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Was ist das Besondere an Deep Space Nine?

 

Es ist viel geschrieben worden über die verschiedenen Star Trek-Serien. Deep Space Nine bildet da keine Ausnahme, ganz im Gegenteil. An dieser Stelle möchte ich mir die Allgemeinplätze und die entkernten Lobeshymnen sparen, denn natürlich halte ich DS9 für eine herausragende, wenn nicht sogar die beste Star Trek-Serie von allen. Stattdessen möchte ich zum Wesentlichen vorstoßen und die Frage stellen: Was macht DS9 eigentlich so besonders? Was hebt es bis heute so klar von den anderen Franchise-Vertreterinnen ab?

Hier sind meine Antworten, die ich drei groben Kategorien (Setting, Erzählung, Figuren) unterordne.

 

Das Setting

 

  • Fester Schauplatz: DS9 hatte von vorneherein ein klar lokalisierbares Zentrum mit der im bajoranischen Heimatsystem stationierten namensgebenden Raumstation. Es hat zwar nicht darauf verzichtet, neue und wechselnde Handlungsorte einzuführen, aber trotzdem gab es stets einen Rückbezug auf dieses Zentrum. Mit der festen Verortung der Serie ging die Möglichkeit einher, vertiefte Erzählungen zu schildern (z.B. die Bajor- und Cardassia-zentrierten Episoden) und sehr konkrete Entwicklungslinien zu verfolgen. Das alte, manchmal etwas beliebige Alien-of-the-week-Prinzip wurde dadurch durchbrochen – auch nach der Einführung der U.S.S. Defiant als stärker mobiles Serienelement blieb das so.

 

  • Vom Rand der Galaxis zum Zentrum allen Geschehens: Startete DS9 als eine Serie in einem entlegenen, eher verruchten Winkel der Galaxis, mauserte das dynamische Setting sich durch die enorm politischen Konsequenzen (Entdeckung des Wurmlochs, Kontakt und Konflikt mit dem Dominion, DS9 als Vorposten) spätestens in der vierten Staffel endgültig zum gefühlten Mittel- und Brennpunkt allen Geschehens. Auf DS9 gibt sich so das halbe Who-is-who des Quadrantengefüges im Laufe der Zeit die Klinke in die Hand. Obwohl diese Entwicklung so zu Beginn der Serie nicht zwangsläufig war, erscheint sie doch glaubwürdig und konsequent.

 

  • Herausfordernde Gegner: DS9 ist deshalb so spannend, weil es nicht zuletzt mit bedrohlichen Gegnern arbeitet. Sind es zunächst vor allem die Cardassianer (die wie die Bajoraner von TNG übernommen wurden), steigt ab der dritten Staffel das Dominion zum großen Kontrahenten auf. Das Dominion ist deshalb so bedrohlich, weil es wie eine regelrechte Anti-Föderation erscheint. Auch die Klingonen werden zeitweilig als entfesselte Bedrohung inszeniert, doch dann werden sie zu wertvollen Alliierten. Auch der Maquis ist im Sinne eines für die Sternenflotte schmerzlichen moralischen Dilemmas ein interessanter Gegner. Lediglich die Romulaner kommen in der Serie zu kurz.

 

  • Religion und Mystik als authentische Elemente: Star Trek war immer sehr skeptisch in Bezug auf metaphysische Erscheinungen und Storyelemente. DS9 gelingt es als einzige Serie, religiöse und mystische Bestandteile zu integrieren, ohne die eher rationale Star Trek-Perspektive zu verlieren. Diese Anreicherung schafft mehr Nähe zu unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit.

 

Die (epische) Erzählung

 

  • Komplexe Storyarcs: Keine andere Serie führt in seinem Pilotfilm derart viele Handlungsstränge und damit mögliche Entwicklungslinien für die kommenden Seasons ein wie DS9. Umso bemerkenswerter ist, wie viele dieser Stränge im Prinzip bis zum Schluss weiterverfolgt oder zumindest immer wieder aufgegriffen werden, wiewohl natürlich auch im Laufe der Serie neue Arcs geknüpft werden. Die Komplexität der Erzählung ist von vorneherein weit dichter und epischer als bei anderen ST-Serien, weil die Macher in DS9 neben den klassischen Einzelepisoden in regelrechten Storybögen denken, die schubweise – mal mehr, mal weniger stark – verfolgt werden und die Serie daher in Episodenpaketen betrachtet werden muss. Beispiele sind etwa die Folgen, die sich mit den (politischen) Wandlungsprozessen der bajoranischen Gesellschaft befassen, mit dem sich verstärkenden Maquis-Konflikt oder auch dem in Etappen verlaufenden Krieg gegen das Dominion. Besonders herausragend sind in diesem Zusammenhang die in einem Stück erzählten Episoden rund um die Eroberung und Rückeroberung von DS9 Ende der fünften bzw. am Beginn der sechsten Staffel sowie die zehn zusammenhängenden Finalfolgen in der siebten Staffel.

