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Datenbank / Historische Ereignisse / 2155: Terra Prime-Krise

 

 

Die Terra Prime-Krise ist eine gesellschaftliche Krise der Vereinigten Erde, bei der im Frühjahr 2155 die xenophobe, rechtsfanatische Bewegung Terra Prime nach der Eroberung der Verteron-Phalanx auf dem Mars gewaltsam ein Ultimatum zu erzwingen versucht: den Abzug aller Außerirdischen aus dem Sonnensystem. Im Besonderen zielt sie darauf ab, das Zustandekommen der Koalition der Planeten zu verhindern, über deren mögliche Gründung zu diesem Zeitpunkt Gespräche in San Francisco stattfinden. Terra Primes größeres Ziel besteht darin, die Politik der Erde zu ändern, die sie als Bedrohung für die Zukunft der Menschheit empfindet.

 

Hintergrund

Nicht alle Menschen sahen den Ersten Kontakt mit den Vulkaniern (2063) infolge von Zefram Cochranes historischem Warpflug gleichermaßen positiv. Einige empfanden die Begegnung mit Außerirdischen als Bedrohung – auch und gerade angesichts der trost- und hilflosen Lage, in der sich die Erde in den Dekaden nach dem Dritten Weltkrieg (2026-2053) befand. Die sich entwickelnde Junior-Partnerschaft der Erde, die eine zeitweilig starke Einflussnahme und auch technologische und Ressourcenabhängigkeit der Menschheit vom vulkanischen Oberkommando bedeutete, erzeugte bei vielen Erdenbürgern Ängste, bald schon vollständig fremdbestimmt zu werden. Durch ihre langsamen Warpschiffe hatte die Menschheit – abgesehen von einigen Frachterclanen der Earth Cargo Services – allerdings noch vergleichsweise wenig Kontakt mit im tiefen Raum lebenden Spezies und blieb weitgehend unter sich.

Im späten 21. und frühen 22. Jahrhundert begann sich insbesondere der Mond (Luna) zu einer Brutstätte von tradiertem, rechtsgerichtetem Gedankengut zu entwickeln. Siedler wie zum Beispiel jene Männer und Frauen in der Orpheus-Kolonie verurteilten einen modernen Lebensstil ebenso wie die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die die Erde in hohem Tempo durchlief. Besonders einfache Berg- und Industriearbeiter, die ihre Jobs durch den technologischen Fortschritt gefährdet sahen, rotteten sich zusammen. Sie führten ihre zusehends prekäre ökonomische Situation vor allem auf die Vulkanier zurück, die durch ihre konstanten Hilfsflüge zweifelsohne erheblich dazu beigetragen hatten, dass die Erde sich relativ rasch vom Dritten Weltkrieg erholen konnte. Zudem hatten Handelsverträge mit Vulkan und einigen anderen Welten dazu geführt, dass Rohstoffe, die auf dem Mond abgebaut wurden, auf dem Markt stetig an Wert verloren. Trotzdem blieb Terra Prime in diesem Zeitraum eine Nischenerscheinung, die auf der Erde selbst so gut wie keine Rolle spielte, und schließlich in der Bedeutungslosigkeit zu vergehen drohte.

Dies änderte sich erst im mittleren 22. Jahrhundert. Mit dem Erfolg des Warp-5- bzw. NX-Programms (2119-51) und dem daraus resultierenden Aufbruch der U.S.S. Enterprise, NX-01, in die Weiten des Alls (2151-55) stellte die Vereinigte Erde rasch zahlreiche Erstkontakte mit neuen Spezies her. Nicht alle von ihnen waren friedlich. Der tiefste Einschnitt stellte die Xindi-Krise (2153/54) dar, die durch den plötzlichen Angriff einer Testwaffe auf die Erde ausgelöst wurde, bei der sieben Millionen Menschen ihr Leben verloren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Terra Prime nie die Aufmerksamkeit breiter Massen erhalten. Doch spätestens mit der dramatischen Xindi-Attacke änderte sich dies. Die Mitgliedszahlen der rechtsgerichteten Organisation schossen in die Höhe und vervielfachten sich binnen Monaten. Zahlreiche Menschen auf allen Kontinenten der Erde gaben der Weltregierung und vor allem der Sternenflotte die Schuld, durch übermäßige Neugier und eine blauäugige Politik den Xindi-Angriff erst ausgelöst zu haben. Dies entsprach allerdings nicht der Wahrheit, sondern war eine Mischung aus Panik, Verschwörungstheorie und Propaganda, denn in Wahrheit war der Temporale Kalte Krieg (2151-54) ursächlich für den Schlag der Xindi gegen die Erde. Paranoia machte sich breit, die von Terra Prime geschickt angefacht wurde und ihr Leute aus allen Bereichen der Gesellschaft, nach wie vor aber vor allem aus dem Arbeitermilieu, zutrieb. Eine häufig verbreitete Theorie, die in diesen Tagen populär wurde, lautete etwa, die Vulkanier hätten damals absichtlich abgewartet, bis die Menschheit am Ende des Dritten Weltkriegs am Boden lag, um sie anschließend leichter kontrollieren zu können. Nun seien die Xindi gekommen, und es stünden schon viele andere Völker in den Startlöchern, um sich der Menschheit zu bemächtigen. Infolgedessen stieg die Xenophobie auf der Erde enorm an.

