. Die Vernichtung der Utopia Planitia-Flottenwerften mitsamt Abertausenden Schiffen der weit gediehenen Rettungsflotte. Nicht mehr lange, und diese erste große Welle wäre in romulanischen Raum entsandt worden. An jenem denkwürdigen Tag starben nicht nur, wenn mir die richtigen Zahlen vorliegen, fast einhunderttausend der talentiertesten Sternenflotten-Ingenieure und zahlreiche Zivilisten, Familien, Kinder… Die Föderation verlor auch weite Teile ihres bedeutendsten Werft- und Entwicklungsstandorts, etliche Sternenflotten-Schiffe, technologisches Know-how…

Durch dieses Desaster war eine schwere Beeinträchtigung der allgemeinen Sicherheitslage entstanden. Dass die Föderation ab diesem Zeitpunkt die Rettungsoperation nicht mehr aufrechterhalten konnte, liegt für mich, bei Lichte betrachtet, auf der Hand. Weder der Präsident noch das Oberkommando konnte sich dagegen stemmen. Innerer und äußerer Druck waren mit dem unerklärlichen Androidenaufstand auf dem Mars endgültig zu stark geworden.

Das alles verstehe ich… Oder sagen wir zumindest: Ich vermag es nachzuvollziehen. Was ich jedoch nicht begreife, ist Picards Verhalten. Er hat schlichtweg kapituliert, nachdem ihn seine Vorgesetzten wissen ließen, dass er nicht länger auf die politische Unterstützung aus dem Rat bauen könne und sämtliche Rettungsaktivitäten in romulanischem Gebiet unverzüglich eingestellt werden.

Sicherlich war dies zu hören, nach allem, was er bereits geleistet und wofür er sich aufgeopfert hat, eine ausgesprochen bittere Angelegenheit, und ich kann mir denken, wie es geschieht, dass Stimmungen und Worte sich verselbstständigen… Wie sie an einen Punkt führen, an dem man sich mit dem Rücken zur Wand fühlt. Und nach einem ausgedehnten Leben weiß ich auch, was gekränkter Stolz mit einem von Emotionen mitbestimmten Individuum machen kann, erst recht bei Menschen.

Und doch… Warum hat Picard aufgegeben? Er mag der Sternenflotte den Rücken gekehrt haben. Aber wieso hat er nicht mehr nach anderen Möglichkeiten gesucht? Er hat sich vollständig zurückgezogen. Er beantwortet meine Schreiben nicht mehr. Solch ein Verhalten sieht ihm nicht ähnlich. Und ich glaube, ihn vergleichsweise gut zu kennen. Wir haben zu verschiedenen Zeitpunkten zusammengearbeitet, sind miteinander eine Geistesverschmelzung eingegangen. Ich habe gesehen, wer er ist und was seine Persönlichkeit bestimmt. Und Sarek, mein Vater, hatte Picard überdies für eine ganz besondere Verbindung gewählt, weil er ihn für sein integeres Wesen, seine innere und moralische Kraft bewunderte.

Natürlich wird das, was Picard in den zurückliegenden Jahren mit großer Hingabe und Altruismus tat, nicht geschmälert. Ohne Frage hat er bei der Evakuierung unzähliger Romulaner von fast einem Dutzend Planeten Übermenschliches geleistet, das jemand anderes in seiner Rolle vermutlich nicht hätten vollbringen können. Und doch wird seine Bilanz durch seinen allzu abrupten Rückzug ins Privatleben in meinen Augen in ein anderes Licht gerückt.

Ich ertappe mich bei der Frage, was Jim zu diesem Verhalten gesagt hätte? Jim hätte nicht aufgegeben, davon bin ich überzeugt. Er hätte gesagt, dass es für ihn keine ausweglose Situation gebe; er hätte sich mit jeder Faser geweigert, zu verlieren und sich in das scheinbar Unvermeidliche zu fügen. Jim hätte nach Optionen Ausschau gehalten, nötigenfalls auch als Zivilist seine Arbeit im Sinne der Rettung von Leben fortzusetzen.

Und ein Mann wie Picard, dem viele Männer und Frauen aufgrund seiner vorbildlichen Leistungen in der Vergangenheit freiwillig folgen würden, hätte diese Möglichkeiten besessen, ganz ohne Zweifel. Doch er hat sie nicht genutzt. Er hat entschieden, die Romulaner ihrem Schicksal zu überlassen, und damit hat er sich letztlich ohne es zu wollen dem abrupten Kurswechsel der Föderation angeschlossen, die sich darauf beschränkt, ihre Grenzen zu schließen und sich auf den nahenden Zusammenbruch des Sternenimperiums vorzubereiten. Die Föderation wird schon bald erkennen müssen, dass das Hochziehen von Mauern kein einziges der Probleme lösen wird, von denen auch sie schon bald betroffen sein wird.

