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TNG, DS9, VOY, ENT: Kommandotandems

 

4 Janeway/Chakotay:

Eigentlich soll die erste Mission der U.S.S. Voyager nur ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Kommandantin Kathryn Janeway hat den Befehl, einen hochrangigen Maquis namens Chakotay in den Badlands aufzuspüren und zu verhaften. Der Verlauf der Mission gestaltet sich dann ein wenig anders als erwartet: Die Voyager verschlägt es zusammen mit Chakotays Schiff 70.000 Lichtjahre in den fernen Delta-Quadranten. Aufgrund der Zerstörung des Rebellenschiffes kommen die Maquis auf die Voyager. Da letztere durch ihre Versetzung in den Delta-Quadranten selbst eine Reihe von Verlusten zu beklagen hat (darunter auch der XO und der Chefingenieur), trifft Janeway die Entscheidung, beide Crews zusammenzulegen und den langen Heimweg anzutreten.

 

Ausgerechnet der eben noch gejagte Chakotay wird ihr Erster Offizier – und erstaunlich schnell handzahm. Er erinnert sich seiner eigenen Ausbildung bei der Raumflotte, hält Janeway den Rücken frei, bläut sogar seinen eigenen Leuten ein, von nun an nach der Sternenflotten-Pfeife zu tanzen und verabschiedet sich scheinbar bereits früh vom Gedanken, allzu schnell wieder in den Alpha-Quadranten einzulaufen. Leider wartet man lange Zeit vergeblich darauf, dass sich zwischen Janeway und Chakotay ein nennenswerter Konflikt auftut, was ja aufgrund der unterschiedlichen Hintergründe beider Personen im Prinzip vorprogrammiert ist. Doch erst als die Voyager im vierten Jahr auf die Borg tifft, ist es soweit. Janeway sieht eine Möglichkeit, eine Allianz mit dem Kollektiv einzugehen, um eine Passage des Borg-Territoriums für die Voyager herauszuschlagen, Chakotay hält dagegen und wittert die Gefahr, dass die Borg nicht zu ihrem Wort stehen. Die Fronten bleiben lange Zeit bestehen, obwohl Chakotay niemals Janeways Autorität in Frage stellt.

 

Eine zweite harte Konfrontation ergibt sich zu Beginn des sechsten Jahres nach der Begegnung mit der U.S.S. Equinox, deren Crew, wie sich herausstellt, nukleogenische Lebensformen tötet, um sie in Antriebsenergie umzuwandeln. Janeway empfindet die Handlungen von Captain Ransom und seinen Leuten als Verrat an den Prinzipien der Sternenflotte und droht sich in einer Jagd mit hohem Risiko zu verlieren, in der sie wiederum selbst beinahe einige Grundpfeiler der Sternenflotte verletzt. Chakotay versucht, ihr ihr Raserei bewusst zu machen und stellt sich gegen manche Entscheidung. Aber auch jetzt opponiert er nicht. Insgesamt bleibt die Beziehung Janeway/Chakotay eine des Ungezeigten und Unausgesprochenen. So wie wir die harten Kontroversen dieses Führungstandems während des beschwerlichen Flugs in die Heimat weitestgehend vermissen, werden auch die Gefühle Chakotays für seine Kommandantin hier und da zaghaft angedeutet, aber niemals ernsthaft weiterverfolgt. Schade.

Bewertung:

 

 

3 Picard/Riker:

Anders als T’Pol im Falle Archers, Kira im Falle Siskos oder Chakotay im Falle Janeways, sucht sich Jean-Luc Picard seinen Ersten Offizier selbst aus. Er will jemanden, der selbstständig Entscheidungen treffen kann. Als William Riker Picards XO wird, hat er sicher nicht im Sinn, fünfzehn Jahre lang ‚Nummer eins‘ zu sein, geschweige denn Picard, so lange denselben Mann als seinen Stellvertreter zu haben. Doch die Dinge kommen anders. Riker, in den ersten Jahren noch sehr unter Dampf, sich seine Sporen für ein eigenes Kommando zu verdienen (für dieses Ziel hat er immerhin auch seine Beziehung mit Deanna Troi auf der Strecke gelassen), beginnt an Bord der Enterprise seinen idealen Platz zu finden – und das nicht nur in der Rolle von Picards XO, sondern als Teil einer familiären Mannschaft, die die Prinzipien der Föderation hochhält.