Zwischen Sommer 2153 und Frühling 2155 radikalisierte sich Terra Prime wie nie zuvor und bildete unter der Führung des Unternehmers John Frederick Paxton einen rassistisch-ideologischen Überbau heraus, demzufolge der Weltraum nicht bloß eine Gefahr für die Menschheit darstellte, sondern gerade Interspezieskooperationen die rassische Integrität der Menschen gefährdeten. Paxton selbst war ein glühender Bewunderer von Colonel Green (siehe meine Romanreihe Abyss), der am Ende und nach dem Dritten Weltkrieg Hunderttausende Strahlenopfer euthanasiert hatte, angeblich um die genetische Reinheit der Menschheit aufrecht zu erhalten. Obwohl die Xindi-Krise durch eine langwährende Tiefenraummission der Enterprise in der Delphischen Ausdehnung schließlich gelöst, Frieden mit den Xindi geschlossen und die Erde so vor weiteren Verlusten bewahrt werden konnte, blieb die politische Lage auf dem Globus aufgeheizt und instabil. Trotz der durchaus erfolgreichen Versuche der Weltregierung, auf das Schutzbedürfnis der verunsicherten Erdbevölkerung einzugehen, entwickelte sich Terra Prime spätestens ab 2154 zur wohl gefährlichsten Gegenströmung der herrschenden Politik. Die Organisation lehnte es ab, sich als politische Partei in den parlamentarischen Prozess auf der Erde einzubringen. Stattdessen agierte sie als außerparlamentarische Bewegung und hetzte immer offener gegen die etablierte Politik. Terra Prime mobilisierte dabei Zigtausende in mehreren großen Städten auf dem Erdball zu Massendemonstrationen.

Paxton operierte hauptsächlich von der Orpheus-Kolonie aus, deren Leitung er einst von seinem Vater übernommen hatte, und nutzte die Zentrale des Bergbaukomplexes als bevorzugte Bastion, um fremdenfeindliche Reden zu halten und Außerirdische als Gefahr darzustellen, durch deren Einfluss die Menschheit als Volk zersetzt werde. Eine von Paxtons häufigen Parolen lautete, die Erde laufe angesichts der vielen Außerirdischen, die sie im Laufe der Zeit zu sich eingeladen habe, auf eine Entwicklung hinaus, in der Menschen in ihrer eigenen Welt zu Bürgern zweiter Klasse und mit der Zeit verschwinden würden. Es ist anzunehmen, dass bereits im Sommer 2154 bei Paxton und seinem engsten Vertrautenkreis (darunter Daniel Greaves oder Josiah Miller) ein Plan heranreifte, sich aktiv in die Geschehnisse einzumischen und einen gravierenden Kurswechsel der Erdpolitik herbeizuführen. Da dies nicht freiwillig geschehen würde, würde er solche Veränderungen in seinem Sinne gewaltsam erzwingen müssen.

 