Picard war stets der mustergültigste Vertreter der Föderation. Er glaubte an ihre Versprechen, ihre Prinzipien und Ideale. Er füllte sie mit Leben und stellte sie unter Beweis, wann immer sie unter Beschuss waren. Im Laufe seiner Karriere hatte er stets jene Mischung aus moralischer Überzeugung und Durchsetzungsstärke, mit der er viel Gutes in der Galaxis bewirkt hat. Jetzt jedoch scheint sein moralischer Kompass ebenso Schaden genommen zu haben wie sein Wille, ihm zu folgen.

Ich finde keine Antwort auf sein Erstarren und sein Schweigen, die ich zu seinen Gunsten auslegen könnte. Picard wollte, dass alles in seinem Sinne geregelt wird, und als er sein Ziel verfehlte, die Sternenflotte zu einer Fortsetzung der Rettungsmission zu bewegen, gestattete er sich gar nicht mehr, nach anderen Lösungen Ausschau zu halten. Damit offenbart er ein enormes Ausmaß an gekränktem Stolz, ja, an Sturheit und Arroganz.

Liegt es am Alter, in das er inzwischen gekommen ist? Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Urteil einmal fällen würde, aber ich bin enttäuscht von Picard. Picard hat mich zutiefst enttäuscht. Diese Mission hätte sein großes Vermächtnis werden können, doch am Ende wurde sie womöglich sogar der Makel auf seiner weißen Weste und der Ausdruck für seinen Irrtum, für seine Fehlbarkeit.

Die Nova wird kommen, soviel steht unumstößlich fest. Die Korona hat bereits begonnen, sich aufzublähen. Infolgedessen verzeichnet Romulus schwerwiegende klimatische Veränderungen, darunter Tsunamis, Sturmfluten, Erdbeben und Dürren. Die romulanische Regierung ist mit der Situation offensichtlich überfordert. Ihr Mangel an der Fähigkeit, ihren Bürgern die Wahrheit zu sagen und es vorzuziehen, das eigene Gesicht zu wahren, verschlimmert die Lage nur noch. Es ist viel gelogen und vertuscht worden. Und das wird es immer noch, auch wenn es von Tag zu Tag schwieriger wird, das wegzureden, was sich etwa an Wetterphänomenen abspielt.

Ich bin mir bewusst, dass die Einzelheiten der ultimativen Auswirkungen der Supernova den gewöhnlichen romulanischen Bürgern vorenthalten wurden, und ich verstehe den Wunsch der Regierung, eine Massenpanik zu vermeiden. Aber es muss doch – vor langer Zeit – einen Punkt gegeben haben, an dem klar war, dass etwas Gravierendes auf Romulus und im Kernbereich des Imperiums vor sich geht. Und doch scheinen viele – darunter auch Mitglieder der Elite, die Zugang zu diesen exklusiven Informationen haben – nicht bereit zu sein, zu glauben, was sich gewissermaßen vor ihren Augen abspielt. Und selbst jetzt scheinen sich viele noch beharrlich der Einsicht zu versperren, einen Zusammenhang zwischen der ansteigenden Hitze, den Stürmen, den Fluten und den außergewöhnlichen Wettermustern zu erkennen.

Ich vermag nicht zu begreifen, warum. Womöglich sind einige Wahrheiten einfach zu groß, um sich ihnen zu stellen. Vielleicht habe ich aber auch wieder einmal unterschätzt, wie weit der Hang zu Abschottung, Geheimniskrämerei und Schubladendenken in der Herrschaftsschicht im Volk meiner entfernten Brüder und Schwestern reicht.

Gleichzeitig haben sich seit dem Entschluss der Föderation, ihre Hilfe einzustellen, viele politische Führungspersonen abgesetzt. Sie sind nicht mehr auffindbar. Ich würde sagen, dass solch ein Verhalten selbst nach romulanischem Gesetz, das nach Kasten und Schichten differenziert, als Verbrechen gilt. Die zentralen und regionalen Machthaber im Imperium haben sich unbestreitbar als unfähig erwiesen, diese Krise zu meistern. Zuerst haben sie die Fakten ignoriert und geleugnet, dann haben sie sich in zu hohem Maße auf die Föderation verlassen, und nun, da diese Hilfe ausbleibt, wird das Ausmaß ihrer Untätigkeit, ihres Irrglaubens und ihrer Ohnmacht endgültig offenbar.

Den Bürgern bleibt dies nicht verborgen. Wenn die Gerüchte stimmen, ist es bereits auf zahlreichen Welten zu größeren Aufständen gekommen. Ich bin nicht optimistisch genug, irgendetwas anderes anzunehmen als dass die Regierung mit Repressalien reagieren wird. In der Endphase der Entwicklung der Supernova spielt sich ein innerromulanisches Drama ab, das politische, ökonomische, soziale und kulturelle Dimensionen hat. Es ist allumfassend, und es wird die letzten Reste an Stabilität mitreißen, die dem Sternenimperium verblieben sind.

