Datenbank / Historische Ereignisse / 2135-47: Vereinigte Erde

 

 

Die Vereinigte Erde ist der erste planetenweite Nationalstaat auf der Erde. Sie stellt eine längerfristige Konsequenz aus dem Dritten Weltkrieg (2026-53) sowie dem Ersten Kontakt mit den Vulkaniern (2063) dar und damit eine fundamentale zivilisatorische Neuausrichtung der irdischen Gesellschaft, welche sich erstmals in ihrer Geschichte zu einer politischen Einheit fügt. In Orientierung an historischen Vorbildern, aber auch in dem Bewusstsein, dass die Menschheit nicht allein im Universum ist und nur mit einem radikalen Neubeginn zwischen den Sternen wird längerfristig bestehen können, entsteht die Vereinigte Erde zwischen 2135 und 2147 – und bewirkt eine ungeheure innen- wie außenpolitische Dynamik.

 

 

Nachwehen des Dritten Weltkriegs

 

Nach dem Dritten Krieg herrschten - trotz des Erstkontakts mit den Vulkanierin in Folge von Zefram Cochranes Warpflug - noch lange Zeit in vielen Regionen Anarchie und Verheerung. Bis in die 2080er Jahre hinein sprach man von der postatomaren Schreckenszeit, in der unter anderem Richter grausame Schauprozesse für das Volk veranstalteten und Soldaten in Strahlenschutzanzügen für Ordnung im Richtersaal sorgten, oft auch barbarische Selbstjustiz übten. Es sollte bis zum Jahr 2113 dauern, dass sich die Erde mit Unterstützung der neuen vulkanischen Partner von den schlimmsten Folgen des letzten Weltkriegs erholt haben und die ökonomische Situation der Bevölkerung erheblich besser würde. Armut, Krankheit und Krieg begannen nachhaltig zu verschwinden.

 

Als Konsequenz der fürchterlichen Erfahrungen im Dritten Weltkrieg nahmen mit dem Ende der postatomaren Schreckenszeit um 2080 die Bemühungen Fahrt auf, nationalstaatliche Strukturen in größere, supranationale Gemeinwesen zu überführen. Auf diese Weise entstand zunächst in den 2120er Jahren die Europäische Hegemonie. Sie sollte der ab 2135 gegründeten Weltregierung als Vorbild dienen, welche zum Ende eines kontinuierlichen Integrationsprozesses sämtliche kontinentalen Allianzen und Länder umfassen sollte. Die letzten unabhängigen Nationen, unter ihnen etwa Australien, traten 2147 nach und nach der Weltregierung bei (Aufgabe der Voll-Souveränität, Aufnahme in den supranationalen Bundesstaat), sodass die Vereinigte Erde zum Ende der ersten Hälfte des 22. Jahrhunderts offiziell konstituiert werden konnte.

 

 

Vulkanische Einflussnahme

 

Die Gründung der Weltregierung ging nicht nur auf ein verändertes Denken und eine Bereitschaft zum universalen Zusammenschluss auf Seiten der Menschheit zurück, sondern hängt auch maßgeblich mit dem Wunsch des vulkanischen Oberkommandos zusammen, klare Ansprechpartner und Hierarchien für die Zusammenarbeit bzw. Wiederaufbauhilfe zu bilden. Die Vulkanier hatten sich geweigert, mit Einzelstaaten zu verhandeln, da sie befürchteten, auf diese Weise in innerirdische Konflikte hineingezogen zu werden. Stattdessen verlangten sie einen singulären, einheitlichen Ansprechpartner, die Formierung supranationaler Strukturen und die Einhaltung bestimmter Regelwerke.

 

So wurde im Vorlauf, gewissermaßen als Keimzelle der späteren Vereinigten Erde, zunächst Ende der 2060er Jahre die United Earth Space Probe Agency (UESPA) gegründet, die Organisation zur Durchführung der durch die Vulkanier betreuten zumeist unbemannten Weltraumerkundung (der enge Grenzen und strikte Technologieaustauschvorgaben gesetzt waren) inklusive Flugkontrolle und Koordination für zivilen Raumverkehr. Auf die Gründung eines Handelsrates in den 2070er Jahren – welcher die Nationen der Erde bereits an einen Tisch brachte – folgte die gemeinsame Konstituierung der Earth Cargo Services (2081-2151), einer gewaltigen Fracht- und Transportgesellschaft, deren Aufgabe zu Beginn vor allem darin bestand, die zum Wiederaufbau der Erde benötigten Rohstoffe heranzuschaffen und für einen geregelten Handel mit Vulkan zu sorgen.