 

Picard, der Riker in den ersten Jahren noch anstößt, zuzugreifen, als dieser (wiederholt) eigene Kommandos angeboten bekommt, beginnt, den Wunsch seines XOs zu akzeptieren, auf der Enterprise zu bleiben. Eigentlich kann es ihm nur recht so sein, denn in all den Jahren zeigt sich, dass das Tandem Picard/Riker sich vortrefflich ergänzt. Wo Riker im Kommandoalltag zu temperament- und affektvollerem Verhalten neigt und sich schon mal seinen Weg freischießt, ist Picard bedächtiger und vorsichtiger. Wo der Lebemensch Riker an Bord gerne unter Leute geht, wahrt Picard Distanz. Mit der Zeit sind es genau diese Unterschiede, die beide Figuren voneinander lernen lassen und jedem von ihnen mehr Stärken verleihen. Nichtsdestotrotz bleiben beide auch in den fortgeschrittenen TNG-Jahren die, die sie sind. Getragen ist ihr Verhältnis von Anfang an durch große gegenseitige Loyalität und Respekt, woraus jedoch auch eine persönliche Freundschaft wird. Picard weiß, dass er sich hundertprozentig auf Riker verlassen kann. Dieser hat sich im Laufe der Jahre aber auch so stark an seinen ‚natürlichen‘ Captain Picard gewöhnt, dass er mit anderen Autoritäten auf der Enterprise zuweilen Probleme hat, wie etwa das schwierige Verhältnis zum Interimskommandanten Edward Jellico zeigt.

 

Ausgerechnet im letzten Jahr der Serie kommt es zum wohl schwersten Zerwürfnis zwischen Picard und Riker, als letzterer die Wahrheit rund um ein geheimes Projekt seines Ex-Kommandanten Pressman sowie die Wahrheit über die Geschehnisse auf seinem früheren Schiff Pegasus verschweigt. Picard, der merkt, dass ihm Dinge vorenthalten werden, reagiert so heftig, dass er Riker sogar mit einer Entlassung vom Posten des Ersten Offiziers droht – nach all den gemeinsamen Jahren eigentlich eine Überreaktion. Andererseits zeigt dieses Beispiel, wie sehr Rikers Anwesenheit auf der Brücke zum Grundinventar seines Kommandos gehört. So meistern beide Offiziere diese Krise auch rasch wieder und dienen noch viele Jahre zusammen, bevor Riker letztlich den Befehl über die U.S.S. Titan erhält.

 

Bewertung:

 

2 Sisko/Kira:

Kein anderes Verhältnis zwischen Kommandant und XO ist so kompliziert und konfliktgeladen wie das zwischen Benjamin Sisko und Kira Nerys. 2369 kommt Sisko nach DS9, nachdem die fünfzigjährige Besatzung der Cardassianer endete und die Föderation sich bereiterklärt hat, Bajor beim Wiederaufbau zu unterstützen. Die impulsive und leidenschaftliche Kira ist von der Provisorischen Regierung als Verbindungsoffizier auf die Station abkommandiert worden, was sie jedoch nur unter Zwang tut. Die erste Begegnung zwischen Sisko und Kira verläuft nicht gut. Sie misstraut ihm, da sie argwöhnt, die Föderation könnte sehr bald schon Ansprüche im bajoranischen Raum erheben und allmählich eine neue Form jener Besatzung entstehen, die ihre Welt über Dekaden hinweg ausgepresst hat.

 

Als frühere Freiheitskämpferin ist für sie jede Aussicht, das hart erkämpfte Recht auf Selbstbestimmung ihres Volkes zu teilen und Kompromisse zu schließen, zuwider. Zu Beginn wird deutlich, dass Kiras Rolle auf DS9 auch politisch mit durchaus großer Macht verbunden ist: Sie kann Sisko nicht nur bei der Provisorischen Regierung anschwärzen, sondern sich auch bei der Sternenflotte über ihn beschweren – der es natürlich an guten Beziehungen zu Bajor gelegen ist. Sisko jedoch gelingt es nach und nach, Kiras Vertrauen zu gewinnen, auch wenn der Weg dorthin steinig ist. Er bindet sie in alle wichtigen Abläufe und Entscheidungen ein und geht keiner Konfrontation mit ihr aus dem Weg, da Kira Stärke und ein offenes Visier zu schätzen weiß. Gerade Kiras anfänglich großes Temperament, gepaart mit ihrem glühenden Hass auf die Cardassianer und ihrer noch sehr präsenten Widerstandserfahrung, führt mitunter zu heiklen politischen Situation im Dreieck zwischen Föderation, Bajor und Cardassianern.