All das führt mich zu Picard zurück. Es mögen durch seine Taten und die Unterstützung der Sternenflotte vielleicht zwanzig Millionen Romulaner evakuiert worden sein. Aber die Allermeisten im Einwirkungsgebiet der Supernova sind immer noch hier, zum Himmel schauend und auf Transporter wartend, die nun niemals eintreffen werden. Das imperiale Militär tut inzwischen sein Möglichstes, aber es ist mathematisch gesehen unmöglich, das Ziel einer Gesamtevakuierung auch nur ansatzweise zu erreichen.

Die Meisten werden den Tod finden. Wir wissen nicht, wann die Supernova ausbrechen wird, aber es ist höchstens noch eine Frage weniger Jahre.

Für mich bedeutet diese Situationen Folgendes: Nun, da eine logistisch organisierte Rettung von Milliarden Romulanern nicht mehr in Reichweite liegt, ist höchstwahrscheinlich Wissenschaft die allerletzte Option, eine Lösung zu finden. Die Frage ist natürlich, ob überhaupt ein wissenschaftlicher Weg gefunden werden kann, so etwas Schwerwiegendes wie eine unmittelbar bevorstehende Supernova-Explosion abzuwenden. Ob diese Möglichkeit existiert? Ich weiß es nicht, und um der Wahrheit die Ehre zu geben, wurde etwas Vergleichbares noch nie versucht. Dennoch kann ich nicht mehr länger warten. Ich werde mich diesem Ziel verschreiben.

Ich sehe mich schlicht dazu gezwungen, nun da Picard und die Föderation aufgegeben, ihrer Verantwortung entsagt und die Romulaner im Stich gelassen haben. Damals, als ich entschied, mich für die langfristige Wiedervereinigung der vulkanischen und romulanischen Völker zu engagieren, ging ich eine Verpflichtung ein. Diese Brücke zu bauen wurde mein Projekt. Ich kann nicht anders als alles in meiner Macht Stehende dafür zu tun, um nach einer Lösung zu suchen, die Supernova doch noch zu verhindern, so überambitioniert sich dies anhören mag.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Chancen denkbar schlecht stehen. Angesichts dieser Herausforderung möchte ich mich an meinen unvergessenen Freund Jim Kirk erinnern, an seinen unerschütterlichen Optimismus.

Ich muss versuchen, Romulus zu retten. Mein Lebensweg hat mich hierher geführt. Dies wird meine letzte große Aufgabe sein. Ich… Ich spüre es.

Der größte Teil meiner Anhänger ist inzwischen in Sicherheit, nur mein engster Kreis befindet sich noch auf Romulus. Ich werde sie bitten zu bleiben, denn ich brauche sie.

Als erstes muss ich versuchen, ein Gespräch mit dem Prätor zu arrangieren. Im Zuge der innenpolitischen Destabilisierung rinnt ihm sein Einfluss wie Sand zwischen den Finger davon, und doch ist er als Partner unverzichtbar. Ich werde D’Tan bitten, sich an unsere Ansprechpartnerin im Senat zu wenden.

Anschließend möchte ich den romulanischen Astrophysiker Dr. Nokim Vritet finden. Er gehörte damals zu den Ersten, die auf das Entstehen der Supernova aufmerksam wurden. Seine wissenschaftliche Expertise könnte von großem Wert sein. Ich fürchte, dass Vritets Arbeit durch den Tal’Shiar massiv behindert wurde, und zuletzt ist es still um ihn geworden. Ich hoffe, er ist noch am Leben.

Vielleicht kann ich auch einen privaten Kontakt zu Dr. Amal Safadi vom Astronomie-Institut von Cambridge herstellen. Sie hat die romulanische Supernova ebenfalls erforscht. Und auch einige Bekanntschaften an der Vulkanischen Akademie der Wissenschaften könnte ich wiederbeleben. Was vor mir liegt, werde ich unmöglich allein bewältigen können. Ich werde Verbündete brauchen.

Ich erinnere mich an einen Mann namens Nero, den ich vor wenigen Monaten eher zufällig kennenlernte. Ein einflussreicher Captain in den Reihen der Minengilde. Nero sagte mir, dass er ein Bewunderer meiner Arbeit für die Wiedervereinigung sei. Aufgrund seiner politischen Rolle als langjähriger Vorsitzender der Minengilde genießt er ein gewisses Gehör beim Prätor, und ich habe erfahren, dass seine Gattin eine hoch dekorierte Wissenschaftlerin am Zentralen Forschungsinstitut für Quantenphysik ist. Womöglich sollte ich in Erwägung ziehen, auf Nero zuzugehen.

Ich muss mich beeilen, denn die Zeit läuft gegen mich… 

 

Aufzeichnung, Ende.

 

Referenz

TOS PIC DS9 VOY ENT ST-Romane/Comics
ST X 1x01       The Last Best Hope (Picard)
ST XI 1x02       A Singular Destiny (Destiny)
  1x03       (Countdown)
  1x04       Defining Moment (STC)