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Datenbank / Historische Ereignisse / 2340-75: 66er-Klausel

Die so genannte 66er-Klausel ist im Diplomatenjargon die Bezeichnung für das Übereinkommen der Vereinigten Föderation der Planeten und der cardassianischen Union, ihre Jahrzehnte währenden Grenzkonflikte über die Einrichtung einer Entmilitarisierten Zone (EMZ) beizulegen. Sie rekuriert auf den Zeitpunkt der Einigung: das Erdenjahr 2366. Der Weg zu diesem politischen Konsens ist gepflastert von mehreren Konfliktetappen sowie sich verändernden strukturellen Bedingungen des interstellaren Systems, in die beide Akteure, vor allem aber die cardassianische Union, eingebettet sind.

Erstkontakt

Obwohl es 2321 einen beiläufigen Erstkontakt zwischen Föderation und Cardassianern auf Planeten Juhraya gab, führte das erste unmittelbare Aufeinandertreffen sogleich zu einem diplomatischen Zwischenfall. Damals, anno 2327, versuchten die Cardassianer - noch nicht auf dem Höhepunkt ihrer imperialistischen Ausdehnung - als Teilnehmer eines vom vulkanischen Botschafter Sarek ins Leben gerufenen Friedensgipfels so viele neuralgische Informationen wie möglich über die Föderation zu sammeln.

Darüber hinaus wollten sie die Verhandlungen der Föderation mit den Legaranern sabotieren, um den legaranischen Raum frei zu machen für eine gewaltsame Eroberung. Diese Bestrebung wurde aufgedeckt und die cardassianische Delegation von der Friedenskonferenz ausgeladen. Fortan waren die Beziehungen zwischen beiden Seiten angespannt.

Grenzkonflikte

Die interstellaren Beziehungen der 2330er und frühen 2340er Jahre standen im Zeichen des Betraka-Nebel-Zwischenfalls (2328-46). Hierbei konzentrierte sich die Föderation zunächst auf die Vermittlung von Interessen, wohingegen die Cardassianer durch einen Konflikt mit den Klingonen relativ stark gebunden waren. Nach Beendigung der fast zwanzigjährigen Auseinandersetzung kam es, bedingt durch die Ausdehnung sowohl von Föderation als auch Union, zu ersten Zusammenstößen. Das cardassianische Militär verfolgte eine gezielte Provokationstaktik, indem es immer wieder die expansive Revidierung seiner Grenzen erklärte. Die Sternenflotte versuchte dieser Gefahr mit einer konsequenten Patrouillenpolitik zu begegnen, blieb hinter ihren Grenzen und versuchte, gleichsam beschwichtigend wie ignorierend mit der cardassianischen Herausforderung umzugehen.

Langfristig konnte die Sternenflotte jedoch nicht bei einer rationalen Politik bleiben. Cardassianische Schiffe sorgten immer wieder für Provokationen am Rand des Föderationsraums; es handelte sich um den absichtlichen und gut organisierten Versuch, Vergeltungsschläge herauszufordern. Da es die Cardassianer dabei häufig mit zivilen Kolonisten anstelle von disziplinierten Sternenflotten-Offizieren zu tun bekamen, erreichten sie ihre Ziele. Aus Meinungsverschiedenheiten wurden Auseinandersetzungen und führten zu Scharmützeln, die schließlich zu Kämpfen und Schlachten eskalierten – jedoch ohne offizielle Kriegserklärung der beiden Seiten. Überall entlang der cardassianischen Grenzen entstanden Krisenherde, bis der Föderation nichts anderes mehr übrig blieb, als militärisch zu intervenieren.

Den Höhepunkt der zusehends emotional geführten Grenzkonflikte stellt das Setlik-Massaker dar. Getrieben von dem Glauben, die Föderation stationiere auf ihrer entlegenen Kolonie, Setlik III, eine geheime Abschussbasis mit Massenvernichtungswaffen, die zudem auf empfindliche Punkte im cardassianischen Territorium ausgerichtet sei, initiierte das cardassianische Militär eine brutal geführte Säuberungsaktion. Dabei kamen über hundert Föderationskolonisten ums Leben. Das Verhältnis zwischen beiden Regierungen verschlechterte sich wie nie zuvor. Doch eine bewaffnete Auseinandersetzung neuer Größenordnung blieb aus: Selbst die cardassianische Seite schien das Setlik-Massaker aufgeschreckt zu haben, ereigneten sich im weiteren Verlauf der späten 2350er Jahre nur mehr vereinzelte Scharmützel, welche zu Beginn der 2360er vollständig zurückgingen.