Terra Prime schlägt zu

Unter Leitung der Sternenflotte hatte die Erde, spätestens ab 2152, rasch ihrer Rolle in der stellaren Region gefunden – nämlich als Vermittlerin und Schlichterin von Disputen. Dies beförderte binnen weniger Jahre ein beispielloses Zusammenwachsen von Mittelmächten wie Vulkan und Andoria einerseits und Tellar und Andoria andererseits. Während der Marodeur-Krise (2154) hatte die Sternenflotte es zum ersten Mal erfolgreich geschafft, eine militärische Zusammenarbeit der verschiedenen Spezies auf die Beine zu stellen. Die latente und anwachsende Bedrohung durch das Romulanische Sternenimperium beschleunigte den politischen Annäherungsprozess zusätzlich. Vor diesem Hintergrund unternahm die Erdregierung bereits im Januar 2155 den Versuch, die Gründung einer – inhaltlich noch ungeklärten – Multispeziesallianz auszuloten, um politische, wirtschaftliche und militärische Synergieeffekte zu erzeugen. Zu diesem Zweck lud sie diplomatische Vertreter von rund einem Dutzend Welten nach San Francisco ins Sternenflotten-Hauptquartier ein. Auch Captain Jonathan Archer, Kommandant der Enterprise, und seine Führungsoffiziere – die entscheidenden Protagonisten der vergangenen Jahre – wohnten der Eröffnungskonferenz bei. Die Lage war allerdings nicht so stabil wie es den Anschein machte. Im Vorfeld hatte es Zweifel gegeben, ob es der richtige Zeitpunkt für einen solchen Gipfel war angesichts der noch fragilen innenpolitischen Situation auf der Erde. Doch die Regierung, allem voran der ehrgeizige Außenminister Nathan Samuels, hatte die Gelegenheit zur Bildung eines Weltenbündnisses ergreifen und Tatsachen schaffen wollen.

Der Auftakt der Konferenz wurde relativ rasch unterbrochen, als eine schwer verletzte Frau mit einer Haarprobe auftauchte und kurz darauf starb. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass es sich um Susan Khouri handelte, eine von Paxtons engsten Mitarbeiterinnen im Orpheus-Komplex. Die Analyse der Haarprobe und Khouris letzte Worte führten zum Schluss, dass Paxton ein Baby aus menschlicher und vulkanischer DNS binär geklont hatte. Später stellte sich heraus, dass es sich um ein aus dem Erbgut der Enterprise-Führungsoffiziere Commander T’Pol und Commander Charles Tucker III. geklontes Kind handelte; Paxton hatte das DNS-Material über einen seiner Spione in die Hände bekommen. Mit diesem Kind wollte er die Stimmung auf der Erde weiter anfachen, indem er mit Hilfe eines menschlich-vulkanischen Hybriden zu demonstrieren gedachte, dass durch eine solch genetische „Verunreinigung“ ihres Erbgutes die Menschheit ihre Identität verliere und längerfristig aussterbe.

Später begab sich Paxton mit einem mobilen Teilstück der Orpheus-Kolonie von Luna zum Mars. Die Kolonie koppelte sich unbemerkt an die Verteron-Phalanx, die sonst nur zum Abschuss von bedrohlichen Asteroiden genutzt wird, und machte aus ihr eine mächtige Waffe. Paxton hatte dieses Vorgehen von langer Hand geplant. Er verfügte nun über ein Geschoss, mit dem er Ziele im gesamten vorderen Sonnensystem erreichen konnte. Paxton übermittelte seine Forderungen mittels einer systemweiten Transmission: Binnen 24 Stunden müsse jedes außerirdische Lebewesen das irdische System verlassen haben und die Koalitionsgespräche abgebrochen worden sein. Er werde der Menschheit die Erde zurückgeben. Zudem zeigte Paxton des Mischlingskind, brandmarkte es als abschreckendes Beispiel („Interspezies-Missgeburt mit minderer Lebensqualität“) und warnte, dass durch die Politik der Sternenflotte feindselige Fremde auf die Erde aufmerksam geworden seien, die danach trachteten, den Menschen alles nehmen zu wollen einschließlich ihrer biologischen Identität als Volk. Er ließ keinen Zweifel, dass er die Raumflotte als seinen eigentlichen Gegner betrachtete und warf ihr eine arrogante Verblendung vor, die die Menschheit in den Untergang führe. Zum Zeichen seiner Entschlossenheit ließ Paxton einen Warnschuss mit der Phalanx abgeben, die ein unbesiedeltes Areal auf dem Mond verwüstete. Sollten seine Bedingungen nicht erfüllt werden, drohte er mit der Zerstörung des Hauptquartiers der Sternenflotte. Zeitgleich kam es auf der Erde zu massiven Protesten vor den außerirdischen Botschaften. Allem Anschein nach handelte es sich um ein koordiniertes Vorgehen. Die Gespräche zur Gründung einer möglichen Koalition wurden unterbrochen.