 

Tatsächlich regierte das vulkanische Oberkommando relativ stark in die Statuten der genannten supranationalen Organisationen herein, um sicherzustellen, dass die Erde den Grundsätzen der vulkanischen Politik folgte. Die Erde fügte sich in dieser kritischen historischen Phase, da auf der Hand lag, dass nur Vulkan in der Lage war, die so dringend benötigten Ressourcen in großem Umfang zu liefern, waren doch die fossilen Brennstoffe der Erde um 2060 faktisch aufgebraucht und der Planet weitestgehend auf ihre neuen Partner angewiesen; die Erde verfügte über keine Kontakte ins übrige All.

 

 

Verfasstheit der Vereinigten Erde

 

Die Schaffung einer Weltregierung war ein politisch bislang nie da gewesenes Unterfangen und erforderte jahrzehntelange Vorbereitungszeit. Die große Herausforderung bestand darin, die Erfahrungen, Traditionen und Vorstellungen der unterschiedlichen irdischen Nationalstaaten, Regionen und Bündnisse zusammenzubringen und zugleich den Interessen und Vorgaben der Vulkanier gerecht zu werden. Mit der 2135 ins Leben gerufenen Weltregierung, der zunächst etwa die Hälfte aller irdischen Nationen angehörte, entstand erstmals eine Art föderaler Bundesstaat, also ein Zusammenschluss teil-souveräner Einzelstaaten (und Erd-Kolonien), die Teile ihrer Kompetenz auf den Bundesstaat Vereinigte Erde übertrugen. Das supranationale Element wurde binnen kurzer Zeit erheblich stärker, da die Notwendigkeit einer verstärkten Synchronisierung auf höchster Ebene erkannt wurde. Dennoch wurde dem Bedürfnis Rechnung getragen, dass Nationalstaaten und Konföderationen ein Stück weit ihre Identität beibehielten (Subsidiaritätsprinzip).

 

Staatsoberhaupt wurde ein von allen Bürgerinnen und Bürgern der Vereinigten Erde gewählter Präsident, der anfangs vor allem repräsentative Aufgaben wahrnahm. Der Staatenrat, ebenfalls ab 2135 direkt durch die Bürgerschaft gewählt, beinhaltete die von den Einzelstaaten bzw. Regionen berufenen Abgeordneten und stellte die parlamentarische Ebene dar, mit einer Hoheit insbesondere über den Haushalt. Nicht zuletzt in Anlehnung an die historische Vorleistung durch die Europäische Hegemonie wurde Paris als Hauptstadt der neuen Weltregierung bestimmt. Die ökonomische Erholung und die politisch begonnene Einheit der Erde führten zu einem Aufblühen von Handel und erdfernen Siedlungsunterfangen. Gerade im frühen 22. Jahrhundert entstand eine Reihe von irdischen Kolonien. Diese erhielten teilweise spezifische Souveränitätsrechte mit eigenen Regionalparlamenten, insbesondere der Mars.

 

 

Veränderungen nach Gründung der Weltregierung: 2147-61

 

Relativ zeitgleich zur Einrichtung der Weltregierung um 2135 gelang es der irdischen Administration, den Vulkanierin die Einrichtung der Sternenflotte als Ergänzung der UESPA abzuringen. Anfangs vom vulkanischen Oberkommando lediglich zum allgemeinen Schutz der Erde und der kolonialen Standorte sowie zur Durchsetzung der Statuten des Raumverkehrs geduldet, entwuchs die Sternenflotte rasch der UESPA (welcher sie technisch gesehen untergliedert war) und entwickelte unter der Ägide ihrer Führungspersönlichkeiten ein ausgeprägtes Eigenleben. Bereits um 2140 war die Sternenflotte als eigenständige, durchfinanzierte Institution in vollem Umfang handlungsfähig.