 

  • Politische Handlungen: TNG tat es bereits – DS9 nimmt sich daran ein Beispiel und steigert sich enorm. Ein festes, verankertes Setting und die Möglichkeit zu zusammenhängenden Episoden, die Abschied nehmen von der berüchtigten ‚Roddenberry Box‘, eröffnen politische Handlungen, die DS9 von Anfang an weitestgehend gekonnt verfolgt. Zu nennen sind zunächst der Wiederaufbau und die schwierige Übergangszeit auf Bajor, die Konflikte mit Cardassia und dem Maquis, das Säbelrasseln mit dem Dominion und die dramatischen Umbrüche im Alpha- und Beta-Quadranten vor Ausbruch des Kriegs gegen die Macht von der anderen Seite der Galaxis und schließlich der Kriegsverlauf selbst mit all seinen Irrungen und Wirrungen. Dabei verzichtet DS9 auch nicht darauf, das Innenleben der Föderation stärker zu beleuchten und durchaus ihre Schwachpunkte und zweifelhaften Seiten zu zeigen – etwas, das andere Serien so gut wie vollständig unterließen.

 

  • World Building: Star Trek entdeckte seit seiner Entstehung unzählige fremde Welten, aber nicht immer war es gut, wenn es um die glaubwürdige Darstellung von Kulturen ging. DS9 ragt gerade hier heraus. Das fest verortete Setting brachte die große Chance, bestimmte Völker bzw. Weltenbündnisse wie die Bajoraner, Cardassianer und das Dominion vertieft und facettenreich zu betrachten. Mit dem Einstieg des von TNG importierten Worf in der vierten Staffel wandte sich DS9 auch der konsequenten Weiterverfolgung der klingonischen Gesellschaft zu. Zudem ist es ausschließlich das Verdienst dieser Serie, dass die Ferengi von einer Ansammlung von Witzfiguren zu einer spannenden, alternativen und trotzdem unterhaltsamen Kultur ausgebaut wurden.

 

  • Überwinden von Tabus: DS9 fuhr produktionsmäßig eher im Windschatten von TNG und VOY. Vielleicht ist das einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Macher freier waren als bei anderen ST-Serien, die üblichen Restriktionen innerhalb des Franchise zu überwinden. Teilweise wurden kreative Lösungen gefunden, ohne in direkter Weise mit den seit Roddenberry geltenden Vorgaben zu brechen; manchmal war DS9 aber sogar durchaus radikaler. Es wurden immer wieder neue Dinge ausprobiert, ohne die Grundprinzipien der Funktionsweise einer modernen Star Trek-Serie auszuhebeln. Beispielsweise galt es seit Roddenberry-Zeiten als ungeschriebenes Gesetz, dass es innerhalb des Hauptcasts keinerlei Konflikte geben darf, weil eine moralisch geläuterte Menschheit präsentiert werden sollte. Dieses Problem umgingen die Macher von DS9, indem sie besonders viele nicht-menschliche Vertreter in die Führungscrew einführten. Auf ganz ähnliche Weise wurde auch eine Ökonomie an Bord der multikulturellen Station eingeführt.

 

Die Figuren

 

  • Konsequente Charakterentwicklung: Weg vom Technobubble, hin zu den Figuren – das war von vorneherein der Anspruch von DS9, und man merkt es der Serie von Beginn an. Viele Charaktere haben regelrechte Entwicklungsbögen und -etappen, in denen sie in ganz verschiedene Situationen gebracht werden, etwas gravierend Neues über sich erfahren und intensive Wandlungsprozesse durchleben. Dies gilt etwa für Odo und Kira, Bashir, Garak und Dukat. Hintergründe werden ausgeleuchtet, häppchenweise Informationen über Figuren hinzugefügt und dadurch ein beeindruckend komplexes Bild mancher Charaktere erstellt. Eine auffällige Tendenz zur ‚Pärchenbildung‘ in der Serie (z.B. Sisko-Dukat, Odo-Kira, Bashir-Garak, Odo-Quark, Worf-Dax, O’Brien-Bashir) verstärkt ihre Fähigkeit, Charaktere voneinander abzugrenzen und möglichst scharf zu zeichnen sowie auch glaubwürdige Freundschaften und Beziehungen mit einer gewissen Chemie zu schildern.  

 

  • Riesiges Ensemble: Keine andere Serie versammelt ein so großes und diverses Aufgebot an Gastcharakteren wie DS9. Dabei gelingt es der Serie oft meisterhaft, neue Nebenrollen zu integrieren, ohne die Weiterentwicklung des bestehenden Casts zu vernachlässigen. So entsteht gerade in der zweiten Hälfte der Show ein buntes, schillerndes Figurenensemble, das glaubhaft symbolisiert, wie groß der politische Bogen ist, den DS9 spannt. Die Serie wird zu einem echten Nexus der unterschiedlichsten Persönlichkeiten, mit einem besonderen Auge für ungewöhnliche Grenzgänger zwischen verschiedenen Kulturen (z.B. Odo, Garak, Worf, Nog).  

 

  • Charaktere im Graubereich: DS9 präsentiert nicht nur strahlende Helden, sondern ist stark darin, Figuren glaubhaft und tief auszuleuchten. Man denke an innerlich zerrissene Charaktere wie Garak oder Dukat, die sich dem klassischen Gut-Böse-Schema entziehen oder beispielsweise auch an Michael Eddington. Ebenfalls in diese Kategorie fällt Admiral Leyton, der es vielleicht gut mit der Erde meint, aber am Ende zum tragischen, fehlgeleiteten Putschisten wird. Trotz vieler dunklerer und schattierterer Figurenzeichnungen verliert DS9 zu keiner Zeit den grundsätzlichen Charakter einer Serie, die eine utopische Gesellschaft zeigt.

 

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