Die Sternenflotte stellte rasch fest, dass Paxton es mit seinem Ultimatum ernst meinte. Ein erster Versuch der Enterprise, die Verteron-Phalanx zu erreichen, scheiterte, und das Schiff wurde schwer beschädigt. Captain Archer und seine Crew ersonnen einen Alternativplan, Paxton zu erreichen, allerdings war dieser riskant. Zusammen mit einem Außenteam flog Archer dicht im Schweif eines Kometen, der den Mars passierte. So erreichte das Sternenflotten-Einsatzteam schließlich die Oberfläche des Mars, ohne dass Terra Prime dies mitbekam. Archer und seinem Trupp gelang es, in Paxtons Orpheus-Kolonieraumer einzudringen. Bevor er festgenommen werden konnte, gelang es Paxton zwar, mit der Verteron-Phalanx in Richtung Erde zu feuern. Allerdings gelang es Archers Leuten im letzten Moment, das Ziel der Waffe zu ändern und in den Ozean bei San Francisco umzulenken, wodurch es nur geringe Schäden gab. Paxton und sein unmittelbarer Verbündetenkreis wurden nach diesem Vorfall verhaftet.  

 

Weitere Entwicklung

Obwohl Paxton und der harte Kern seiner Anhänger gestoppt werden konnten, bedeutete ihre Festnahme nicht das Ende der Terra Prime-Bewegung. Auch wenn Paxtons Vorgehen vielen Erdenbürgern als deutlich zu radikal erschienen war, hegte eine beträchtliche Zahl von Menschen nach wie vor Sympathien für seine Positionen, zu tief saß der Xindi-Angriff wenige Jahre zuvor den Menschen noch in den Knochen. Für die Weltregierung bedeutete es eine enorme Herausforderung, in den kommenden Jahren einerseits ihren Kurs einer verstärkten Zusammenarbeit mit anderen Völkern fortzusetzen, zugleich aber auf die Befindlichkeiten und Sorgen der großen Minderheit in ihrer eigenen Bevölkerung einzugehen, die mit dem Weltraum Entfremdung, Gefahr und Tod verband.

Zu behaupten, Paxtons Aktion sei nicht erfolgreich gewesen, entspräche nicht der Wahrheit. Die außerirdischen Delegationen auf der Erde hatten alle Ereignisse mit angesehen. Trotz einer beeindruckenden Rede von Captain Archer zog sich ein großer Teil der Botschafter von der Konferenz zurück, weil sie nicht den Eindruck hatten, dass die Menschheit zum jetzigen Zeitpunkt bereit sei, die Bildung einer neuen Allianz zu koordinieren. Zudem hatte sie das Konzept einer politischen Union nicht vollständig überzeugt. Infolge von Archers Rede entschieden zumindest die vier großen Mächte – neben der Erde selbst Vulkan, Andoria und Tellar – am Verhandlungstisch zu bleiben. Zwar dauerte es deutlich länger als ursprünglich vorgesehen, eine gemeinsame Charta zu verabschieden, doch im Oktober 2155 (ein Dreivierteljahr später) würde die Koalition der Planeten (2152-61) offiziell gegründet werden können.

Vorher würde Terra Prime unerwartet noch einmal zum großen Problem werden. Bereits wenige Wochen nach Paxtons gescheitertem Vorhaben, alle Außerirdischen aus dem Sol-System zu vertreiben, meldete sich die Bewegung überraschend zurück. Unter der Führung eines neuen Anführers, der zunächst unbekannt war, verschrieb sie sich einer anderen, noch radikaleren Strategie: Auf der Erde verübten Terra Prime-Aktivisten in mehreren Weltstädten simultane Attentate, bei denen Tausende Menschen ums Leben kamen. Ziel war es, das Vertrauen in die Erdregierung zu erschüttern und die Erde politisch ins Chaos zu stürzen. Jonathan Archer und seine Crew fanden im Zuge ihrer Ermittlungen heraus, dass die Reaktivierung von Terra Prime auf die Einmischung durch romulanische Spione zurückging, die die Organisation zu entscheidenden Teilen fremdsteuerten. Wie sich zeigte, bestand das Ziel der Romulaner darin, die Erde in den Augen der anderen Koalitionsmitglieder zu diskreditieren, indem ihre politische Instabilität demonstriert werden sollte. Zeitgleich versuchten romulanische Agenten, ihren seit Administrator V’Las‘ Absetzung (2154) verloren gegangenen Einfluss auf Vulkan zurückzuerlangen. Beide Bemühungen konnten im Zusammengehen von Sternenflotte und Vulkaniern vereitelt werden.

 

Referenz

TOS TNG DS9 VOY ENT ST-Romane/Comics
2x25       4x03 Aftermath #1 (STC)
3x22       4x20 Aftermarth #2 (STC)
        4x21