 

Gleichzeitig bescheinigt Kai Opaka Sisko bereits kurz nach seiner Ankunft, der Abgesandte der Propheten zu sein, was natürlich Folgen für das Verhältnis zu Kira hat. Während ihre Loyalität als XO über die Staffeln hinweg stetig steigt, entsteht für die tief gläubige Kira wiederum eine neue Distanz zu Sisko, da er von der spirituellen Führerin Bajors als religiöse Heilsfigur ausgerufen wurde. Doch schließlich finden beide einen Weg, auch diese Kluft zu überwinden. In den letzten DS9-Jahren ist eine tiefe Freundschaft und ein Verständnis für den jeweils anderen gewachsen. Kira hat erkannt, dass die Föderation Bajor freier und nicht unfreier gemacht hat. So wird sie letzten Endes eine Anwältin eines raschen Beitritts ihrer Welt in den planetaren Völkerbund und beerbt Sisko nach seinem Verschwinden in den Feuerhöhlen als Kommandantin von DS9.

Bewertung:

 

 

1 Archer/T'Pol:

Als die Vulkanierin T’Pol an Bord der Enterprise, NX-01, kommt, jauchzt und frohlockt Jonathan Archer nicht unbedingt. T’Pol wurde ihm vom vulkanischen Oberkommando als ‚Beobachterin‘ aufs Auge gedrückt, um der Menschheit während ihrer ersten Mission im tiefen Raum über die Schulter zu schauen. Tatsächlich sind Archer und T’Pol zu diesem Zeitpunkt in herzlicher Abneigung verbunden. T’Pol tritt arrogant und belehrend gegenüber der menschlichen Besatzung auf, stellt Archers Entscheidungen in Frage und hintergeht ihn sogar. Archer wiederum ist in seinem Urteil nicht frei, weil er die Vulkanier, seit sie die Bemühungen seines Vaters zur Entwicklung eines Warp-fünf-Antriebs ausbremsten, als selbsternannte Vormünder der Menschheit empfindet. Im Laufe der ersten Mission der NX-01 können beide sich ein gegenseitiges Respektverhältnis erarbeiten, und T’Pol bleibt vorerst an Bord.

 

Doch schon bald führen die kommenden Abenteuer dazu, dass die bekannten Fronten zwischen Archer und T’Pol sich auflösen: Anfänglich überschätzt der naive Captain seine eigenen Möglichkeiten und beginnt einzusehen, dass die Vulkanier mit ihren Warnungen und Einwänden nicht immer Unrecht hatten. T’Pol wiederum macht (teilweise am eigenen Leib) die Erfahrung, dass auch die Vulkanier nicht unfehlbar sind und mitunter fragwürdige Entscheidungen treffen. Bei mehr als nur einer Gelegenheit setzt sich Archer ausgesprochen selbstlos für T’Pols Interessen und ihr Wohlergehen ein – ein Charakterzug, der T’Pol an dem Bild der Menschen, das sie bislang mit sich herumtrug, zweifeln lässt. Auf diese Weise bewegen sich Captain und XO bis zum Ende des zweiten Missionsjahres immer stärker und stärker aufeinander zu. Nach dem Xindi-Angriff auf die Erde führt die neue Mission die Enterprise in die Delphische Ausdehnung. Sie zwingt T’Pol, sich so deutlich wie nie zwischen ihrer entstandenen Loyalität zu Archer und ihrer Karriere im vulkanischen Oberkommando entscheiden zu müssen.

 

Das Ultimatum wird von ihr dahingehend beantwortet, dass sie ihr Offizierspatent beim Oberkommando niederlegt und in den Dienst der Sternenflotte tritt – ein radikaler Schritt, der zeigt, wie sehr sich die Vulkanierin Schiff und Besatzung inzwischen verpflichtet fühlt. In den kommenden Jahren werden die Bande zwischen Archer und T’Pol weiter gefestigt und nehmen Züge einer Freundschaft an – umso mehr, da T’Pol durch ihre Trellium-Vergiftung emotionaler wird. Zu Beginn des vierten Missionsjahres macht ihr Archer ein besonderes Geschenk: Er überreicht ihr einen antiken Kompass von der Erde aus seiner Sammlung. „Damit Sie immer den richtigen Kurs finden.“ Wie auch im Fall von Sisko und Kira zeigt sich: Wo anfangs heftige Loyalitätskonflikte existierten, ist die gegenseitige Loyalität nachträglich umso größer. Man ist gemeinsam aneinander gewachsen. Für Archer und T’Pol gilt das so deutlich wie für kein anderes Führungstandem.

 

Bewertung:

 

B'rel-Klasse Vor'Cha-Klasse K't'inga-Klasse Negh'Var-Klasse K'Vort-Klasse