Veränderte Bedingungen

Die Veränderung des cardassianischen Verhaltens hatte selbstverständlich Gründe. So war die Expansion des Militärs ins Stocken geraten; die Union hatte sich in ihrem Expansionsrausch übernommen. Das beste Beispiel für diese politikerzeugten Brandherde ist die Besatzung des Planeten Bajor, die immer mehr in einen offenen Widerstand der indigenen Bevölkerung umschlug. Auch hatte die Union den gar nicht zu verkennenden Rüstungswettlauf gegen das klingonische Reich und das romulanische Imperium nicht gewinnen können und so der Tatsache ins Auge zu sehen, eine nur zweitklassige Imperialmacht im Quadrantengefüge zu sein.

Die Dynamik also von innen- und außenpolitischer Perzeption erzeugte bei der cardassianischen Führung Mitte der sechziger Jahre des 24. Jahrhunderts den Wunsch nach Interessensausgleich mit der Föderation. Letztere hatte mittlerweile einen zweijährigen Krieg gegen die Tzenkethi (2362-64) geführt und war ihrerseits auf Entspannung bedacht. Diese beidseitige Repositionierung fand mit der Aushandlung und anschließenden Gründung der Entmilitarisierten Zone ihre kontraktive Entsprechung.

Entmilitarisierte Zone und Maquis-Revolte

Die EMZ wurde anno 2366 im Gefolge der Friedensverhandlungen zwischen der cardassianischen Union und der Föderation gegründet. Beide Seiten kamen überein, sämtliches Militär von dem markierten Grenzgürtel abzuziehen und die dortigen Kolonien aufzugeben. Waffen und Militär waren in dieser Zone von nun an verboten. An manchen Punkten wurde sogar der Grenzverlauf neu geordnet, um eventuelle Irritationen zu verhindern. Damit entstand die paradoxe Situation, dass plötzlich ehemalige Föderationswelten in cardassianischem Raum lagen und umgekehrt. Als historisches Vorbild galt die Neutrale Zone zu den Romulanern.

Anders als die rigide geführte cardassianische Kolonialpolitik, die für einen direkten Abzug ihrer Siedler sorgte, konnte die Föderation einige Kolonisten nicht dazu bringen, ihre Heimat aufzugeben. Diese Gruppen deklarierten sich sehr bald als unabhängig. Weil die Cardassianer das Territorium nach Vertragsschluss für sich beanspruchten, wurden Anschläge auf die nun neutralen Welten verübt, was die Föderation in der Hoffnung auf Frieden aber tolerierte. Daraufhin gründeten die ehemals föderierten Kolonisten die Bewegung namens Maquis, welche nun ihrerseits mit Angriffen und Überfällen gegen die Cardassianer und notfalls gegen die Föderation, soweit sie ihnen nicht freie Hand ließ, vorging.

Der Maquis operierte von vielen versteckten Basen in den Badlands aus und wurde auf den meisten ehemaligen Föderationsplaneten im Geheimen unterstützt, jedoch gab es auch Welten, die tatsächlich neutral zu bleiben versuchten, dennoch ins Visier der Cardassianer gerieten. Alles in allem muss man anmerken, dass gerade die cardassianische Repression den Zulauf in die Reihen des Maquis verstärkte und das gegen die Union gerichtete Widerstandspotential ansteigen ließ.

Ende der 66er-Klausel

Der als politischer Durchbruch von Föderationsdiplomaten gefeierten 66er-Klausel war in der politischen Praxis nur ein kurzes Dasein beschieden. Zu Beginn des Dominion-Kriegs Ende 2373 wurde die EMZ durch die Cardassianer, welche sich dem Dominion anschlossen, vollständig aufgelöst, die meisten Planeten wurden besetzt und gewaltsam in die Union wiedereingegliedert. Im Zuge des Krieges (2373-75) wurde jede Maquis-Basis in der EMZ aufgespürt und eliminiert.

Nach Kriegsende kam es nicht mehr zur Gründung einer EMZ im ursprünglichen Sinne, weil die Besatzungsmächte umfangreiche Puffergürtel und Kontroll- sowie Besatzungszonen errichteten, die auch mit einer späteren Teilsouveränität Cardassias in den 2380ern nicht alle verschwanden. Außerdem wurde Cardassia weitestgehend entmilitarisiert, was die ehemalige Großmacht mit einem Schlag zu einer bevölkerungsstarken Zivilmacht mit vielen Krisenregionen transformierte.

 

Referenz

TOS TNG DS9 VOY ENT ST-Romane/Comics
  4x12 2x20 1x01   Enter the Wolves (TOS)
  7x24 2x21