 

Bezeichnend für die ersten Jahre der Sternenflotte war ihr nicht eindeutiger Rechtsstatus, die daraus resultierende eigentümliche Organisation und unklare Unterstellung. Die Sternenflotte war formal der UESPA angegliedert, bezog das Personal allerdings wie die UESPA von den Erdstreitkräften, aus denen dieses gleichzeitig ausschied. Dies und derlei mehr führte zu einer komplizierten, schwer zu durchschauenden Verschachtelung einer ebenso wissenschaftlich wie militärisch geprägten Weltraumbehörde in Selbstverwaltung und zugleich Regierungsunterstellung. Die geschaffene Sternenflotte sollte nicht nur für Konflikte mit den Vulkaniern sorgen, da sie deren Vorstellungen von einer hörigen Erdpolitik sukzessive durchbrach, sondern auch in Kompetenzauseinandersetzungen mit der irdischen Regierung geraten, da gerade die als Pioniere agierenden Captains der Sternenflotte oftmals politische Tatsachen ohne unmittelbare Legitimation durch Parlament und Regierung schufen.

 

Obwohl die Vulkanier nur selten explizite Diktate ausübten, nutzten sie die Abhängigkeit und Unerfahrenheit der Erde, um diese politisch nachhaltig zu beeinflussen und damit politisch auf Linie zu bringen. Auf diese Weise wurde die Erde über die Jahrzehnte immer mehr in eine Art Vormundschaft hineingezogen, welche dazu führte, dass vulkanische Aufseher in praktisch allen zentralen Institutionen, Gremien und Organisationen präsent waren und ihre Positionen durchzusetzen versuchten. Doch nicht immer folgten die menschlichen Vertreter der Linie der Vulkanier. Insbesondere innerhalb der Raumflotte, zunächst der UESPA, den Erdstreitkräften und dann vor allem der späteren Sternenflotte, entwickelte sich eine starke Strömung, die eine stärkere Eigenständigkeit der Erde forderte und aus den Reihen der Politik gezielte Unterstützung erfuhr.

 

Motor und Kristallisationspunkt für dieses Bestreben war das Warp-5- und NX-Programm (2119-51). Es wurde von Zefram Cochrane und Henry Archer Ende 2118 ins Leben gerufen und zielte auf die Entwicklung eines komplett neuartigen Raumschiffs ab, um der Erde eine eigenständige Entdeckung des Weltraums zu ermöglichen. Letztlich konnte dieses Raumschiffs mit dem Prototypen Enterprise NX-01 nach dekadenwährender und von herben Rückschlägen sowie vulkanischen Blockadeversuchen begleiteter Entwicklung realisiert werden. Im April 2151 startete das Schiff unter dem Befehl von Captain Jonathan Archer in den Tiefenraum. Die Missionen der Enterprise (2151-55) und das zunehmende Widerstreben der Erdregierung, vulkanische Weisungen einzuhalten, führten binnen weniger Jahre zu einer Beendigung der vulkanischen Vormundschaft über die Erde, was im Jahr 2154 durch einen fundamentalen Regierungswechsel auf Vulkan formal anerkannt und bestätigt wurde.

 

2155 war die Vereinigte Erde Gründungsmitglid der Koalition der Planeten, welche maßgeblich durch die Erstkontakte, Missionen und Vermittlungen der Sternenflotte formiert werden konnte (2152-61). Im Oktober 2161, im Anschluss an den Krieg gegen das Romulanische Sternenimperium (2156-60), sollte sie Gründungsmitglied der Vereinigten Föderation der Planeten sein. Wesentliche Elemente ihres Regierungssystems sollten Pate für die Schaffung des Administrationssystems der VFP stehen.

 

Referenz

TOS TNG DS9 VOY ENT ST-Romane/Comics
1x21 1x01   7x23 1x01 Lay Down Your Burdens (STC)
2x09 2x18     1x02 Mummy's Wedding (STC)
  5x14     2x02 Apotheosis #3 (STC)
  7x08     2x12  
  ST VIII     2x24  
        4x07  
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